Weil ihr Partner nicht mir ihr schlafen will, begibt sich Marie auf einen Passionsweg durch ihr Begehren. Catherine Breillats kontroverser Romance setzt Pornografie und Religion zu neuen Fantasien zusammen – und denkt über Kino und Heterosexualität nach. Filmkritik
Neu auf Netflix: Der Alltag einer Highschool ist in Amy Poehlers Moxie von Übergriffigkeit, toxischer Männlichkeit und Rassismus bestimmt. Als ein Mädchen zur Revolution bläst, fühlt sich das jedoch eher an wie der nostalgische Riot-Grrrl-Wunschtraum ihrer Mutter. Filmkritik
Ermittelt wird in Schmutziger Engel nur nebenbei. Das Cop-Milieu interessiert Catherine Breillat vor allem als Ort windiger Männerbündeleien. Hauptfigur ist ein Pariser Macho, unter dessen wabbeligem Äußeren ein unbändiger Sextrieb haust. Filmkritik
Neu auf DVD: Durch drei Sackgassen muss Fanny Lye, um zu ihrer Erlösung zu gelangen. Thomas Clays Emanzipations-Western mit Home-Invasion-Plot hat ziemlich viel gelesen, kann aber trotzdem noch aufgeschlitzte Kehlen genießen. Filmkritik
Ryusuke Hamaguchi erzählt in Das Glücksrad von der Magie, die in den Dramaturgien des Lebens stecken, feiert den Zufall und die Sinnlichkeit des Sprechens. Filmkritik
Natalie Morales hat ein paar Webcams aufgestellt und damit die Videochats einer Spanischlehrerin mit ihrem Schüler gefilmt. Kurzum: Hier passiert fast nichts, und das sieht auch noch mau aus – doch Language Lessons ist eine der schönsten Überraschungen der diesjährigen Berlinale. Filmkritik
Minas Mann wird durch einen Justizfehler hingerichtet, obwohl er unschuldig ist. Das iranische Drama Ballade von der weißen Kuh zeigt den Kampf einer Frau gegen den Unrechtsstaat und scheut sich nicht vor provokanten Frontalangriffen aufs Regime. Filmkritik
VoD: Céline Sciamma feiert in Petite Maman Übergangsszenarien und Herbstfarben. Ein Film, der nach seinem eigenen Platz sucht – nur dem Anschein nach mit weniger Wucht als Porträt einer jungen Frau in Flammen. Filmkritik
Kino als Schutzhülle. Betania Cappato steckt ihre autistische Protagonistin in eine Schule, in der man einander hilft. A School in Cerro Hueso ist ein Film nicht der großen Worte, sondern über das Große, das im Kleinen steckt. Filmkritik
VoD: Alexander Koberidze fordert uns auf, die Augen zu schließen und erst auf Signal wieder zu öffnen. Danach schenkt uns Was sehen wir, wenn wir zum Himmel schauen? ein echtes Sommermärchen und meint es ganz ernst damit. Filmkritik
Berlinale – Encounters: Zusammen mit Mariano Llinás erzählt Andreas Fontana in seinem Spielfilmdebüt Azor davon wie sich Geschichte wiederholt – und von Brandos Colonel Kurz, der schon lange nicht mehr im Urwald wohnt. Filmkritik
Liebe, Schuld, Entfremdung: Bence Fliegauf blickt mit seinem Episodenfilm in sieben Wohnungen und auf die zwischenmenschlichen Dramen, die sich dort abspielen. Die Welt da draußen bleibt ganz pandemisch ausgesperrt. Filmkritik
Ein paar junge Männer wollen ihre Unschuld bei einer Hure verlieren. In George Peter Barbaris Debütfilm entwickelt sich daraus eine der stärksten und zugleich deprimierendsten Sexszenen dieser Berlinale. Filmkritik
Wann endlich bemerken wir, dass alles schwankt? Auch in ihrem zweiten Film arbeiten Roman und Silvan Zürcher akribisch an der Errettung der äußeren Unwirklichkeit. Das Mädchen und die Spinne tauscht dabei nur familiäre gegen libidinöse Bande ein. Filmkritik
Auch Radu Judes neuer Film Bad Luck Banging or Loony Porn ist wieder ein filmischer Wirbel der Diskurse. Am Ende steht diesmal nicht das große Theaterstück, sondern eine Shitshow der Elite. Filmkritik
VoD: Dominik Grafs Kästner-Verfilmung Fabian oder Der Gang vor die Hunde handelt nicht einfach vom Berlin der Weimarer Republik, sondern aus ihrem Geist heraus. Filmkritik
Der Libanonkrieg und eine große Liebe werden vom Postboten aus den 1980ern in die Gegenwart geliefert. Joana Hadjithomas und Khalil Joreige haben einen klugen Film über Erinnerung gemacht, der sich nicht scheut, die ganz großen Gefühle zu triggern. Filmkritik
VoD: Sex essen Liebe auf. Hafsia Herzi spielt in ihrem Regiedebüt Du verdienst eine Liebe eine Frau, die sich in die Suche nach Liebe flüchtet, aber nur Flüchtiges findet. Lebensnah ist der Film vor allem in den Lücken der Erzählung. Filmkritik
Neu auf DVD: Bevor Menahem Golan nach Hollywood ging, drehte er in Israel diesen Film über eine austiegswillige Sexarbeiterin. Highway Queen (1971) spielt fast ausschließlich an heruntergekommenen Orten. Doch das Lächeln eines LKW-Fahrers wiegt alles andere auf. Filmkritik
VoD: In Catherine Breillats Kostümdrama vergewaltigt die „Kreatur“ Asia Argento ihren Liebhaber neben dem Scheiterhaufen ihrer Tochter. Filmkritik
Netflix: Jeder Versuch, gesellschaftlich aufzusteigen, endet für den Chauffeur Balram in einer Sackgasse. Der weiße Tiger erzählt von einem jungen Mann, der gelernt hat zu dienen, und konzentriert sich dabei weniger auf seine Wandlung als auf sein verhindertes Aufbegehren. Filmkritik