Cars 2

Autos spielen Menschen: Der Gag-Motor läuft und läuft und läuft.

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Die Welt in den beiden Cars-Filmen ist ausschließlich von Fahr- und Flugzeugen bevölkert, gleicht der unseren aber sonst bis aufs Haar. Beim ersten Teil (2006) schossen einem da manchmal „Kinderfragen“ durch den Kopf: Wer wohnt eigentlich in den Häusern? Wer hat dieses Verkehrsnetz gebaut, und für wen ist es da? Und wo kommen die kleinen Autos her? Dass der Film all das größtenteils unbeantwortet ließ, machte viel von dem eigentümlichen Charme dieses Paralleluniversums aus. Wie so oft bei Pixar hatte man als Zuschauer den Rand des Absurden immer wieder im Augenwinkel, in sich wirkte der Filmkosmos aber völlig stimmig. Und diese sich selbst überlassene Technikwelt, die ohne ihren Erschaffer und Nutznießer im Selbstbetrieb läuft, hatte etwas reizvoll Zweckbefreites – und schuf überdies einen schönen, parabelhaften Rahmen für eine kleine Geschichte über Freundschaft im Gewand eines actionreichen Plots um ein Autorennen.

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In Cars 2 übernehmen Autos weniger im parabelhaften als im wortwörtlichen Sinne die Rolle von Menschen. Sie essen, trinken und gehen aufs Klo, sie treiben Handel und Politik, sie tun eigentlich alles, was menschliche Filmfiguren tun und wie sie es tun (nur die Fortpflanzungsfrage wird nicht restlos geklärt). Und klar: Sie sind es, die die Häuser, die Wolkenkratzer, die Kirchen bevölkern. Im ersten Teil gab es allzu menschliche Auto-Eskapaden zwar auch, aber hauptsächlich dort, wo sie für den Kitt der Parallelwelt nötig oder schlicht für eine Pointe gut waren. In Cars 2 ist das Prinzip „Autos spielen Menschen“ hingegen ein unablässig ratternder Gag-Motor, was darin gipfelt, dass wir schließlich auch blecherne Gegenstücke zu Queen Elisabeth II. und dem Papst zu sehen bekommen. Dafür sind die durchaus menschlichen Charaktere des ersten Teils stromlinienförmig getunten Typen gewichen.

Beim Plot und bei den Schauplätzen folgt John Lasseters Film dem Schneller-Höher-Weiter-Prinzip. Die Teilnahme am World Grand Prix führt den Helden Lightning McQueen, dessen Ruf als weltschnellstes Auto wegen des frechen italienischen Herausforderers Francesco auf dem Spiel steht, diesmal von den USA rund um den Globus, Stationen: Japan, Italien, England. Im parallelen Handlungsstrang versucht ein James-Bond-Auto namens Finn McMissile, stilgerecht dem Aston Martin der Connery-Ära nachempfunden, ein Syndikat um einen anonymen Ölmagnaten zu stoppen. Die von Professor Z angeführten Gangster wollen den beim Grand Prix verwendeten Biosprit in Verruf bringen, indem sie während der Rennen Unfälle verursachen. In diese Agentenstory, die sich schnell als Hauptstrang des Films entpuppt, wird McQueens tollpatschiger Sidekick Mater hineingerissen – man hält den alten Abschleppwagen irrtümlich für einen Undercover-Agenten – und avanciert damit zum eigentlichen Protagonisten des Films.

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Der rasante Plot enthält keine Szene, die für sich genommen völlig daneben wäre, ja hält sogar einige Perlen bereit: etwa die einer Bond-Pre-Title-Sequenz kongenial nachempfundene Eröffnung, in der McMissile sich mit Professor Zs Schergen auf einer Bohrinsel einen furiosen und gadgetreichen Kampf liefert. Doch in der Summe wirkt die Szenenabfolge ermüdend, weil ihr eine zündende erzählerische Idee, ein Zentrum fehlt. Erneut gibt es zwar eine sich um Freundschaft und Loyalität drehende Moral – der siegestrunkene McQueen verstößt anfangs den seinen Erfolg dauernd vermasselnden Mater –, doch ist die Entwicklung dieses Strangs schmerzhaft vorhersehbar und wirkt gerade in ihren rührseligen Momenten berechnend.

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Fraglos ist das alles immer noch schön anzusehen: Die 3D-Technik, hier ist Pixar der Trickfilm-Konkurrenz nach wie vor um Längen voraus, steht hoch effektvoll im Dienst des Films, ohne sich je als Stilmittel aufzudrängen, und die Animation der Figuren, der ganze Look von Cars 2 bewegt sich noch immer auf einsamem Niveau – und dennoch wirken die durchaus malerischen Schauplätze wie das neonbunte Tokio oder die pittoresken italienischen Küstenstraßen eben nur stilsicher und technisch brillant nachempfunden. Wie einer originären künstlerischen Vision entsprungen wirken sie nicht.

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Man tut beiden Teilen unrecht, wenn man Cars 2 als Sequel versteht. Der Film will etwas, macht etwas anderes, er verpflanzt die Figuren aus Teil eins in ein anderes Genre, nämlich einen Agententhriller, in dem Menschen durch Autos ersetzt sind – gäbe es den Vorgänger nicht, man würde fast sagen, willkürlich ersetzt. Als eigenständige Konstruktion wäre Cars 2 kaum vorstellbar, das Absurde rückt vom Augenwinkel ins Blickfeld – was nicht schlimm wäre, wenn das Ganze dabei nicht so unglaublich angestrengt und ausgedacht wirkte. Zwei Attribute, die einem bei keinem Pixar-Film bislang nur im Traum eingefallen wären, ja die das Gegenteil dessen sind, was Meisterwerke wie Wall-E – Der Letzte räumt die Erde auf (Wall-E, 2008) oder Oben (Up, 2009) ausgemacht hat.

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