Der ganz normale Wahnsinn - Working Mum

Die Bestsellerverfilmung Der ganz normale Wahnsinn – Working Mum versucht, tiefgehende Sozialstudie mit humoristischen Elementen zu verbinden, und scheitert letztlich durch die Stereotypisierung ihrer Hauptfiguren.

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Sarah Jessica Parker, bekannt aus Sex and the City, spielt die brave Ehefrau Kate Reddy, liebende Mutter von zwei Kindern und überaus ehrgeizige Mitarbeiterin einer Investmentfirma in New York. Nachdem Parker als Hauptdarstellerin einer der erfolgreichsten Fernsehserien weltweit die ewige modebewusste Freundin verkörpert hat und für Sex and the City 2 (2010) sogar mit der Goldenen Himbeere ausgezeichnet wurde, kommt man nicht umhin, bei ihren Arbeiten jenseits des Serien-Universums das Bemühen nach mehr Tiefgang im Spiel zu erwarten. Doch ihre aktuelle Rolle der arbeitenden Mutter bietet vielmehr seelische Leerläufe und emotionale Schemenhaftigkeit. Tatsächlich ist die Besetzung von Der ganz normale Wahnsinn – Working Mum (I Don’t Know How She Does It) mit ihr und vielen anderen Schauspielern ein 08/15-Type-Casting, das seine wenigen schauspielerischen Kräfte im Keim erstickt.

Neben Parker als emanzipierter, starker Frau spielt etwa Greg Kinnear den süßen, allzeit verständnisvollen Ehemann Richard und Pierce Brosnan den ultracharmanten Jack Abelhammer, Boss einer mächtigen Investment-Gesellschaft.

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Für diese soll Kate einen Geschäftsplan ausarbeiten, dafür wurde sie von ihrem Chef vor allen anderen schmierigen Kollegen auserwählt: ein erster Triumph für die starke Frau, deren aussagekräftiger Name Reddy überdeutlich in den Vordergrund rückt. Ihr Problem ist die Vereinbarung von Beruf und Privatleben, muss sie doch mehrere Wochen hintereinander als perfekt gestylte Geschäftsfrau durch die Staaten fliegen. Da vergisst man schon einmal das Geburtstagsgeschenk der Tochter oder einfach, den Babysitter zu organisieren.

I Don’t Know How She Does It, so auch der Originaltitel des Romans von Allison Pearson, war in den USA lange Zeit an der Spitze der Bestsellerlisten vorzufinden. Mit seiner Mischung aus situationsbezogenem Humor und entlarvender Sozialstudie etablierte sich das Debüt für viele Frauen als „must-read“. Von einigen tatsächlich bewegenden Episoden des Buches sind in Der ganz normale Wahnsinn – Working Mum von Douglas McGrath (Infamous, 2006) fast nur seichte Klischees übrig geblieben: Aus echten seelischen und körperlichen Depressionen werden RunningGags wie Kopflauskratzen oder Ultraschallaufnahmen eines Fötus, die aus Versehen in die Betriebspräsentation gerutscht sind. Hat die Familie von Kate nun auch endlich mal ein Wochenende Zeit, um in die verschneiten, wunderschön im Sonnenlicht glitzernden Berge zu fahren, wird unerträglich lang „Lovely Day“ von Bill Withers eingespielt, dient als Singvorlage für Eltern und Kinder, und die Szene endet in zähem Kitsch.

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Und das, obwohl der Film sich so sehr bemüht, ein bodenständiges Gesellschaftsdrama zu sein. Immer wieder wird die Zeitknappheit deutlich gemacht, derentwegen Kate ihre Liebsten vernachlässigt. Gründe für Dissonanzen innerhalb der Familie liefert der Film genug, dies wird aber nur ansatzweise ausgearbeitet: Es kommt nie zu glaubwürdig inszenierten Auseinandersetzungen zwischen den Eheleuten. Stattdessen setzt Kinnear sein tolerantes, etwas wehleidiges Dauerschmunzeln auf und bleibt so den ganzen Film unglaublich fade. Pierce Brosnan spielt eine Mischung aus smoothem Charmebolzen und Teddybär, die man ihm nach Der Ghostwriter (The Ghostwriter, 2010) und Mamma Mia! (2008) nicht mehr abkaufen möchte. Der ehemalige Bond-Darsteller hat zwar seine schauspielerische Wandlungsfähigkeit vor allem in seinen letzten Filmen mehrmals unter Beweis gestellt, seine aktuelle (Neben-)Rolle jedoch strotzt nur so vor Lustlosigkeit. Die Stupidität des Drehbuchs steht ihm ins Gesicht geschrieben.

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Aus der narrativen Struktur des Romans wurden insgesamt nur sehr wenige Elemente übernommen. Eines davon ist die Visualisierung der kleinen „Listen“, die Kate nachts in ihrem Kopf aufstellt, um ihren ausgelasteten Alltag zu ordnen. Dies bleibt weitestgehend grafische Spielerei, die kaum in die Erzählung eingebettet wird. Nicht zuletzt die zum Teil etwas fehlplatzierten Interview-Einschübe von Kates Freundinnen und Kollegen, die Working Mum bisweilen einen Mockumentary-Touch verleihen, wirken aufgesetzt und überhaupt nicht witzig. So fallen viele der Figuren, etwa verkörpert von Mad Men-Star Christina Hendricks, aus einem überzeugenden Muster.

Der Film verliert sich in narrativen Redundanzen, anstatt das Potenzial seiner Vorlage gekonnt in Szene zu setzen. Die Stars glimmen als kleine Sternchen und Produzenten im Hintergrund und können die seichte Story nicht aufwerten. Bei all dem Kitsch gibt es genau einen Moment, der in Erinnerung bleibt, und zwar wenn der zweijährige Sohn die ersten Worte sagt: „Bye, bye, Mommy!“ Bye, bye.

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