Crazy Heart

Jeff Bridges, für diese Rolle mit dem Golden Globe prämiert und für den Oscar nominiert, porträtiert eindrucksvoll einen alternden Countrysänger, der schon bessere Tage gesehen hat.

Crazy Heart

Crazy Heart ist so etwas wie die diesjährige Version von The Wrestler (2008), in dem Mickey Rourke einen von der Zeit überrollten Show-Sportler spielte. Jeff Bridges zeigt nun als abgehalfterter, alkoholabhängiger Country-Sänger, dass man keine gebrochene Biographie wie Rourke haben muss, um eine solche Figur glaubhaft darstellen zu können. Es reicht auch, ein außerordentlich guter Schauspieler zu sein. Bridges, mit Vollbart, zuweilen offen stehender Hose und einer großen Portion Ist-mir-doch-egal-Haltung, ist das Zentrum des Films und der einzige zwingende Grund, ihn zu sehen. Ein zweiter ist vielleicht noch die Musik von T-Bone Burnett und Stephen Bruton, ein getragener Country-Sound mit Anspruch. Bridges singt sogar selbst, und auch das macht er sehr gut.

Crazy Heart

Was nicht heißen soll, dass Crazy Heart ein schlechter Film ist. Wie Regisseur und Drehbuchautor Scott Cooper (nach einem Roman von Thomas Cobb) sich mit allen Inszenierungstricks zurückhält, seinem Hauptdarsteller die Bühne überlässt und ihn offensichtlich hervorragend zu führen versteht, das macht schon Eindruck – und hat vielleicht auch damit zu tun, dass Cooper bisher vor allem selbst als Schauspieler gearbeitet hat. Crazy Heart ist sein Regie-Debüt.

Einen eigenen Stil darüber hinaus vermag man allerdings nicht zu erkennen. Diese Art hergebrachten Filmemachens findet man sonst eigentlich nur noch bei jemandem wie Clint Eastwood. Crazy Heart hangelt sich an den klassischen Drehbuchstationen entlang und geht in der Gestaltung jeder Szene den sicheren Weg. Das ist, wie gesagt, nicht aufregend, aber wenigstens lenkt nichts von Jeff Bridges ab.

Crazy Heart

Der wird gleich zu Beginn so effektiv wie lehrbuchhaft als verlotterte Gestalt eingeführt. Bad Blake, so lautet sein sprechender Name in dieser Rolle, kommt in einer kleinen Spelunke an, wo er auftreten soll. Das Publikum ist so alt wie er und kennt noch seine Hits von früher, neue hat er nicht. Sein Auto ist vermüllt, er holt einen Kanister mit einer undefinierbaren, aber ganz sicher ekligen Flüssigkeit aus dem Wagen und kippt sie auf den Parkplatz. Manchmal hat er mehrere Zigaretten auf einmal im Mund. Während seines Auftritts verlässt er die Bühne, um sich auf dem Hof zu übergeben. Für die würdelose Begegnung mit einem Groupie weit jenseits der 50 braucht der Film nur zwei kurze Schnitte.

Crazy Heart

Es ist ganz klar, dass hier ein Mensch gerettet werden muss. Um diesen Job bemüht sich Maggie Gyllenhaal als angehende Journalistin und alleinerziehende Mutter namens Jean, die den Musiker während eines Interviews in seinem schäbigen Hotelzimmer kennenlernt. „I want to talk about how bad you make this room look“, sagt er da zu ihr, eine wie in Stein gemeißelte Drehbuchzeile. Aus den beiden wird ein Paar, und Bad wird sogar eine Art Ersatzvater für Jeans kleinen Sohn. Bad hat natürlich, das ist vorhersehbar wie fast alles in diesem Film, auch ein eigenes Kind, das er seit Jahrzehnten nicht gesehen hat – noch eine Parallele zu The Wrestler, aber andererseits auch einfach ein sehr wahrscheinliches biographisches Detail für Charaktere wie diese.

Dass man solche Geschichten (einschließlich der obligatorischen großen Krise kurz vor Schluss) schon sehr oft gesehen hat, ist schade, weil es deutlich zeigt, wie tausendfach erprobte erzählerische Standards aus individuellen Schicksalen die immer gleichen Bausteine machen. Es ist eben im Film doch nicht jeder auf seine eigene Art unglücklich. Dem Vergnügen an Crazy Heart schadet das aber kaum.

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