Pi - Der Film
Ein Film für jene, die sich im Matheunterricht schon immer dem Wahnsinn am nächsten fühlten, Fans von Weltverschwörungstheorien sind und/oder nicht wissen ob sie wirklich genial oder einfach nur paranoid sind.

Was für ein Debüt! Als Harvard-Absolvent Darren Aronofsky 1998 im Alter von noch nicht einmal 30 Jahren seinen ersten Langfilm Pi vorlegte, waren über Nacht ein Star und eine neue Hoffnung am amerikanischen Filmhimmel geboren. Auszeichnungen beim Independent Spirit Award und in Sundance ließen die Erwartungen in die Höhe schießen. Aronofsky enttäuschte nicht. Mit Requiem for a Dream legte er nur zwei Jahre später gleich ein Meisterwerk vor. Die Filmwelt lag ihm zu Füßen und Brad Pitt sagte für das Folgeprojekt zu. Als der bei The Fountain absprang, wendete sich das Blatt. Arronofsky musste mit halbiertem Budget eine ganz neue Sci-Fi-Welt erschaffen und fand in Hugh Jackman keinen passenden Star-Ersatz. So schnell er aufgestiegen war, so schnell schienen Hollywood und die Kritiker Aronofsky auch wieder fallen zu lassen. Seinen umjubelten The Wrestler feierte man dann ebenfalls wieder überschwänglich als künstlerisches Comeback. Den Schlüssel zum Erfolg wollten manche in der vermeintlichen Rückkehr zum Minimalismus, zum Low-Budget, zum Independent-Kino sehen. Zu sehr bot sich eine Projektion der Back-to-the-roots Story des Films nicht nur auf den Hauptdarsteller Mickey Rourke, sondern auch auf den Regisseur an.
Bei näherem Betrachten könnten The Wrestler und Pi unterschiedlicher nicht sein.
Wo sich der Catcherfilm mit Ausnahme einer liebevollen und ironischen Kamerafahrt ganz der technischen und inhaltlichen Reduktion verschrieben hat, seine Figuren genauso wie die Handlung erdet, ist Pi ganz stilistischer Exzess: Kaltes Schwarzweiß, schnell geschnitten, durch einen tobenden dumpfen elektronischen Sound zusätzlich rhythmisiert, durchbrochen von Zahlenreihen. Der Mathematiker Max Cohen (Sean Gullette) erschließt sich die Welt nicht nur über Formeln, er scheint die Weltformel als solche gefunden zu haben. Zwischen Rabbis und Brokern sucht er sie und den Verstand zu hüten.
Näher als The Wrestler ist Pi wahrscheinlich den Filmen James Grays, dem anderen wichtigen nordamerikanischen Filmemacher seiner Generation. New York, Brooklyn, das jüdische Leben und die Enge der Appartements – hier treffen sich zwei Autoren mit Stimme und Handschrift.
Veröffentlicht am 20.07.2009
© ZDF
Sendetermine:
Di 04.08.2009, 22.55 Uhr, 3 Sat
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