Machete

Grindhouse-Kino ist en vogue. Der von Fanboys in aller Welten sehnlichst herbeigewünschte Machete ist ein typischer Mexploitation-Reißer, wie ihn nur ein Robert Rodriguez aus dem Boden stampfen kann.

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In erster Linie bietet Machete seinem Hauptdarsteller Danny Trejo ein Podium: nach etlichen Nebenrollen kann der zerfurchte Tattooliebhaber mit der auffälligen Physiognomie endlich einmal aus dem Schatten ins Rampenlicht treten. Cousin Robert Rodriguez hat ihm eine archetypische Rolle auf den Leib geschneidert. Die findet ihren Ursprung übrigens nicht im bekannten Fake-Trailer, der Planet Terror gehörig die Show gestohlen hat, sondern geistert schon lange Jahre durch das filmische Universum des Regisseurs.

Der unorthodoxe mexikanische Bulle Machete ist kein Freund großer Worte und zerhackt bei seinen Einsätzen auch mal kurzerhand sämtliche Gegner, die sich ihm fatalerweise in den Weg stellen. Bis er vom Drogenbaron Torez (Steven Seagal) in einen Hinterhalt gelockt wird. Zwar kann er sich in letzter Sekunde retten, Frau und Kind müssen allerdings dran glauben. Jahre später bekommt er den Auftrag, ein Attentat auf den ultrarechten Senator MacLaughlin (Robert De Niro) auszuüben – doch erneut wird er gelinkt, soll als Sündenbock herhalten für einen vorgetäuschten Mordversuch. Von allen Seiten gejagt, taucht der gefallene Gesetzeshüter unter und startet eine gnadenlose Abrechnung. Unterstützung erhält Machete von der Taco-Verkäuferin Luz (Michelle Rodriguez), die glühende sozialistische Sprüche von sich gibt und der sagenumwobenen Untergrund-Kämpferin „She“ verblüffend ähnlich sieht.

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MacLaughlin, ein wandelndes Redneck-Klischee mit Cowboyhut und dem Finger am Abzug, setzt sich vehement ein für die rigoros grausame Behandlung illegaler Einwanderer und beteiligt sich nachts gar selbst an fröhlichen Erschießungskommandos. Im Grenzgebiet selbst ist die Hölle los, Politiker und Drogenhändler spielen sich gegenseitig in die Hände – ein Szenario, das schließlich in eine handfeste Revolution mündet.

Spätestens in seinen heroischen Gesten am Schluss hat sich der Film entfernt von der augenzwinkernden Verbeugung vorm Exploitation-Kino vergangener Tage. Rodriguez lässt seinen Film wie gewohnt zu einer maßlos überhöhten Materialschlacht im Comic-Stil ausarten, deren Darsteller ganz zu posenden Typen gerinnen.

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Kräftige Unterstützung erhält der mit stoischem Gesichtsausdruck durch den Film stapfende Protagonist von einer ganzen Wagenladung skurriler Charaktere, für die Rodriguez jede Menge alter Bekannter aufgefahren hat: Cheech Marin als Priester mit übler Vergangenheit, Make-up-Held Tom Savini als feister Auftragskiller, in Mini-Auftritten gar Tito Larriva und Carlos Gallardo. Lindsay Lohan versprüht in ihrem finalen Outfit als Killernonne wirklichen Pulp, wohingegen Michelle Rodriguez ihrem Rollenimage als hartgesottene Powerfrau gerecht werden muss.

Letztlich ist Machete aber nicht der erwartete feuchte Traum geworden, den sich die Grindhouse-Jünger ausgemalt haben. Zu sehr tritt er in der zweiten Hälfte auf der Stelle, seinen (Selbst-)Zitaten hat er nicht mehr viel Substanzielles hinzuzufügen und ergeht sich stattdessen in einer endlosen Action-Orgie, die wahlweise entzücken oder auch langweilen kann. Ersteres, weil der Gorehound im Zuschauer angefüttert wird – neben Piranha 3D kann man in diesem Jahr wohl kein expliziteres Blutbad auf der Leinwand erleben, dessen Gewalttätigkeit ganz auf Schockeffekte verzichtet. Selbst wenn Danny Trejo sich an den Eingeweiden eines Gegners aus dem Fenster schwingt und dessen Innereien als verlässlich starkes Seil zweckentfremdet, ist das Cartoon-Humor, der ganz unreflektiert amüsieren will. Dass dabei die wenigen ernst ausgespielten Härten, wie die sadistische Erschießung einer mexikanischen Familie, ihre Wirkung verlieren, ist klar, kümmert einen Film, den die Empathie seiner Zuschauer nicht interessiert, aber reichlich wenig.

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Was ihn vom Kinderfilm unterscheidet – und doch ist es kein Zufall, dass sich Robert Rodriguez immer wieder diesem Genre widmet. Auch seine Actionfilme sind infantile Fantasien. Obwohl die sich eigentlich seit Desperado stilistisch nicht mehr verändert haben, sind sie doch ehrlich zu sich selbst und zum Publikum. Jede Einstellung legt glaubhaft Zeugnis darüber ab, dass Rodriguez einen Heidenspaß daran hat, was er als vollkommen unabhängiger Auteur so macht.

 

Trailer zu „Machete“


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Kommentare


Tobi

Absolut genialer Film.

Wusst gar nicht um was es geht und war umso mehr überrascht. Einer der wenigen Filme in den letzten 5 Jahren, wo sich die Investition für die Kinokarte mehr als nur bezahlt hat.

Ohne Ende schick....






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