Quarantäne

Vermutlich weil europäische Filme nur allzu leicht auf dem amerikanischen Markt untergehen, gibt es nun ein Remake des spanischen Splattererfolgs [REC]. Das bleibt so dicht am Original, dass es den Filmkritikern die Arbeit erschwert.

Quarantäne

Angela Vidal (Jennifer Carpenter), junge Journalistin bei einem kleinen Fernsehsender in L.A., begleitet für eine Reportagesendung mit ihrem Kameramann Scott (Steve Harris) die Mannschaft einer Feuerwehrstation durch ihre Nachtschicht. Lange passiert gar nichts, dann brechen die Männer zu ihrem ersten Einsatz auf. Aus der Wohnung einer alten Frau wurden Schreie gehört, doch nachdem die Helfer in die Wohnung eindringen, greift die Bewohnerin einen von ihnen an und verwundet ihn durch Bisse schwer. Dann ist das Gebäude plötzlich versiegelt, niemand darf es mehr verlassen, während immer mehr der Eingeschlossenen krank werden.

Es ist ein nahezu unmögliches Unterfangen, zu Quarantäne (Quarantine) eine angemessene Besprechung zu verfassen. Das liegt nicht einmal daran, dass es sich um einen schlechten Film handelt, durchaus im Gegenteil: Quarantäne ist ein sehr effektiver, gut gemachter Horrorfilm, der fortsetzt, was in diesem Genre mit dem Blair Witch Project (The Blair Witch Project, 1999) begonnen und zuletzt mit Cloverfield (2007) und George Romeros Diary of the Dead (2008) weiterentwickelt wurde.

Quarantäne

Pseudodokumentarische Filme sind das, dank neuer Digitaltechnik mit tragbaren Kameras gedreht; ihr Schrecken kommt zu einem nicht geringen Teil aus der vermeintlichen Unmittelbarkeit, mit der der Zuschauer ins Geschehen hineinversetzt wird. Dass er Augenzeuge realer Geschehnisse sei, das ist die Erzählhaltung dieser Filme, die wieder und wieder, und auch in Quarantäne, durch eine entsprechende Texteinblendung zu Beginn des Films verstärkt wird.

Was aber diese Fiktion bei Quarantäne schon durchbricht, und was eben auch eine angemessene kritische Reaktion auf den Film so erschwert, ist der Umstand, dass er ein stellenweise sehr genaues Remake des spanischen Films [REC] von 2007 ist. Natürlich wird die Handlung hier und da variiert, Figuren werden verändert oder neu hinzufügt und auch das metaphysisch überladene Ende der Vorlage wird durch ein minimal glaubhafteres, sehr säkulares, aber innerhalb des Genres dann doch nicht weniger stereotypes Finale ersetzt. Die allerletzten Einstellungen des Films, da verrät man nicht zuviel, stimmen mit jenen aus [REC] dennoch fast vollständig überein.

Quarantäne

Und auch wenn Quarantäne natürlich ein eigenständiger Film ist, mit wirklich überzeugend agierenden Schauspielerin und einer konsequent innerhalb der Fiktion bleibenden Kameraführung, so bleibt doch das Gefühl, dass nahezu alles Gute in diesem Film aus der Vorlage geborgt ist. Das geht weit über die Grundidee und ihre schlüssige Umsetzung hinaus, sondern betrifft auch Details der Handlungs- und Figurenentwicklung. Wer [REC] also bereits gesehen hat, kann auf Quarantäne leicht verzichten.

Das amerikanische Remake ist nämlich auch der weniger subtile Film; er lässt sich nicht nur in der Einführung der Personen weniger Zeit, sondern verzichtet auf viele der ruhigeren Momente gänzlich – stattdessen gibt es eine Handvoll Schockmomente mehr, deren Wirkung aber schnell verfliegt.

In [REC] waren diese Szenen nie nur retardierende Elemente, der Film nutzte sie für Porträts der eingeschlossenen Hausbewohner. In dem spanischen Film fungiert das keineswegs als reiner Selbstzweck, sondern macht die Eingeschlossenen lebendiger und ermöglicht es zudem zum Beispiel, den Rassismus der Bewohner zu thematisieren. Er nimmt damit ein beliebtes Motiv des etwas anspruchsvolleren Horrorfilms wieder auf: die Auflösung zivilisatorischer Krusten unter dem Druck einer inneren oder äußeren Bedrohung.

