Neue Filmkritiken

Die kanadische Reise

F, CA 2016. Regie: Philippe Lioret. Mit: Pierre Deladonchamps, Gabriel Arcand
Start:

Identität als Heimsuchung und ewiger Zweifel: In Philippe Liorets Die kanadische Reise irrt ein junger Mann erst der eigenen Abstammung nach und schreibt dann doch selbst das Szenario seiner Herkunft. weiter 

Fever Room

TH 2015. Regie: Apichatpong Weerasethakul. Mit: Jenjira Pongpas, Banlop Lomnoi

Und noch ein Screen, und noch ein Screen: Apichatpong Weerasethakuls „Film-Installation“ Fever Room in der Berliner Volksbühne hält den Zuschauer klein und macht sensibel für feine Unterschiede. Das Kopfweh wird gern in Kauf genommen. weiter 

Turtle Vision

JP 1991. Regie: Hisayasu Satô. Mit: Rei Takagi, Naomi Sugishita

Katharsis auf Magnetband: In Turtle Vision folgt ein Voyeur mit Kamera einer Schlafwandlerin mit Skalpell. Die Folgen ihres Aufeinandertreffens formt Hisayasu Satō zu einem verstörenden Misswuchs aus Technologie und Trauma. weiter 

Escalation

IT 1968. Regie: Roberto Faenza. Mit: Lino Capolicchio, Claudine Auger

Vom Generationenkonflikt, von der allumfassenden Macht des Kapitalismus, von der emotionalen Blindheit der Männer und von der Intelligenz der Frauen, die wissen, dass der Weg zum Hirn des Mannes über seine Libido führt. Roberto Faenzas psychedelisches Spielfilmdebüt Escalation ist jetzt auf Blu-ray erschienen. weiter 

Clair Obscur

TR, D, PL 2016. Regie: Yesim Ustaoglu. Mit: Funda Eryigit, Ecem Uzun
Start:

Von überall tönt es #metoo: Yeşim Ustaoğlu führt in Clair Obscur das Schicksal zweier unterschiedlicher Frauen in der Türkei zusammen, möchte auf die Universalität weiblicher Erfahrung hinaus – und flüchtet doch vor der entscheidenden Frage. weiter 

Mudbound

USA 2017. Regie: Dee Rees. Mit: Carey Mulligan, Garrett Hedlund

Emanzipation im Bild ausgeschlossen: In dem Netflix-Drama Mudbound gelingt es Dee Rees mit den Mitteln des klassischen Erzählkinos, Rassismus nicht als Sonderfall, sondern als Ordnungsprinzip zu begreifen – und über ästhetische Gegenprinzipien nachzudenken. weiter 

Love - Zero = Infinity

JP 1994. Regie: Hisayasu Satô. Mit: Kiyomi Itô, Takeshi Itô

Wahrheiten von dreckigen, nassen Frauen oder von der Unendlichkeit der Liebe. Hisayasu Satōs Love – Zero = Infinity zeigt einen Lehrer, der zwei vampirische Paare verfolgt, und bietet keine Wegweiser, sondern eine Landschaft zum Erforschen. weiter 

Licht

D, Ö 2017. Regie: Barbara Albert. Mit: Thomas Anton, Attila Beke
Start:

Die Last des Sehens und die Freiheit des Nicht-Sehen-Müssens – Barbara Alberts Licht blickt ins Antlitz der blinden Pianistin Maria Paradis. Was sie alles am eigenen Leib über gesellschaftliche Zwänge erfährt, hebelt der Film dabei immer wieder aus. weiter 

4 Blocks

D 2017. Regie: Marvin Kren. Mit: Kida Khodr Ramadan, Frederick Lau

Babylon ist in Neukölln und Marvin Krens Gangsterepos 4 Blocks die beste deutsche Serie seit Langem. Eine Würdigung zum DVD-Release und zum Free-TV-Start auf ZDF neo. weiter 

Detroit

USA 2017. Regie: Kathryn Bigelow. Mit: John Krasinski, Kaitlyn Dever
Start:

Warum Geschichte nicht als Actionfilm inszenieren? In Detroit versteht Kathryn Bigelow die Race Riots aus dem Jahr 1967 nicht als Geste schwarzer Selbstermächtigung – und setzt in ihrem Film doch auf die totale Mobilisierung, auch die des Zuschauers. weiter