Der freie Wille
Auf der Berlinale 2006 wurde Matthias Glasners Der freie Wille kontrovers diskutiert wie lange kein deutscher Beitrag mehr.

Einige Feuilletonisten hatten es sich merklich zur Aufgabe gemacht, das Projekt regelrecht zu verdammen. Deren Logik: Ein Film aus der Perspektive eines Vergewaltigers gehöre nicht gezeigt. Die vermeintliche Gefahr: Erklärungen für das Unerklärliche, Empathie und Sympathie mit und für das Monströse.
Dabei ist Glasners Annäherung an ein gesellschaftliches Problem vielleicht die einzig mögliche: die ratlose, beobachtende, konstatierende. Hier wird auf ein Übel hingewiesen, auf unüberwindbare Dilemmata, denen man sich stellen muss. Erklärt werden sie nicht, auch Lösungswege, seien sie soziologisch oder medizinisch, bekommt man keine aufgezeigt. Der freie Wille konfrontiert einen erstmal über eine sehr lange Zeit konkret mit etwas, das man eigentlich nicht sehen möchte, schon gar nicht so explizit, wie es hier vorgetragen wird. Jürgen Vogel hat die Rolle des Triebtäters angenommen und in Bereiche ausagiert, die für ihn schmerzhaft gewesen sein müssen und es für den Zuschauer definitiv sind. Nach viel Schmerz, Gewalt, Leiden und Liebe strebt Der freie Wille einem sehr filmischen Ende entgegen. Was im Sinne der Figuren als logischer Schlusspunkt fungiert, erdet den Diskurs im Rahmen einer Erzählung. Das bereitet Unbehagen, weil man eigentlich keinen Strich unter das Geschehene und das Thema ziehen und die Tortur vielleicht nur als Endlosschleife denken kann.
Veröffentlicht am 21.04.2009
Aktualisiert am 22.09.2009
Foto: WDR / © Kinowelt
Sendetermine:
Nacht von Sa auf So 26.-27.09.2009, 2.30 Uhr, ARD
Mi 22.04.2009, 23.30 Uhr, Arte
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