Untreu

Adrian Lynes Untreu (Unfaithful, 2002) ist die kongeniale Neuverfilmung des Chabrol-Klassiker Die untreue Frau (La Femme infidèle, 1969).

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Kaum ein anderer Regisseur hat den Look und die Ökonomie des amerikanischen 80er-Jahre-Kinos so beeinflusst wie Adrian Lyne. Mit Flashdance (1983), 9 ½ Wochen (Nine ½ Weeks, 1986) und Eine verhängnisvolle Affäre (Fatal Attraction, 1987) schuf er sich einen Namen als Mann für Stoffe mit besonders erotisch aufgeladener Atmosphäre. Untreu steht in dieser Tradition, hebt sich jedoch immens von genannten Filmen ab. Das liegt zum einen an der Charakterzeichnung, zum anderen an der Hauptdarstellerin. Diane Lane demonstriert erneut, dass sie mühelos jeden Film tragen kann. Hier brilliert sie als die untreue Ehefrau, die sich in Downtown New York einer Affäre mit dem Franzosen Paul (Olivier Martinez) hingibt und damit den betrogenen Gatten (Richard Gere) auf den Plan ruft. Am Ende, und dafür hat Lyne eines der nachhaltigsten Bilder unserer Dekade geschaffen, steht das Schreckgespenst Ungewissheit – darin ist Lyne wieder ganz er selbst. (sk, kst)

Sendetermine

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Kommentare zu „Untreu“


Martin Z.

Chabrol vs. Lyne

Ein Remake vergleicht man immer mit der Vorlage, auch wenn über dreißig Jahre dazwischen liegen. Lyne (Untreu) hält in weiten Bereichen den Vergleich mit Chabrol (Die untreue Frau) aus. Manche Szenen sind allerdings einfach exakt nachgedreht worden. Bei Lyne wurde die Handlung ins Amerika von heute verlegt, mit allem was dazu gehört. Und es wird in den Dialogen etwas mehr Wert auf das Innenleben der Akteure gelegt; bei Chabrol sind es stumme Blicke, die das widerspiegeln. Nur in einem Punkt ist die Neufassung unglaubwürdig: einen liebevollen, aufmerksamen, gut aussehenden Ehemann (Richard Gere!) betrügt man nicht! Zumal er keinen Grund dafür liefert. Anders bei Chabrol wo Michel Bouquet einen viel älteren, steifen, verknöcherten Alten gibt. Und dann das Ende: bei Lyne ist alles wieder F.F.E - auch wenn man mal kurz ein Martinshorn hört. Die Familie bleibt in Takt. Bei Chabrol sehen wir einen totalen, sich von den Personen distanzierenden Kameraschwenk, der die Kluft zwischen der untreuen Frau mit ihrem Sohn auf der einen und dem bösen Ehemann auf der anderen Seite verdeutlicht. Beide Gruppierungen verharren stumm und erlauben Zeit, einen weiterführenden Verlauf zu denken.






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