American Dreamz

Dennis Quaid als amerikanischer Präsident und Willem Dafoe als sein Stabschef brillieren in dieser zum Teil etwas schematischen, aber überwiegend das Zwerchfell strapazierenden Satire.

American Dreamz

Nicht nur Deutschland sucht den Superstar. In den USA ist es Martin Tweed (Hugh Grant), der als Moderator und Produzent der Show American Dreamz nach Neuentdeckungen Ausschau hält und dabei ganz auf die Karte Freak-Show setzt. Neben einem blonden White-Trash-Britney-Spears-Klon sollen vor allem ein Araber und ein Jude die Quoten in die Höhe treiben. Doch der eigentliche Coup gelingt ihm mit der Verpflichtung von Präsident Staton (Dennis Quaid) als Gastjuror des Finales. Initiiert worden ist diese PR-Maßnahme von dessen umtriebigen Stabschef (Willem Dafoe), der sich zunehmend Sorgen um die Außendarstellung des ersten Mannes im Staate macht. Seit seiner Wiederwahl widmet er sich der ungewohnten morgendlichen Zeitungslektüre und fasst den gewagten Plan ins Auge, sich nicht nur eigene Gedanken zu machen, sondern auch noch seine eigenen Reden vorzubereiten.

Man benötigt nur wenige Sekunden, um zu bemerken, dass die Rolle des Präsidenten an den aktuellen amerikanischen Staatschef angelehnt ist. Doch Regisseur Weitz und Darsteller Quaid begnügen sich nicht mit plumper Imitation und Parodie. Staton ist eine eigenständige Figur mit durchaus sympathischen Zügen, die einen ansonsten manchmal disparaten Film zusammenhält. Denn trotz gelungener Liebe zum Detail und einem Gespür für skurrile Konstellationen gelingt es Weitz nicht durchgängig, seine verschiedenen Erzählstränge elegant zu verknüpfen. Während die Politsatire auf Präsidentenebene noch überzeugt, sind die Anspielungen auf Terrorismus und die Existenzen arabischstämmiger Staatsbürger in den USA zuweilen eher oberflächlich.

American Dreamz

Die Reflektion über die Unterhaltungsindustrie in Form der Herstellung einer Castingshow funktioniert hingegen gerade, weil man kaum noch Überspitzungen benötigt. Jeder kennt die medialen Prozesse und Inszenierungen nur zu gut. So gelingt es Regisseur Weitz dann auch vor dem Hintergrund des Finales der titelgebenden Sendung, die verschiedenen Protagonisten, Ethnien und sozialen Gruppen an den Bildschirmen und im Studio zu einem durchaus überraschenden Showdown zusammenzuführen.

Auch wenn bis dahin einiges recht brav wirkte, hebt sich American Dreamz dank der überragenden Schauspielerleistungen, vor allem von Quaid und Dafoe, aber auch von Hugh Grant, sowie einiger großartiger Einfälle von anderen gegenwärtigen amerikanischen Komödien ab. Seine größte Stärke dürfte allerdings darin liegen, zwar gegenwärtige amerikanische Befindlichkeiten zu thematisieren, ohne jedoch gleich die Lage der Nation erklären zu wollen. Man merkt Autor Paul Weitz an, diesen Stoff ohne Schaum vor dem Mund entwickelt zu haben.

 

Filmkritik von Sascha Keilholz

Veröffentlicht am 10.05.2006

Kommentare zu American Dreamz

Es gibt bisher noch keine Kommentare.

Hinterlassen Sie hier Ihre Meinung oder Anmerkungen zu American Dreamz. Kommentare werden in der Regel innerhalb eines Tages freigeschaltet.

Kommentar schreiben

*
*
*


*

Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.

DVD von American Dreamz

 

Blog: Berlinale im Dialog

Berlinale im Dialog

Verfolgen Sie das Festivalgeschehen der Berlinale auch im deutsch-französischen Berlinale-Blog des DFJW auf critic.de/berlinale-im-dialog

 
 

Film-Angaben

Titel: American Dreamz

USA 2006

Laufzeit: 107 Minuten

 

Regie: Paul Weitz

Drehbuch: Paul Weitz

Produktion: Rodney M. Liber, Andrew Miano, Chris Weitz, Paul Weitz

Darsteller: Dennis Quaid, Hugh Grant, Mandy Moore, Willem Dafoe, Sam Golzari, Chris Klein, Marcia Gay Harden, Tony Yalda

 

Kinostart: 15.06.2006

 

DVD-Angaben

Titel: American Dreamz

Vertrieb: Universal Pictures

Bild: 1,85:1, 16:9

Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1), Spanisch (DD 5.1), Italienisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte, Spanisch, Polnisch, Ungarisch, Türkisch, Hebräisch, Italienisch, Slowenisch

Altersfreigabe: ab 6 Jahren

Spieldauer: 103 Minuten

 

Extras: kein Bonusmaterial

 

Verleih ab: 26.10.2006

Verkauf ab: 26.10.2006

 

Weitere Filme

... von Paul Weitz

Mitternachtszirkus
USA 2008
Mit John C. Reilly, Chris Massoglia

Reine Chefsache
USA 2004
Mit Dennis Quaid, Topher Grace

... mit Dennis Quaid

Footloose
USA 2011
Von Craig Brewer

Legion
USA 2010
Von Scott Stewart

8 Blickwinkel
USA 2007
Von Pete Travis

... mit Hugh Grant

Mitten ins Herz – Ein Song für Dich
USA 2007
Von Marc Lawrence

Bridget Jones - Am Rande des Wahnsinns
Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Irland, USA 2004
Von Beeban Kidron

Bitter Moon
Frankreich, Großbritannien 1992
Von Roman Polanski

 

Copyright American Dreamz

Fotos: © UIP

 

Neue Kritiken

alle neuen Kritiken

 

Neueste Kommentare