Takeshi Kitano Collector’s Box

Vorsicht, dieser Mann ist gefährlich! So hieße Takeshi Kitanos Regiedebüt wörtlich übersetzt. Das Etikett würde auf die von ihm gespielten Figuren in seinen ersten drei Filmen gleichermaßen passen, die nun hierzulande in einer Collector’s Box – zum Teil erstmals – auf DVD erscheinen.

Violent Cop

In seine erste Filmregie ist Takeshi Kitano mehr oder weniger hineingestolpert. Ursprünglich sollte der seinerzeit größte Fernsehstar Japans nur die Hauptrolle in Violent Cop (Sono otoko, kyôbô ni tsuki, 1989) spielen. Nach dem Absprung des Regisseurs nahm er das Angebot des Produzenten an, den Film selbst zu inszenieren – und etablierte sogleich eine eigenwillige Handschrift, die sich im Laufe der Jahre zu einem völlig unverwechselbaren Stil entwickelte. Die Geschichte um einen unkontrollierbar gewalttätigen Polizisten entwickelt er in langen, statischen Einstellungen, knappen Dialogen, nur punktuell, aber prägnant eingesetzter Musik – und immer wieder auch mit grotesker Komik. Die Hauptrolle gibt er als eine undurchdringliche, kaum kommunikationsfähige Figur, die weniger von Law-and-Order-Gesinnung als von (Selbst-)Zerstörungslust und Todessehnsucht angetrieben scheint.

Boiling Point

In seinem zweiten Film wechselte Kitano als Darsteller die Seiten und verkörperte nun einen Gangster, ohne freilich an dem Figurentypus etwas Wesentliches zu ändern. Boiling Point (3-4 x jûgatsu, 1990), die Geschichte über einen jungen Tankwart, der sich mit den Yakuza anlegt, ist der unzugänglichste Film seines Frühwerks. Noch weiter von Genrekonventionen entfernt als sein Vorgänger, erreicht er nicht ganz die Balance und die formale Geschlossenheit von Sonatine (1993). Der gänzlich ohne Off-Musik inszenierte Film macht nicht zuletzt deshalb einen etwas fragmentarischen Eindruck, weil Kitano selbst diesmal nur eine größere Nebenrolle spielt, den restlichen Szenen ohne seine Leinwandpräsenz jedoch ein wenig der zwingende Zusammenhalt fehlt. Sehenswert ist aber auch dieser Film allemal, zum einen wegen Kitanos Blick für scheinbar Nebensächliches, der hier in kurzen narrativen und topografischen Abschweifungen besonders deutlich wird, zum anderen wegen seines abgründigen Humors – der auch und gerade in den Gewaltszenen aufscheint. Und in Hauptdarsteller Yûrei Yanagi findet Kitano einen in Sachen Stoizismus fast ebenbürtigen Partner.

Sonatine

In einer kurzen Sequenz zeigt Boiling Point seine Helden beim Baseball-Training am Strand von Okinawa. In Sonatine wird dieser zum Zentrum des Films, zu einem Ort, an dem die von Kitano geschaffene Figur erstmals eine ihr angemessene Form von Ruhe und Erholung findet. Die kindlich-albernen Spiele, mit denen der berufsmüde Yakuza Murakawa und seine Kollegen die Zeit totschlagen, sind ein letztes Innehalten und eine Vorbereitung auf seinen finalen Rachefeldzug – und auf seinen Tod. Sonatine ist Takeshi Kitanos erstes Meisterwerk. 1993 wurde er in Cannes uraufgeführt, Quentin Tarantino brachte ihn später in den amerikanischen Verleih, in seiner Heimat blieb der Film indes fast völlig unbeachtet.

Auf DVD war Sonatine hierzulande zuletzt nur noch in der unfassbar schlechten deutschen Synchronisation erhältlich, die 2002 erschienene Violent Cop-DVD ist seit längerem vergriffen, Boiling Point war bislang noch gar nicht in Deutschland veröffentlicht. Mit der Collector’s Box erhält man nun die lange vermisste Gelegenheit, das Frühwerk eines der stilprägendsten Filmemacher des Gegenwartskinos wiederzusehen – ungeschnitten und im japanischen Originalton, was angesichts der bisherigen Veröffentlichungspraxis ja keine Selbstverständlichkeit ist. Über die eher sparsame Ausstattung der Box sieht man da gerne hinweg.

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