Quarantäne

Wirkliche soziale Probleme werden dabei zwar allenfalls leicht angekratzt; in Quarantäne hingegen geht der Blick nie tiefer als bis auf die Oberfläche. Die multiethnische Zusammensetzung der Bevölkerung von Los Angeles spiegelt sich zwar in der Herkunft der Mietshausbewohner wider, sie wird aber nie zu einem Thema gemacht, das über die reine Darstellung hinaus ginge. Schlimmer noch: Im stetig zunehmenden Blutbad des Films sind die Bewohner mit minimalen Ausnahmen nur noch Teilnehmer einer Nummernrevue, die nie unser besonderes Interesse geweckt haben.

Dass man dann alle diese Tode schon einmal und interessanter gesehen hat, macht Quarantäne nicht besser; lieber möchte man [REC] noch einmal sehen und besprechen.

Trailer zu „Quarantäne“


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Kommentare


Marvin Kröger

Dieser Film ist ungefähr das schlechteste was ich je gesehen habe !!! Die Vorschau war interessant aber den Besuch im Kino hätte ich mir lieber gespart ! Alleine die unrealistische Tatsache das eine Frau in einer Art und Weise schreit bis ihr die Lungen platzen macht diese Film zum gespött ... Und warum gehen Menschen wie der Feuerwehrmann (hab seinen Namen verdrängt) rückwärts und unvorbereitet aus einer Wohnung, mit dem Gewissen das draussen Gefahr droht ?! Es tut weh millionen auf diese Weise den Bach runter gehen ... Man sollte doch wenigstens erwarten können das ein, mit einem Vorschlaghammer bewaffneter Mann, ein paar "hirnlose" Menschen aus Selbsterhaltungstrieben niederstreckt. Meiner Meinung nach ist dieser Film unnötig produziert worden und eine absolute Niete geworden. Das hätte man auch besser machen können.


Sneak PReview

Ärgerlich, Zeitverschwendung, Langweilig, unglaubwürdig, nervernde Wackelkamera, unmotivierte Splatter-Effekte, insgesamt ein unglaublich schlechter Film.
Hat der Autor der Filmkritik womöglich einen anderen Film gesehen? Die Kinofassung in der Sneak Preview war jedenfalls so ärgerlich, das so viele Menschen wir nie zuvor das Kino verzeitig verlassen haben. Nie wieder!


Chris

Guter Artikel! Danke


Joe

Zu beginn war die Egoperspektive der Kamera noch nett, aber mit der Zeit nervt das dermaßen, das man einfach aus dem Film raus will. Mich hat lediglich der Geiz und die Witze über diesen grottenschlechten Film mit meinem Kumpel in der Sneak Preview gehalten.
Ständiges gewackel der Kamera und Unschärfe nervt das ständige rumgekreische der Reporterin so wahnsinnig, das man sich ständig wünscht sie wäre das nächste Opfer!

Fazit:
Geld sparen, nicht reingehen, und wenn man doch neugierig drauf ist, warten bis er im Fernsehen kommt. Denn dann kann man ja immer noch wegschalten und Werbung gucken. Die ist dann auch besser gemacht und interessanter!


Sebastian

In der Kritik hieß es, das der Film an den spanischen REC sich hält, aber mir hat die spanische Version besser gefallen. Natürlich nervt manchmal die Egoperspektive, aber in großen und ganzen geht die Kameraführung!


mazze

ich bin gott sei dank nicht im kino gewesen! man hätte den film auch echt ein wenig abkürzen können! vorallem das ende war weitgehend offen und unaufschlüssig [die reporterin wird in einem dunklen raum vermutlich von dem infizierten aus dem bild gezogen]. man kann auf jeden fall sagen, dass man nach dem film auf keinen fall schlauer geworden ist als zuvor oder irgendetwas neues gesehen hat oder etwa, das es vorher nicht schon besser gab.


Thomas

Gestern im Fernsehn gelaufen und ganz ehrlich - NIE WIEDER!
Ein furchtbar grottiger, von Klischees nur so triefender Film, der allerdings zu Anfang noch einen so guten Eindruck gemacht hat.
Die "Zombies" gehn einem schon nach 5 Minuten auf die Nerven mit dem Drecksgekreische.


Danny

Ebenfalls gestern das erste mal gesehen (im TV), ich weiß allerdings nicht warum der Film so extrem schlecht geredet wird, finde ihn recht unterhaltsam, GERADE weil so laut und viel gekreischt wird und auch wegen der Kamera"führung". [REC] hingegen gefiel mir garnicht, viel zu langweilig.
Aber ich mag auch Filme wie Feast und Mirrors oder auch Hostel, welche relativ schlecht geredet werden.
Jedem das seine, über Geschmack lässt sich halt nicht streiten ;)






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