Die Jüdin Stella Goldschlag verriet während der NS-Zeit Hunderte Juden an die Gestapo. Kilian Riedhofs Film lässt sie mit ihrem Mann wie Bonnie und Clyde durch Berlin streifen und die Geschichte zunehmend in hochästhetisierten Horror driften. Filmkritik
Neu bei MUBI: Klage, Wut und trotziger Groove. Regisseur Franco Rosso begleitet das Soundsystem „Ital Lion“ durch den Londoner Stadtteil Brixton. Dabei nimmt Babylon (1980) Spike Lees Do The Right Thing (1989) vorweg, ist aber weniger didaktisch. Filmkritik
Die Anwältin, ihr Stiefsohn und eine verbotene Affäre. Catherine Breillats neuester Film kommt als leichtes Sommerstück daher. Doch die französische Regisseurin macht es sich wie eh und je im Schmerz bequem. Filmkritik
Koks-Taxi Teheran. Ali Ahmadzadehs radikaler Locarno-Gewinner Critical Zone begleitet einen Drogendealer und wirft dabei einen komplett unverschleierten Blick auf die iranische Gesellschaft. Filmkritik
Saufen! Ficken! Eskalation! Der beste Urlaub ever! How To Have Sex zeigt die Ferien dreier junger Frauen auf Kreta wie einen Rausch. Doch die Blicke der Hauptfigur Tara lassen erahnen, dass sie nicht ganz eins ist mit der Performance rücksichtsloser Feierlaune. Filmkritik
Ein schwieriger Vater, vielleicht eine Halbschwester und die Skelette der Vergangenheit. In seinem jüngsten Fernsehfilm lässt Dominik Graf einiges auf seine Protagonistin einprasseln. Mein Falke ist eine angenehm kleinformatige Erzählung über die Frage, wie viel Leben im eigenen Leben steckt. Filmkritik
„Solidarity, not charity“. In seinem möglicherweise letzten Film lässt Ken Loach eine Gruppe syrischer Neuankömmlinge die Stammkundschaft des Pubs The Old Oak entzweien. Filmkritik
Steine springen lassen, Steine sammeln, Steine verlieren: Eine Frau und ein Mann vertreiben sich am Flussufer die Zeit. Geduldig verharrt der japanische Film There is a Stone bei scheinbar sinnlosen Gesten und eröffnet einen kontemplativen Blick auf die Welt. Filmkritik
Ein junger Schwuler, der aus der Provinz ausbrechen möchte, wird zum Schriftsteller, der in der verhassten Heimat seine Wunden heilen will. Olivier Peyon erzählt von vertanen Chancen sowie einer erlösenden Begegnung und besticht vor allem mit Musik und intimen Flashbacks. Filmkritik
VoD: Dass es die neunjährige Caít bei ihren Gasteltern besser hat als zu Hause, ist schnell klar. Doch wie das in sich gekehrte Mädchen langsam auftaut, zeigt Colm Bairéads Spielfilmdebüt The Quiet Girl in behutsamen Trippelschritten. Filmkritik
Mediathek: Erstsemester-Studentin datet nerdigen Mitdreißiger, hinter dessen Durchschnittstyp-Fassade ein Serienmörder stecken könnte. Cat Person legt falsche Spuren, schickt uns in unangekündigte Traumsequenzen und ist die längste Zeit eine romantische Komödie, die sich anfühlt wie ein Thriller. Filmkritik
Neu auf DVD: Ein im Alltag noch ungeouteter schwuler Lehrer zieht allnächtlich durch die Clubs und sucht nach Beute fürs Bett. In Ron Pecks Nighthawks (1978) ist dieses Leben weder aufregend noch besonders cool. Seine Utopie ist sichtlich Normalität. Filmkritik
Neu auf DVD: In Wolfgang Staudtes Gerhard-Hauptmann-Adaption Rose Bernd (1957) implodiert eine Frau zwischen den Ansprüchen, die drei Männer auf sie erheben. Das Melodrama ist dabei derart intensiv, das es bisweilen zum Terrorkino wird. Filmkritik
Mithilfe zweier junger Geflüchteter wenden sich die Dardennes diesmal Belgiens Migrationspolitik zu. Tori und Lokita stellt nicht nur einen Richtungswechsel im Spätwerk der Brüder dar, sondern auch ihren tradierten Humanismus vor eine Herausforderung. Filmkritik
Neu auf Apple TV+: In klaustrophobischen dreieinhalb Stunden erzählt Killers of the Flower Moon von einer Mordserie an Mitgliedern des Osage-Stammes, die durch Öl zu Reichtum gelangt sind. Dabei zeigt sich Martin Scorsese diesmal eher als stiller Dokumentarist denn als expressiver Filmemacher. Filmkritik
Machtspiel vor prunkvollen Kulissen: In ihrem Biopic konzentriert sich Margarethe von Trotta ganz auf Ingeborg Bachmanns Beziehung zu Max Frisch und die Verarbeitung ihres Scheiterns bei einer Reise in die Wüste. Und macht es sich dabei ziemlich einfach. Filmkritik
Neu auf DVD: Im selben Jahr wie Nosferatu drehte F.W. Murnau einen Film über eine Amour fou, die einen kleinen Angestellten Job, Ruf und Freiheit kostet. Statt vor einem Schreckgespenst mit Krallen erstarren die Leute in Phantom vor einer körperlosen Schönheit. Filmkritik
Ex-Soldat sucht Superwaffe und Familie: Gareth Edwards Sci-Fi-Epos The Creator kennt nur zwei mögliche Umgänge mit Künstlicher Intelligenz – komplette Auslöschung oder vollständige Akzeptanz. Filmkritik
Neu auf Bluray: Im gleichen Jahr wie sein berühmter Erstling Menschen am Sonntag kam ein weiterer Film Robert Siodmaks in die Kinos. Abschied (1930) wird vom Melodram um eine Trennung zusammengehalten, liefert aber in erster Linie ein Potpourri der Lebensrealitäten im Berlin der frühen 1930er Jahre. Filmkritik
In seinem zweiten Film folgt Max Gleschinski einer zunächst namenlosen Frau über die Mecklenburger Seenplatte und in ihre Vergangenheit. Alaska ist ruhig erzählt und nimmt sich doch nicht die nötige Zeit. Filmkritik
Ein Genie, sein Mann, und eine Affäre. In Passages inszeniert Ira Sachs ein zum Scheitern verurteiltes Beziehungsdreieck und bewegt sich unaufhörlich einem Abgrund entgegen. Nur Franz Rogowoski als selbstgerechter Regisseur scheint das nicht zu merken. Filmkritik