Sascha

In seinem Debütfilm erzählt der Kölner Regisseur Dennis Todorovic gekonnt eine schwule Coming-out-Geschichte vor multikulturellem Hintergrund.

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Sascha (Sascha Kekez) ist 19 und schwul; der Film, der seinen Namen trägt, wird von seinem langen Weg zum Coming-out erzählen. Damit beginnt er schon in der ersten Szene, die in einen ungemein flotten Vorspann geschnitten ist. Da steht der junge Mann im Zeitschriftenladen und blättert verstohlen durch die Erotikmagazine mit den Männern auf dem Cover, natürlich sorgt seine Nervosität dafür, dass die Hefte bald wild durcheinander auf dem Boden liegen.

Gedreht im Kölner Eigelsteinviertel (Regisseur Dennis Todorovic ist Absolvent der Kölner Filmhochschule), handelt Sascha aber nicht nur vom Schwulsein, sondern auch von Migrationshintergründen und Multikulturalität, einem Thema, das sich zuletzt mit Almanya (2011) als sehr fruchtbar für das Kino erwiesen hat.

Der Titelheld stammt aus einer montenegrinischen Familie, die seit 20 Jahren in Deutschland lebt. Der Vater ist ein osteuropäischer Macho, der von der offenen schwulen Kultur in Köln nichts hören und sehen will. Er führt eine kölsche Eckkneipe mit deutschen Stammgästen (Achtung, ironische Integration!) und könnte mit seiner simplen Weltsicht, gepaart mit viriler Energie, geradewegs einem Kusturica-Film entsprungen sein. Die Mutter, eine frühere Pianistin, die in Heimarbeit für eine spießige deutsche Firma Stecker anfertigt, legt all ihren Ehrgeiz in den Sohn. Der soll auf eine Musikhochschule gehen und es einmal besser haben. Stattdessen verliebt Sascha sich aber unglücklich in seinen Klavierlehrer (Tim Bergmann). Als der ankündigt, bald nach Wien umzuziehen, überschlagen sich die Ereignisse.

Dem Debütanten Todorovic ist mit Sascha eine erstaunlich stabile Tragikomödie gelungen. Das liegt zu nicht kleinen Teilen daran, dass die Figuren nicht nur vom Ensemble hervorragend gespielt (übrigens alle mit weitgehend unbekannten Gesichtern), sondern auch überzeugend geschrieben sind. Der Film gebe kleine und große Momente des Kulturschocks aus seinem eigenen Leben wieder, schreibt der Regisseur im Presseheft, und das glaubt man ihm sofort. Dazu gehört auch, dass die Dialoge über sehr weite Strecken auf serbokroatisch mit Untertiteln geführt werden, deshalb aber nicht eine Spur weniger pointiert klingen.

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In mit Sorgfalt kadrierten Bildern inszeniert Todorovic sowohl die lauten und wortreichen Streitereien am familiären Küchentisch als auch das urbane schwule Milieu des „anything goes“. Fast jede Figur in dem Film, und davon gibt es nicht wenige, sehnt sich nach etwas anderem oder trauert verpassten Gelegenheiten nach: Die Mutter wünscht sich mehr berufliche Erfüllung, der Vater war einmal ein vielversprechender Basketball-Spieler, der adrette schwule Klavierlehrer will den Schritt in die große Karriere wagen. So ist Sascha auch ein Film über Sehnsucht – nicht nur die romantische oder sexuelle, wohlgemerkt.

Die verschiedenen Fäden laufen unaufdringlich aufeinander zu; dabei verwendet der Regisseur geschickt immer wieder Musik aus der Handlung heraus als Verbindungselement für Montagesequenzen und baut auch sonst so manches aus dem Werkzeugkasten des Filmemachers ein. Das wirkt dabei aber nie beliebig oder „gerade erst gelernt und schon ausprobiert“.

Sondern es ergibt einen überzeugenden Genremix, der ziemlich genau in der Mitte von Komödie, Tragödie, Melodram und „Film mit Botschaft“ liegt. Man schaut gerne zu, fühlt sich gut unterhalten und hat dabei noch einen im Gedächtnis bleibenden Blick auf das Leben zwischen mehreren Kulturen geworfen.

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