Exte – Hair Extensions
Horrorfilm, Drama und zugleich Komödie zu sein – dieser japanische Film hat sich ein ambitioniertes Programm vorgenommen.
Haare spielen im jüngeren japanischen Horrorfilm eine durchaus nicht geringe Rolle – man denke nur daran, wie sie in den Filmen der Ju-On-Reihe (2000-2003) die Protagonisten aus allen Richtungen bedrängen. Stets sind lange, schwarze Haare dabei Ankündigung und zugleich Kennzeichen übernatürlicher Phänomene meist wenig freundlicher Art. Es war wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis sie selbst zur handelnden Figur eines Fluchs, einer unruhigen, mordenden Seele, wurden.
Es sind die Haare einer für medizinische Experimente missbrauchten Frau, die in Exte – Hair Extensions (Ekusute) ein Eigenleben entwickeln. Auch nach ihrem Tod wachsen sie immer weiter, was den Haarfetischisten Gunji Yamazaki (Ren Osugi), der im Leichenschauhaus arbeitet, dazu bewegt, die Leiche mit zu sich nach Hause zu nehmen. Als er damit beginnt, die Haare an Friseursalons zu verschenken, nimmt der Fluch seinen Lauf, woraufhin es einige unschöne Tode durch Keratineinwirkung zu bestaunen gibt.
Hier wird Exte in der Tat äußerst kreativ: Haare wachsen nicht nur aus dem Fax, sondern auch aus Schnittwunden und natürlichen Körperöffnungen wie Nase, Mund und Augäpfeln, wenn sie sich nicht bis an die Decke verlängern und ihren Opfern/Trägern dann fast die Kopfhaut abreißen.
Trotzdem will sich rechter Schrecken nur schwer einstellen, was vor allem daran liegt, dass Exte so wenig aus einem Guss wirkt. Yamazaki ist kein wirklicher Bösewicht, sondern eher eine komisch-tragische und vor allem wahnsinnige Figur, und zugleich verfolgt ein zweiter Handlungsstrang die Sorge der aufstrebenden Hairstylistin Yuko (Chiaki Kuriyama) um ihre Nichte Mami (Miku Sato), die von ihrer Mutter misshandelt wird. Diese Teilgeschichte steht einen Großteil des Films sehr unverbunden neben dem Rest der Handlung, auch wenn man natürlich die Verbindung schon erahnen kann – nicht umsonst ist der Friseursalon, in dem Yuko arbeitet, nach Gilles de Rais benannt, dem historischen Vorbild für die Blaubart-Erzählung. Erst im Showdown finden die einzelnen Handlungselemente zu einer gemeinsamen, gewaltsamen Auflösung.
Sion Sonos Film kann sich nie recht entscheiden, ob er Drama oder Horrorfilm sein will, zumal er mit gelegentlichen komischen Einsprengseln und dem geradezu als Slapstick inszenierten Finale sogar noch in Richtung Komödie tendiert. Und obwohl Exte zuweilen recht disparat wirkt, funktioniert der Film dann doch ganz gut, wenn man ihn nicht allzu ernst nimmt. Vielleicht ist es ja auch kein Zufall, dass dieser Tage das Musical Hair den 40. Jahrestag seiner Uraufführung feiert.
Filmkritik von Rochus Wolff
Veröffentlicht am 07.12.2007
Kommentare zu Exte – Hair Extensions
Ciprian David 20.03.2010 23:17
Als Horror hat er wirklich wenig zu sagen, das Zeigen ist auch nicht sonderbar, und die Dramaturgie zu sehr um Episoden zerstückelt, dafür lässt er sich als Essayfilm wunderbar lesen.
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Film-Angaben
Titel: Exte – Hair Extensions
Originaltitel: Ekusute
Japan 2006
Laufzeit: 108 Minuten
Regie: Sion Sono
Drehbuch: Sion Sono, Masaki Adachi, Makoto Sanada
Darsteller: Chiaki Kuriyama, Ren Osugi, Megumi Sato, Miku Sato
DVD-Angaben
Titel: Exte – Hair Extensions
Vertrieb: Rapid Eye Movies
Bild: 1,77:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Japanisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Spieldauer: 108 Minuten
Extras: Making Of, Karaoke, Deleted Scenes, TV-Spots, Kinotrailer
Verleih ab: 24.10.2007
Verkauf ab: 30.11.2007
Copyright Exte – Hair Extensions
Fotos: © Rapid Eye Movies
BERLINALE 2012

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