Eva

Genialer Schöpfer, getriebener Sonderling: Daniel Brühl designt Roboter in der eigenartig retrofuturistischen Zukunftswelt des spanischen Films Eva.

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»… designing fun robots for boring people«, so bringt das spanische Science-Fiction-Drama Eva einmal die Jobbeschreibung seines Protagonisten Alex Garel (Daniel Brühl) auf den Punkt. Eine spannende Figur, eigentlich: Eigenbrötler, ein wenig auch Misanthrop, einer, der vor den Herausforderungen des menschlichen Zusammenlebens schon vor Jahren davongelaufen ist und sich seither – genial, aber immer auch getrieben, soziophob beinahe – seine eigenen Mitgeschöpfe bastelt. Stetig begleitet von einer recht eigensinnigen, aber ihm treu zugetanen Roboterkatze – eigensinnig, weil er ihr an allen Regeln und Gesetzen der Robotik vorbei einen eigenen Willen zugestanden hat –, wird Alex engagiert, um ein neues, revolutionäres Robotermodell zu kreieren: ein Kind, so lebensecht wie nur möglich, von einem echten Menschen nicht mehr zu unterscheiden.

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Da Alex jedoch alle Kinder, die ihm als mögliche Designvorlagen vorgeführt werden, als zu gewöhnlich und langweilig verwirft, zieht sich der Prozess in die Länge – und konfrontiert den Erfinder schließlich mit einer Reihe persönlicher Konflikte, die tief in seine verdrängte Vergangenheit hineinreichen. Nach dem Wiedersehen mit seiner einstigen Geliebten Lana, die inzwischen mit seinem Bruder David verheiratet ist, und der Begegnung mit deren wahrlich nicht gewöhnlicher Tochter Eva ist für Alex klar, dass nur diese ein würdiges Vorbild für sein Meisterwerk sein kann – eine Entscheidung, die schwerwiegende Konsequenzen für alle Beteiligten haben wird.

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Irgendwo im Kern von Eva, dem ersten Kinofilm des jungen katalonischen Regisseur Kike Maîllo, liegt vermutlich ein wirklich interessantes Werk verborgen; eines, das vielleicht einiges Bedenkenswerte anzumerken hätte zu jenen ethischen Konflikten, die 90 Minuten lang unter seiner Oberfläche pulsieren. Der Schöpfer, der neue Menschen baut, obgleich er zum Leben unter Menschen im Grunde wenig begabt ist. Die Sehnsucht des Erzeugers, seine Kreaturen möglichst vollkommen zu gestalten, und die Angst davor, diese Vollkommenheit je zu erreichen und damit seine eigene Einzigartigkeit aufs Spiel zu setzen. Der moralische Zwiespalt, der sich in das Gewaltverhältnis gegenüber den als Dienenden erschaffenen neuen Geschöpfen einschreibt.

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Würde sich Eva nur in einem etwas umfassenderen Sinne für diese seine Problematiken interessieren, was hätte dies für ein aufregender, intelligenter Genrefilm sein können. Leider erschöpft er sich dann doch in der Inszenierung von ein, zwei handelsüblichen Plottwists, die zudem eine Stunde im Voraus absehbar sind, und in der Kreation einer hübschen, aber immer etwas zu harmlosen Bildwelt, die die Technik von morgen im verbrauchten, glanzlosen Lebensraum einer Zukunft verortet, die im Grunde niemals aufgehört hat, in der Vergangenheit zu leben.

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