Paul, ein Alien auf der Flucht

Das Erfolgsduo Pegg und Frost jagt in seinem neuesten Film zwei Comic-Freaks samt Alien durch die USA und entzündet dabei doch kein Nerd-Feuerwerk.

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Simon Pegg und Nick Frost haben sich mit der Slasher-Comedy Shaun of the Dead (2003) und dem Überraschungserfolg von Hot Fuzz – Zwei abgewichste Profis (Hot Fuzz, 2007) international einen Namen gemacht. Seitdem steht die Marke Pegg und Frost für Comedy mit britischem Humor, angefüllt mit liebevollen Genrereferenzen. Für Paul, ein Alien auf der Flucht (Paul) schickt das Duo die britischen Comic-Nerds Graeme Willy (Simon Pegg) und Clive Gollings (Nick Frost) auf einen Roadtrip durch die USA zu den legendären Orten der Science-Fiction-Welt. Auf ihrer Pilgerfahrt, zwischen dem Star Trek-Drehort Vasquez Rocks und Area 51, treffen die beiden auf Paul (in der deutschen Fassung gesprochen von Bela B.). Die Begegnung der dritten Art verändert alles für die beiden Freunde. Denn Paul ist kein Mensch, sondern jener Außerirdische, der 1947 in Roswell (New Mexico) mit seinem UFO abstürzte und dessen Ebenbild seither auf T-Shirts prangt und in Filmen zu sehen ist. Das kiffende, fluchende und trinkende Alien befindet sich auf der Flucht vor staatlichen Behörden. Was folgt, ist eine Verfolgungsjagd im Caravan mit Explosionen, coolen Sprüchen und einer unausweichlichen Liebesgeschichte.

Unausweichlich deshalb, weil sich die Romanze zwischen Graeme und der fundamentalistischen Christin Ruth (Kristen Wiig) nahtlos in die zum Großteil vorhersehbare Handlung einfügt. Das Drehbuch stützt sich dabei sehr auf den glaubhaft animierten Paul, dessen Charakterkonzeption eines Aliens, das mit all seinen Schwächen und Fehlern menschlicher als die Menschen erscheint, allerdings bereits von Roger aus der TV-Serie American Dad (seit 2005) bekannt ist. Während die Figur Paul im Film viel Raum einnimmt, bleiben die Charaktere von Graeme und Clive weitgehend statisch. Die dynamisch und überzeugend konzipierten Männerfreundschaften, die Simon Pegg in der Serie Spaced (1999–2001) und später zusammen mit Edgar Wright für Hot Fuzz entwickelte, vermag Paul nicht zu vermitteln.

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Das ohnehin schwache Drehbuchgerüst wird durch die teilweise unerträglichen Running Gags – Graeme und Clive werden ständig für ein schwules Paar gehalten – zusätzlich angesägt. Überhaupt kommt ein Großteil der Witze in Paul, ein Alien auf der Flucht so flach und einfallslos daher, dass deren Zielgruppe noch nicht einmal die FSK-Altersfreigabe in Deutschland erreicht haben dürfte. Die ständigen Flüche der vom Glauben abgefallenen Ruth wirken nicht etwa provokant, sondern im Gegenteil eher spießig und verkrampft. In den früheren Filmen von Pegg und Frost basiert der Humor vor allem auf unerwartet platzierten In-Jokes. Das gelingt ihnen hier nur vereinzelt, so zum Beispiel in den Szenen bei der Comic Con in San Diego, Kalifornien. Die Witze rund um den schrulligen Science-Fiction-Autor Adam Schadowchild (Jeffrey Tambor) wirken in Verbindung mit dem detailverliebten Set auch ohne bemühten Fäkalhumor.

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Während Plot und Aufbau von Paul, ein Alien auf der Flucht dem Zuschauer nicht gerade viel Konzentration abverlangen, tun das die zahlreichen Referenzen ans Sci-Fi-Nerdtum umso mehr. Der „Cantina-Band“-Song aus Krieg der Sterne (Star Wars, 1977), der in einer Szene im Hintergrund läuft, dürfte auch einem breiten Publikum auffallen. Referenzen wie die an Flash Gordon (1936) auf Clives „Ming the Merciless“-T-Shirt sind dagegen eher etwas für Spezialisten, bei denen  der Film, der sonst auf plumpen, massentauglichen Humor setzt, offenbar auch punkten will.

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Für die Regie konnte dieses Mal, anders als bei Hot Fuzz und Shaun of the Dead, nicht Edgar Wright verpflichtet werden, der zur gleichen Zeit mit Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt (Scott Pilgrim vs. the World, 2010) einen feuchten Geek-Traum verfilmte. Während dort die Verortung des Plots innerhalb eines Comics und die gelungene visuelle Umsetzung den Film zu dem macht, was man gemeinhin als Nerdfilm bezeichnet, gelingt es Paul nicht, Form und Inhalt zu verbinden. Der Film will Road-, Buddy-, Chase- und Nerdmovie zugleich sein und kann sich nicht entscheiden. Auch deshalb wirkt er am Ende unvollständig. Für den dritten Teil ihrer „Blood and Ice Cream"-Trilogie wollen sich Pegg und Frost wieder mit Edgar Wright zusammentun. Bleibt zu hoffen, dass sie dann zu dem Mut zurückfinden, der ihren bisherigen Filmen ihre kreative Leichtigkeit verliehen hatte.

Trailer zu „Paul, ein Alien auf der Flucht“


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Kommentare


gradmesser

Ein typischer Pegg-Film, vollgepackt mit Geek-Kulturelementen. Ein Spaß für die ganze Familie und ein Muss für jeden Fan der früheren Pegg Klassiker.






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