Contact High

Aus Butterbroten sprießen Farbwolken, polnischen Polizisten wachsen Schweinsnasen. Michael Glawoggers Roadmovie Contact High zelebriert einen grenzüberschreitenden intersubjektiven Rauschzustand.

Contact High

In einem polnischen Hotel mit philippinischer Empfangsdame liegt eine Tasche bereit mit nicht genau definiertem, sonderbar waberndem Inhalt. Die Tasche muss nach Österreich, der Befehl dazu kommt aus Südamerika. Der erste Befehlsempfänger Harry (Detlev Buck) gibt den Auftrag weiter an Schorsch (Georg Friedrich), doch auch der hat wenig Lust auf einen Polenausflug. Schließlich landet der Job in den Händen der Imbissbudenbetreiber Max (Michael Ostrowski) und Johann (Raimund Wallisch). Im polnischen Hotel bei der philippinischen Empfangsdame werden im Lauf des Films schließlich alle vier vorstellig. Neben der wabernden Tasche treten noch einige andere auf den Plan. Eine ist gefüllt mit polnischen Würsten. Jede Menge Drogen sind auch mit im Spiel.

All dies und noch einiges mehr ereignet sich, das behauptet der Film, im Laufe eines Tages: Die gesamte Handlung spielt während der „24 Stunden von Le Mans“. Das Unheil nimmt überhaupt nur seinen Lauf, weil Schorsch das Event nicht verpassen möchte. Für die Handlung hat Le Mans anschließend keine Bedeutung mehr, doch auch später im Film schaltet immer wieder eine der Figuren den Fernseher ein, um sich über den aktuellen Verlauf des berühmten Autorennens zu informieren. Die innerfilmische Zeit wird willkürlich verschaltet mit der einer Sportveranstaltung, die nichts mit dem Leben der Protagonisten zu tun hat. Man mag das für eine alberne Idee halten, aber sie passt zu diesem Film.

Contact High

Auch der Titel ist emblematisch. Das „Contact high“ beschreibt einen Rauschzustand durch Ansteckung. Die körperliche Gegenwart eines Drogenkonsumenten soll in manchen Fällen ausreichen, selbst high zu werden. Wissenschaftlich steht das Konzept „Contact high“ auf wackeligen Füßen, für Michael Glawoggers Film ist es um so wichtiger. Was den Film am „Contact high“ interessiert, ist die Möglichkeit eines intersubjektiven Rauschzustandes, das Verspechen, dass eine große Beschränkung des Drogenerlebnisses aufhebbar sei: Im normalen Drogenrausch bleibt man ja gerade in so weit gefangen im eigenen Hirn, wie die Mitmenschen den Rausch und die veränderte Weltwahrnehmung nicht nachvollziehen können. Der Film interessiert sich nicht für das aufs Individuum beschränkte High, sondern für eine Gesellschaftsordnung, die als ganze stoned ist. Zusätzlich will der Film in seiner Form ein „Contact High“ nachstellen.

Contact High entwirft eine Welt, die dezent aus den Fugen gerät und der Film macht bei diesem „aus den Fugen geraten“ mal mehr, mal weniger elegant mit. Je mehr sich die Handlung von Österreich – dort ist der Film noch recht bodenständig – nach Polen verlegt, desto weniger fügt sich der Film den Regelbüchern des filmischen Erzählens. Raum und Zeit werden diskontinuierlich (und nur noch durch den zunehmend absurder erscheinenden Verweis auf die 24 Stunden... notdürftig zusammen gehalten), Ursache-Wirkungs-Relationen brechen auseinander und den polnischen Polizisten wachsen Schweinsnasen. Teilweise verläuft die narrative Entgrenzung entlang geläufiger und wenig origineller Drogenfilm- bzw. Roadmovieklischees. Das beginnt beim psychedelischen Titelschriftzug und endet noch lange nicht bei den erotischen Fantasien, denen Max und Johann in einer polnischen Diskothek erliegen.

Contact High

Von Anfang an entwirft Glawogger jedoch auch Öffnungen, die der Kohärenz einer Spielfilmhandlung auf interessantere Weise widerstreben. Unter anderem finden sich animierte Sequenzen: Gelegentlich entsteigen der Welt des Films gezeichnete Wolken von knallbuntem Leuchtwerk. Mal sprießen sie aus einem Butterbrot, mal aus einem Kochtopf. Wie im parallel entstandenen, äußerst ambitionierten Vergangenheitsbewältigungsfilm Das Vaterspiel zielt Glawogger auf eine hybride Filmsprache, auf eine Ästhetik der Brüche und Diskontinuitäten, die Ungleichzeitiges neben einander stellt, aber nicht in ein geschlossenes Narrativ überführt.

Wenn Glawogger seinen Film geografisch weit über Österreich und Polen hinaus entgrenzt (Philippinen, Südamerika etc), dann wird deutlich, dass das „Contact High“ dem Film zumindest auch als eine Metapher für die globalisierte Weltwirtschaft dient, beziehungsweise für das Welterleben, das diese Globalisierung mit sich bringt. Glawogger reibt das dem Publikum nicht unter die Nase, sein Film bleibt in erster Linie eine Drogenkomödie – eine, die leider nicht über die gesamte Länge so umwerfend komisch ist wie in den Szenen mit Georg Friedrich als Schorschi, und eine, der ein bisschen mehr Distanzierung vom pubertären Blick ihrer Hauptdarsteller auf das weibliche Geschlecht gut getan hätte.

Trailer zu „Contact High“


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Kommentare


Verstört

Nachdem ich gestern aus der Sneak gelaufen bin war ich echt verstört. Fehlt mir das Intellekt um diesem Film etwas abzugewinnen oder war der einfach schlecht? Am meisten schockiert hat mich dass einige nach der Vorstellung applaudiert haben!? Hatte der Film irgend eine Message? War der besonders Lustig? Ich empfand Ihn eher als schlecht/verwirrend da weder Die Handlung eine interessante Geschichte ist noch alle Nebenerzählung sinnlos und irgendwie billig sind. Ich habs mir jetzt ein paar mal überlegt, aber unter dem Strich ist das glaube ich der schlechteste Film, den ich je im Kino gesehen habe (gleich nach Indiana Jones :) )


Scy

Ich war gestern auch in der Sneak Preview. Vielleicht sollte man sich den Film nochmal in demselben Rauschzustand ansehen, in welchem die Filmemacher offensichtlich waren. Ist wahrscheinlich nur dann zu verstehen...


Hannes Moers

Nicht Lustig
Die Liste der beteiligten Filmförderungen war lang, D. Buck bisher nach meinem Geschmack. Der Film selber grandios schlecht. Die Schauspieler sind nicht einmal mit ihren österreicher Dialekt lustig. Der ganze Drogen Unsinn ist einfach infantil und peinlich. Und wenn Lukas Forster in seiner Kritik eine "Metapher für die globalisierte Weltwirtschaft" erkennen will, hat er sich während des Films bestimmt genauso gelangweilt wie ich.


Koarl aus Wien

Die Szenen mit Schorsch sind wirklich lustig, der Rest, naja :)






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