Marcello Marcello

Liebe macht erfinderisch … und schnell. Denis Rabgalias neuer Film Marcello Marcello begegnet dem Thema der ersten großen Liebe mit Kitsch und wenig Experimentierfreude.

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Nur die Liebe zählt. Und für sie muss man große Opfer bringen. Das lernt auch der junge Marcello (Francesco Mistichelli). Denn die Tradition zwingt die Männer der fiktiven italienischen Insel Amatrello dazu, durch ein Geschenk die Gunst des Vaters ihrer Angebeteten zu erlangen und sich somit für ein erstes Rendezvous würdig zu erweisen. Dies führte in der Vergangenheit zu unglücklichen Beziehungen, die viel Leid über den beschaulichen Ort brachten. Doch der Bürgermeister del Ponte (Mariano Rigillo) wagt es nicht, dem Brauch ein Ende zu setzen und so muss sich auch seine schöne Tochter Elena (Elena Cucci) dem Zwang der Tradition beugen. Es ist ausgerechnet der Fischersohn Marcello, den die Liebe zu Elena wie eine Welle erfasst hat.

War Marcello vor der schicksalshaften Begegnung mit seiner Geliebten noch strikt gegen die Einhaltung des alten Brauchs, so ist er nun wild entschlossen, um seine Liebe zu kämpfen. Das passende Geschenk für del Ponte ist bald gefunden. Es handelt sich dabei um den Hahn des grobschlächtigen Fleischers Rozzani, der den Bürgermeister jeden Morgen unsanft aus seinem Schlaf weckt. Doch um diesen zu erwerben, muss Marcello in einen Tauschhandel mit Rozzani treten, der sich peu à peu auf das halbe Dorf ausweitet.

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Wo Leben ist, da ist auch Liebe. Der Schweizer Regisseur Denis Rabaglia versucht in seinem Film Marcello Marcello, den Zauber der ersten großen Liebe vor dem Hintergrund des Italien der 1950er Jahre auf die Leinwand zu transportieren. Die Vorlage für das Drehbuch von Denis Rabaglia und Luca de Benedittis liefert der 2003 erschienene Roman Marcello und der Lauf der Liebe (Marcellos Date) des britischen Autors Mark David Hadwood. Um das perfekte Setting für eine romantische Liebesgeschichte zu finden, verlegte man den Schauplatz der Geschichte von dem italienischen Küstendorf der Romanvorlage auf die Insel Ventotene im Tyrrhenischen Meer (im Film die fiktive Insel Amatrello).

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Erinnerungen an das Drama Der Postmann (Il Postino, 1994) von Michael Radford werden wach, das mit leiser Komik unter anderem von einer berührenden Liebesgeschichte auf der italienischen Insel Salina erzählt. Doch im Gegensatz zu diesem kleinen Filmjuwel gelingt es Denis Rabgalia mit Marcello Marcello nur ansatzweise, die schwierige Gratwanderung zwischen Gefühl und Kitsch zu bewältigen. Postkartenromantik, schnulzige Liebeslieder und klischeeartig gezeichnete Figuren dominieren das Drehbuch, das an vielen Stellen arg konstruiert wirkt.

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Marcello ist die Personifikation eines jungen Gentlemans und wird als Hobby-Dichter, der von unschuldigen und grundehrlichen Gefühlen angetrieben wird, präsentiert. Zunächst kann er seine Gefühle nur in Papierform äußern, doch das ändert sich schnell. „Die erste Liebe muss nicht immer die richtige sein“, bläut ihm sein Vater, der einsame, von seiner Frau verlassene Fischer Mariano, noch ein. Doch heißes Blut erzeugt heiße Werke, die in einen Wettlauf Marcellos mit der Zeit münden. Der Liebe leichte Schwingen tragen den verliebten Romeo, der zu einer bestimmten Uhrzeit nicht nur mit einem Präsent den Vater seiner Julia überzeugen, sondern auch noch eine Prüfung für ein Stipendium in Rom absolvieren muss.

Wenn in Amatrello die rote Sonne im Meer versinkt, hat Elena schließlich ihr Herz an Marcello verloren. Am Ende des Films steht die Erkenntnis, dass Möchtegern-Machos in der italienischen Gesellschaft der Nachkriegszeit den Ton angaben und dass es für ein Mädchen trotz Ausbildung wohl nichts Schöneres gab, als durch eine frühe Heirat die Tradition ihres Ortes weiterzuführen. Marcello Marcello könnte eine leichtfüßig inszenierte Komödie sein, bei der es sich wunderbar vom nächsten Italienurlaub träumen ließe. Doch es scheint, als habe sich der Regisseur zu sehr in die kitschigen und farbenfrohen Bilder verliebt, die seinen Film prägen. So ist aus dem ambitionierten aber wenig inspirierten Marcello Marcello Popcorn-Kino der ganz seichten Art geworden.

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Kommentare


Fiona

War heute in Sneak-Preview und welcher Film kam- Marcello Marcello.
Der Film ist extrem berechenbar- und nach 10 vllt auch 15 Minuten wusste ich- ohne je von dem Film gehört zu haben- wie er aussgeht.
Ich fand ihn für 4€ nicht allzu schlecht- hätte auch ne Reportage über Buckelwale oder so laufen können- allerdings haben nur wenige im Kino meine Ansicht geteilt.
Dinge wurden auf die Leinwand geworfen etc.
Trotzallem oder eben genau deshalb, war es der absolut lustigste Kinobesuch meines Lebens! Der Film reizt zu Interaktionen zwischen Film und Zuschauer~


Korina

Für solche Geschichten ist es eher typisch, dass man nach den ersten Szenen schon weiß wie die Geschichte endet. Der Film ist vor allem für diejenigen, die solche Filme mögen. Er ist also für diejenigen, die im Kino eine Abwechslung von der Realität suchen und sich in die schönen italienischen Landschaften versetzen wollen. Er ist vor allem ein guter Tipp für die Verliebten.


T.

Also ich hatte meine Spass im Kino - gute Unterhaltung, schön inzeniert & ausgestattet.






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