Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber
Fressen und Gefressenwerden à la Greenaway: Eine Rachetragödie, die zum überbordenden Fest der Sinne gart, und dabei notwendigerweise schwer verdaulich bleibt.

Auf den ersten Blick scheint alles strukturiert: Jedem der wenigen Räume des kammerspielartigen Szenarios ist eine Farbe zugeordnet, die sich auch in den von Jean-Paul Gaultier entworfenen Kostümen niederschlägt. Die Kamera fährt meist gemächlich von einem Raum zum nächsten. Selbst die Oberflächenhandlung ist simpel: Der Dieb (Michael Gambon) richtet seine Aggressionen gegen seine Frau (Helen Mirren) und den in seinem Restaurant tätigen Koch (Richard Bohringer). Beide, er ahnt es, haben ihm in punkto Kultiviertheit einiges voraus, ebenso wie der Liebhaber (Alan Howard). Dann brodeln die Brüche heraus: Neid, Eifersucht, Sex, Tod, Genuss- und Machtsucht sind die Zutaten in einem selbstzerstörerischen Ganzen, das mit der Vulgarität und den Grundbedürfnissen der neureichen Klasse der Thatcher-Jahre abräumt. Das alles manifestiert sich ganz stringent am Physischen, und im grässlich-grotesken Finale entfaltet Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber (The Cook, the Thief, His Wife & Her Lover, 1989) seine Logik vollends. (kst)
Foto: © ZDF/Telefilm
Sendetermine
Nacht von So auf Mo, 20.02-21.02.2011, 00:30 Uhr, Pro 7
Mo 19.01.2009, 23:35 Uhr, Arte
Mi 14.01.2009, 23:15 Uhr, Arte
BERLINALE 2012

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Kommentare zu Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber
Martin Z. 14.01.2009 11:40
Natürlich ist man immer noch von den total durchgestylten Bildkompositionen beeindruckt, mit Barockmusik untermalt; prozessionsartige Einmärsche und sich wiederholende Motive, wie hier der singende blonde Knabe.
Das Restaurant mit Chefkoch Richard Bohringer ist in rot-schwarz gehalten, wie die Gemälde alter Niederländer, die als Wände dienen, die Toilette ganz in weiß und auch die Kleidung der jeweils Anwesenden ist entsprechend farblich gestaltet. Die Hauptfigur Albert Spica (Michael Gambon), ein echter Kotzbrocken, wäre in dem französischen Film “Das Biest muss sterben“ gut untergekommen. Seine gedemütigte anfangs sehr schweigsame Ehefrau (so offenherzig sexy wie nie Helen Mirren) ersinnt einen genialen Racheplan, nachdem Spica den Liebhaber seiner Frau von seinem Gehilfen (diabolisch gut Tim Roth) irrtümlich ’entmannen’ ließ. Sie zwingt ihn zu einer kannibalischen Aktion. Nichts für Zartbesaitete. Will uns Greenaway sagen: ’Der Mensch ist schlimmer als ein Tier?’ oder ’Das Hässliche ist eigentlich schön, das Schöne hässlich?’ Zumindest kann einem der Appetit vergehen.
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