Independence Day: Wiederkehr – Kritik

In Lasergewittern: „Mehr“ und „größer“ bleiben die wichtigsten Vokabeln in Roland Emmerichs Repertoire. Der Blockbuster-Regisseur alter Schule überführt seinen Katastrophenklassiker von 1996 mit deftigem Nachschlag in die Gegenwart der Franchises.

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Zwanzig Jahre ist es her, dass das Weiße Haus von einem Alien-Laser pulverisiert wurde. Für Roland Emmerich genug Zeit, der Post-Invasionserde ein Do-Over zu verpassen und sie den gleichen Konflikt erneut austragen zu lassen. Diese Erde gibt sich im Jahre 2016 der Emmerich’schen Alternativzeitlinie als technologisch aufgerüstete, mit ein paar Sci-Fi-Implantaten versehene und international geeinte Zivilisation. Als logisches Upgrade wird der Mond bevölkert und die Umlaufbahn mit einem interstellaren Verteidigungsring versehen, während die Artefakte des ersten Teils noch über die Kontinente verstreut sind. David Levinson (Jeff Goldblum), Satellitentechniker und ziviler Held der ersten Invasion, untersucht, zusammen mit seiner neuen Kollegin aus der Psychologieabteilung Catherine Marceaux (Charlotte Gainsbourg), die pyramidenartigen Überreste eines Alien-Raumschiffs, das im Herrschaftsgebiet des freundlichen Warlords Dikembe Umbutu (Deobia Oparei) liegt. Der Krieger mit den zwei Macheten ist einer der Menschen, die eine psychische Verbindung zu den Aliens haben. Ihn plagen Visionen einer zweiten Invasion, die auch Ex-Präsident Whitmore (Bill Pullman) in seinen Albträumen heimsuchen.

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Sein Amt hat mittlerweile die unterkühlte Präsidentin Lanford (Sela Ward) eingenommen. Im neuen Weißen Haus hängen Bilder des großen Will Smith, die im goldenen Rahmen wie textbefreite Edelvarianten eines Filmposters des ersten Teils wirken. Der große Held der ersten Invasion ist bei einem Testflug ums Leben gekommen. Ersetzt wird seine Rolle von gleich drei Erben: seinem Sohn Dylan (Jessie T. Usher); Patricia (Maika Monroe), Tochter des Präsidenten, und Mondpilot Jake (Liam Hemsworth). Dieses über die verschiedenen Handlungsorte verstreute Piloten-Trio erweitert den Kader der Wissenschaftler um eine Red-Dawn-Fraktion von jungen Soldaten. Hat sich der Film erst einmal durch den gewaltigen Stammbaum seiner Exposition gewühlt, kann das eigentliche Großprojekt beginnen: die zweite Invasion und der Sprung ins Franchise.

Dem Franchise verpflichtet

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Der Spagat zwischen Nostalgie und Zeitgeist erscheint merklich als die Hauptaufgabe bei der Überführung eines mittlerweile zwanzig Jahre alten Blockbusters in das Sequel-Dasein. Emmerich und sein fünfköpfiges Drehbuchteam scheinen eine gute Lösung gefunden zu haben, diesen Spagat zu vollbringen: Sie drücken einfach erst mal auf alle Knöpfe. Dabei trifft Independece Day 2: Wiederkehr durchaus den ein oder anderen subversiven Ton. Etwa wenn die Präsidentin den ersten Kontakt mit einem unbekannten Alienraumschiff per Präventivschlag initiiert oder wenn die Leinwände der Area 51 die Folter der ehemaligen Invasoren zeigt, die seit zwei Jahrzehnten ihr persönliches Guantanamo leben. Der Grundausrichtung des Spektakels tut das natürlich keinen Abbruch. „Mehr“ und „größer“ bleiben die wichtigsten Adjektive in Emmerichs Repertoire. Wo vor zwanzig Jahren noch das Weiße Haus gesprengt wurde, hebt man heute den halben Planeten aus den Angeln – in 3D.

Horror vacui am Himmel

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Es gibt also einiges zu sehen am Himmel. Jegliche Spielart von Waffensystem wird für die zweite Invasion vervielfacht und aufgerüstet. Beim Einsatz der Kampfjets und Laserkanonen gegen das Mutterschiff, dessen Leib diesmal ganz Kalifornien in seinen Schatten hüllt, bleibt der staunende Blick in den Himmel die erwünschte Reaktion. Unzählige Flugobjekte jagen sich Schlacht für Schlacht gegenseitig durch das Gewirr aus Laserfeuer. So blicken Zuschauer dies und jenseits der Leinwand bald gleichermaßen ratlos gen Himmel, wo sich die Bildschirmfüller formelhaft mit grünen Strichen beharken. Im horror vacui des Actionspektakels offenbaren sich die ersten Symptome der Erbkrankheiten des Blockbuster-Actionkinos: Der zugedröhnte Kader trennt sich mehr und mehr von der narrativen Ebene. Der staunende Blick in den Himmel verursacht eine gehörige Nackenstarre. Nur die Bildschirme in den Erdbunkern verbinden die Jocks noch mit den Geeks, die im Untergrund die Explosionen der eigenen Kampfjets auf der Leinwand zählen. Die Hälfte der Protagonisten wird selbst zum Zuschauer des zeitgemäßen CGI-Feuerwerks, das sich als hochskaliertes Dauer-Intermezzo reichlich überdehnt.

Der Faktor Geek

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Bei allem Pflichtbewusstsein gegenüber seinem Rezept der Blockbuster-Evolution findet Emmerich doch ein paar schöne Momente, in denen die Lasten der extraterrestrischen Invasion mit ein wenig Ironie aufgefangen werden. Diese gehören fast ausnahmslos den Wissenschaftlern der alten Garde, die als exzentrische Archetypen das Lasergewitter zu erden vermögen. Jeff Goldblum, der Vorreiter der Nichtkombattanten, vermag mit einer kleinen Geste seines Zeigefingers die Alieninvasion in den Hintergrund zu drücken. Seine Kollegen in der Area 51 dürfen, verpackt in einen „Freunde fürs Leben“-Sideplot, den Erstkontakt herstellen und ihn mit „They can communicate with us – in perfect English!“ kommentieren. Fast möchte man Emmerichs „Mehr ist besser“-Philosophie in diesen Momenten recht geben und ihn für diese Querschläger loben, die schon im nächsten Lasergewitter nicht mehr zu sehen sind.

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Kommentare


Christiahn

Selten eine so schlechte Fortsetung eines Blockbusters gesehen. zum Glück nicht im Kino. Ich frage mich was den Emmerich dazu trieb seine genialen Werke mit so einem Schrott in Vergessenheit zu bringen. Hat er kein ausreichendes Budget bekommen? Brauchte er so dringend Geld dass er ein low-Budget Produktion machte? Jeder Cent für den Film ist Verschwendung.






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