A Useful Ghost – Kritik
Ein Mann betrauert den frühen Tod seiner Ehefrau, bis sie ihm als Staubsauger wieder erscheint. Mit einem Gefühl für trockene Komik und tragischen Ernst erzählt Regisseur Ratchapoom Boonbunchachoke von einer Geisterbegegnung in Form einer gesellschaftskritischen Parabel über Gedächtnis und Geschichte.

Die Unterseite eines Staubsaugerkopfes ähnelt tatsächlich einem Gesicht – die beiden schraubenförmigen Einkerbungen die Augen, die dünne Saugöffnung ein stoischer Mund – und die wenigsten Figuren in A Useful Ghost sind überrascht, wenn ein Staubsauger auch sprechen kann und autonom agiert. Als March (Wisarut Himmarat) der Erscheinung seiner kürzlich verstorbenen Ehefrau Nat (Davika Hoorne) hinterherläuft, ist er nur im ersten Moment verwirrt, als er plötzlich nicht von ihrer gewohnten Erscheinung, sondern von einem roten Staubsauger elegant seines Hemdes entledigt und mit einer eingebauten Bürstenfunktion liebkost wird.
Absurde Erscheinung

Auch Marchs Mutter Suman (Apasiri Nitibhon) ist weniger von der bloßen Anwesenheit eines Staubsaugergeistes verstört als davon, dass ihr Sohn sich mit ihm in Liebeleien verstrickt. Denn mit Geistern hat sie bereits schlechte Erfahrungen gemacht: Der Geist eines gestorbenen Arbeiters hat in der familiengeführten und von ihr geleiteten Elektrowaren-Fabrik wiederholt Besitz von den Geräten ergriffen und bei einer Kontrolluntersuchung schließlich den Lizenzentzug und die Schließung der Fabrik herbeigeführt. Diese Verbindung Marchs soll daher schleunigst wieder gekappt werden; auch wenn es dem Sohn guttut, sollten Geister nichts mehr mit den Lebenden zu tun haben. Marchs verstorbener Vater, an den Suman sich ab und an in der Einsamkeit ihres Schlafzimmers wendet, hat sich schließlich auch nie gezeigt und sie auch länger nicht mehr in ihren Träumen besucht.
Was lustig klingt, meint der thailändische Regisseur und Drehbuchautor Ratchapoom Boonbunchachoke im ersten Moment auch so. Sein Spielfilmdebüt beginnt als lakonisch-trockene Komödie. In distanzierten Totalen reden die Figuren monoton miteinander, ohne ihr Gesicht zu verziehen oder ihren Körper ausgiebiger zu bewegen; niemand reagiert überrascht auf merkwürdige Vorkommnisse wie die um sich peitschenden Röhrenarme einer von einem Geist besessenen Fabrikmaschine oder die an einen sprechenden Staubsauger gerichtete neutrale Erklärung darüber, dass er seinen Ehemann nicht besuchen könne, da die Besuchszeiten vorbei seien und die Ausnahmen sich nur auf lebende Angehörige bezögen.
Dieser Ton einer lakonischen Bestandsaufnahme und emotionalen Untertreibung ist zunächst absurd. Doch das gilt nur, wenn man es von außen betrachtet; in der Welt von A Usefiul Ghost werden Geister als Tatsachen schlicht akzeptiert: Sie sind Zwischenwesen, die sich, um dem Tod zu trotzen, an die Erinnerungen und die gemeinsame Geschichte klammern, die man mit ihnen hat. Suman muss folglich Nat bloß aus Marchs Gedächtnis löschen, um sie endgültig loszuwerden.
Von allen bösen Geistern verlassen

Dafür soll March Elektroschocks ausgesetzt werden. Die bisherige Atmosphäre der skurrilen Liebesgeschichte zerbricht harsch und kippt in den Ernst körperlicher, drastisch gewalttätiger Manipulation. Die Wände des Operationsraumes sind mit vielen kleinen, geometrisch spitz zulaufenden Pyramiden gespickt; die bisherigen Totalen werden von Nahaufnahmen sich im Schmerz krümmender Gliedmaßen ersetzt. March fällt es danach zunehmend schwerer, Nat in seinen Träumen als die Person zu erkennen, die er geheiratet hat. Dass sie dennoch bestehen bleibt, sich nicht auflöst, vielmehr sogar ihr Staubsaugerdasein ablegt und wieder ihre menschliche Form annimmt, provoziert die Frage, was für ein Wesen sie eigentlich ist.
Diese Uneindeutigkeit macht sich A Useful Ghost zunutze. Nat wird von dem befreundeten Arzt und Minister Dr. Paul (Gandhi Wasuvitchayagit) als Helferin instrumentalisiert. Die wehklagenden Geister von Todesopfern eines früheren, politischen Aufstandes lassen Paul nicht schlafen. Nat soll nun, als Arbeiterin des Vergessens, die Träume anderer nach Erinnerungen an diese Opfer absuchen, damit sie durch Elektroschocks beseitigt werden können. Wenn das Vergessen kontrolliert werden könnte, könnten Wohlhabende und Einflussreiche alle Erinnerungen an die Teile der Geschichte eliminieren, die ihren Status Quo in Frage stellen: Inmitten der Ideen- und Handlungsfülle des Filmes gibt sich eine klare Positionierung zu erkennen; die Geister werden politisiert.
A Useful Ghost gelingt es dabei, die humoristische Staubsaugergeschichte, aber auch den gesellschaftskritischen Kommentar spielerisch und konsequent umzusetzen. Die Liebesbeziehung dient als klug vorbereitetes Fundament und Türöffner für die politischen Überlegungen des Films. Sein absurd-humorvoller Erzählton und die wohlplatzierten Pointen verleihen ihm Leichtigkeit, ohne den Ernst der brisanteren zweiten Hälfte zu entkräften. Man wird durch den Staubsauger angelockt und eingesaugt – und bleibt in dem Film wegen der Gedanken, die er sich darum macht.
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