Semaine de la Critique 2008: (Ganz) Junge Filmkritik

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Filmfestivals sind das Mekka der Filmkritiker. Während in den Kulissen der Handel mit aktuellen und kommenden Projekten floriert, haben im Vordergrund Journalisten das Wort. Wenn sie ihre Urteile, Entdeckungen und Verrisse kund geben, horchen Kinoliebhaber weltweit auf. Und noch lange nachdem die kurzlebigen Glamour-Shots vom roten Teppich verblasst sind, hallt das Echo der Filmkritiker nach. critic.de begleitet in Cannes deutsche Schüler beim Eintauchen in den Arbeitsalltag eines Filmkritikers im Rahmen der 47. Semaine Internationale de la Critique.

Das Deutsch-Französische Jugendwerk, TV5Monde und die Internationale Woche der Filmkritik haben 32 Schüler aus Frankreich und Deutschland eingeladen, eine Woche lang Filme zu sehen und Kritiken zu schreiben. Wir veröffentlichen täglich vier ausgewählte Texte der deutschen Gruppen.


15.5.2008



Moscow, Belgium

Ein einfaches friedliches Leben wünsche sie sich, sagt Matty, Mittvierzigerin, zu ihrem gut zehn Jahre jüngeren Flirt Johnny. Und dafür scheint die Flämin bereit, so einiges mit sich machen zu lassen. Auch den bereits seit bald sechs Monaten mit einer 22-Jährigen lebenden Noch-Ehemann, würde sie dafür gerne zurücknehmen. Doch der plotgetriebene Film hat noch einige Wendungen für die leicht depressive Heldin in Petto, Erkenntnisse gibt es gratis dazu. Kritiken zu Moscow, Belgium.


16.5.2008


Das Fremde in mir


Auch ein deutscher Film schaffte es in den mit nur sieben Beiträgen versehenen Wettbewerb der Semaine. Emily Atefs zweites Werk (nach Molly’s Way) fängt mit einer scheinbar willkürlichen Handkamera die Genesungsversuche einer jungen Frau ein, die nach der Geburt ihr Kind abstößt, es nach einem Suizidversuch aber zu lieben lernen möchte. Kritiken zu Das Fremde in Mir.


17.5.2008


Better Things


In langen statischen Aufnahmen fängt der Brite Duane Hopkins das Leiden jugendlicher Drogenabhängiger ein. In seinem fragmentarischen Aufbau verbindet Better Things auf multiple und undurchsichtige Weise die Ausweglosigkeit der Jugendlichen mit der älterer Menschen. Kritiken zu Better Things.


18.5.2008


La sangre brota

Erst kurz vor Schluss beginnt das titelgebende Blut so richtig zu fließen. Doch der Druck, der auf den Protagonisten dieses argentinischen Dramas wiegt, ist von Beginn an physisch spürbar. In körnigen 16mm-Bildern und vor häufig unscharfen Hintergründen fokussiert Pablo Fendrik die einzelnen Figuren einer auseinanderfallenden Familie in den Straßen von Buenos Aires. Kritiken zu La sangre brota.


19.5.2008


Les grandes personnes


Wie stark die Leistung eines Schauspielers vom Regisseur abhängig sein kann, beweist Les grandes personnes. Jean-Pierre Darroussin (Dialog mit meinem Gärtner, 2007; Saint Jacques ... Pilgern auf Französisch, 2005) liefert im französischen Semaine-Beitrag die vermutlich schwächste Darbietung seiner Karriere ab. Der absolute Tiefpunkt des diesjährigen Wettbewerbs wirkt ganz so als habe Regisseurin Anna Novion nicht die geringste Ahnung von Inszenierung und Bildgestaltung. Verbunden mit einer plumpen Dramaturgie ist das Ergebnis ein seichtes Familiendrama mit komischen Elementen vor der Kulisse schwedischer Küstenlandschaften. Kritiken zu Les grandes personnes.


20.5.2008


Snow


In das abgeschiedene Leben, das die Frauen von Slavno führen, brechen gleich doppelt Kapitalismus und Gegenwart ein: mit der Hoffnung auf die Anbindung an die Stadt, die einen kleinen Absatzmarkt für ihre landwirtschaftlichen Produkte bieten könnte, und dem lukrativen Angebot eines Verkaufs ihres gesamten Dorfes an Investoren. Der Regisseurin Aida Begic gelingt in ihrem Debüt das intime und komplexe, weit über Stadt-Land-Gegensätze hinausreichende Porträt einer Nachkriegsgesellschaft. Kritiken zu Snow.


20.5.2008


Everybody dies but me

Für die einen authentisch und nah dran, für die anderen klischeehaft und platt. Beim letzten Wettbewerbsbeitrag der Semaine, dem russischen Everybody dies but me gehen die Meinungen der Schüler-Kritiker vielleicht am weitesten auseinander. Eins steht fest: Das Pubertäts-Arbeiterviertel-Drama ist alles andere als subtil. Ob es allerdings seinem Sujet einen „frischen Wind“, so das Motto der diesjährigen Ausgabe des Kritiker-Festivals, verpassen kann, ist mehr als fraglich. Kritiken zu Everybody dies but me.


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