critic.de > Filme > Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt

Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt

Die Piratensaga rund um den Freibeuter-Sonderling Jack Sparrow geht in die dritte und (voraussichtlich) letzte Runde. Diesmal verschlägt es Johnny Depp an das Ende der Welt.

Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt

„Hat er einen Plan, oder fällt ihm das alles so nebenbei ein?“ Innerhalb des Films ist diese Frage auf den Piratenkapitän Jack Sparrow (Johnny Depp) gemünzt, der nun bereits zum dritten Mal auf der Leinwand die Weltmeere unsicher macht und sich dabei mit schöner Regelmäßigkeit noch aus der ausweglosesten Situation mit beispielloser Nonchalance befreit. Jedoch bietet das Augenklappen-Blockbusterfranchise selbst zu ganz ähnlichen Überlegungen Anlass. Denn was ursprünglich im Anschluss an eine Disneyland-Attraktion als fast etwas zu dreister Versuch erschien, die Wertschöpfungskette der Entertainmentbranche weiter auszubauen, hat längst ein Eigenleben entwickelt, welches wohl selbst die größten Optimisten im Disney-Konzern nicht für möglich gehalten hatten.

Um Jack Sparrow, die Gouverneurstochter Elizabeth Swann (Keira Kneightley), deren aufrichtigen, aber oft etwas langweiligen Verehrer Will Turner (Orlando Bloom) und zahllose weitere Figuren entwickelte sich seit dem ersten Film der Serie im Jahr 2003 ein ausgedehntes Paralleluniversum um Geisterpiraten mit Tintenfischköpfen, verwunschene Schätze, Liebeskummer und seeräuberfeindliche Marinesoldaten. Mindestens ebenso waghalsig wie die Rettungsmanöver Sparrows gestalteten sich dabei oft genug die Wendungen der von Regisseur Gore Verbinski äußerst effektvoll umgesetzten Drehbücher. Gerade der finanziell extrem erfolgreiche zweite Teil Pirates of the Caribbean 2 – Fluch der Karibik (Pirates of the Caribbean: Dead Man´s Chest, 2006) scherte sich wenig um konventionellen Plotaufbau, ließ seine Charaktere auf äußerst charmante Weise von einer absurden Actionsequenz in die nächste stolpern und trieb dadurch die Dekonstruktion klassischer Handlungsmuster weiter voran als alle anderen Special-Effects-Spektakel der letzten Jahre.

Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt

Am Ende des zweiten Teils wurde hinterrücks und selbstverständlich mithilfe einer recht hanebüchenen Erklärung Barbossa (Geoffrey Rush), der Bösewicht des Originalfilms, wiederbelebt, eine Figur, die seinerzeit eigentlich von Sparrow unschädlich gemacht worden war. In Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt (Pirates of the Caribbean: At World´s End) nun macht sich Barbossa gemeinsam mit Turner und Elizabeth auf die Suche nach seinem alten Kontrahenten: Mit vereinten Kräften soll der immer größeren Bedrohung für das wilde Leben auf den sieben Weltmeeren durch die britische Ostindiengesellschaft unter dem bösartigen Lord Beckett (Tom Hollander) Einhalt geboten werden. Außerdem sind allenthalben noch reichlich offene Rechnungen zu begleichen. Zu allem Überfluss gesellt sich zu dem munteren Treiben auch noch der singapurer Piratenkapitän Sao Feng (Chow Yun Fat), der wichtigste Neuzugang des dritten Teils.

Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt beginnt mit den Aufnahmen einer Massenhinrichtung von Piraten durch die Ostindiengesellschaft. Die auf Hochglanz polierte Plastikkaribik aus Fluch der Karibik (Pirates of the Caribbean: The Curse of the Black Pearl, 2003) und die knallbunten Fantasiewelten aus  Pirates of the Caribbean 2 – Fluch der Karibik machen von Anfang an einem ungleich düstereren Ambiente Platz. Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt spielt zum überwiegenden Teil nachts und auffallend oft in dunklen Innenräumen, andauernd stürmt und regnet es, und anstatt auf lieblichen Karibikinseln treiben sich die Freibeuter mit Vorliebe im verruchten Singapur oder auf martialischen Piratenfestungen herum.

Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt

Dem apokalyptischen Szenario entsprechend vertieft der dritte Teil der Filmreihe noch einmal den Gegensatz zwischen dem fröhlich-anarchischen Treiben der Gesamtpiraterie um Sparrow und Barbossa auf der einen sowie dem faschistoiden Regime der Ostindiengesellschaft auf der anderen Seite. Dessen Aggression gegen die Freibeuter darf durchaus als eine Allegorie auf die kolonialistischen Eroberungskriege des 19. Jahrhunderts gelesen werden. Der Film selbst legt diese Interpretation in vielen Sequenzen nahe, unter anderem durch die Obsession der britischen Generäle für die kartografische Vermessung der Weltmeere. Schritt für Schritt verschwinden die weißen Flecken von den Landkarten und Globussen, der Platz für die Piraten und ihre zahllosen Mythen wird immer kleiner. Die Gesetzlosen wehren sich mithilfe ihrer eigenen Kartografie, die zwar weniger genau justiert ist, aber über zahlreiche Umwege manchmal doch ans Ziel führt. Zumindest für das eine oder andere wildromantische Abenteuer sind Sparrow und Co. auch im neuen Weltsystem noch gut.

Diese leicht melancholisch überformte Versuchsanordnung funktioniert auch 2007 wieder wunderbar. Verbinski inszeniert im besten Hollywoodstil ein 200-Millionen-Dollar Spektakel um das letzte Aufbäumen einer vormodernen Lebensart gegen den Siegeszug des globalisierten Kapitals. Und selbstverständlich macht das Ganze jede Menge Spaß.

Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt

Ganz besonders viel Spaß macht Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt in einer Sequenz im ersten Drittel des Films, die sich irgendwo zwischen visualisiertem Drogenrausch und klassischem Slapstick einordnen lässt. Jack ist am titelgebenden Ende der Welt gestrandet. Hier ist alles weiß, er selbst hat sich vervielfacht und versucht, sein Schiff mit bloßen Händen durch eine Art Wüste zu ziehen, die aus halbversteinerten Krebsen zu bestehen scheint. Diese surreal anmutende, erstaunlich lange Passage - ein optimales Vehikel für Depps Sparrow, der auch im dritten Teil die größte Attraktion des Franchises ist - bringt dem Film seinen ersten Höhepunkt und gehört wohl zum sonderbarsten, was das amerikanische Blockbusterkino dem Publikum jemals vorgesetzt hat.

Zugegebenermaßen leidet auch Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt stellenweise unter ähnlichen Problemen wie Spider-Man 3  oder andere Blockbustertrilogie-Abschlussfilme. Damit zumindest die wichtigsten Handlungsstränge zu einem wenigstens halbwegs konsequenten Ende geführt werden können, sind im Mittelteil des Films einige etwas langatmige Gesprächssequenzen notwendig, durch die er insgesamt nicht ganz so beschwingt daherkommt wie das Vorgängerwerk. Doch das Warten lohnt sich: Nach gut zwei Dritteln der Laufzeit hat Verbinski - derzeit vielleicht in technischer Hinsicht einer der besten, sicher aber der ökonomischste Erzähler Hollywoods - sein Plotmonstrum soweit in den Griff bekommen, dass er seinem exorbitanten Budget und der dem vielfältigen Zeichenuniversum der Piratensaga inhärenten Entropie in einem beispiellosen Special-Effects-Exzess freien Lauf lassen kann. Und dieses überwältigende, ekstatische und in vieler Hinsicht größenwahnsinnige Finale muss man tatsächlich gesehen haben.

Kritik von Lukas Foerster

Fotos: © Buena Vista

Veröffentlicht am 23.05.2007



Film-Angaben:

Titel: Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt (Pirates of the Caribbean: At World´s End)
USA 2007
Laufzeit: 168 Minuten

Regie: Gore Verbinski
Drehbuch: Ted Elliott, Terry Rossio
Produktion: Jerry Bruckheimer
Darsteller: Johnny Depp, Keira Knightley, Orlando Bloom, Geoffrey Rush, Nyk Runia, Chow Yun Fat

Kinostart: 24.05.2007



DVD-Angaben:

Titel: Fluch der Karibik 3 – Am Ende der Welt
Vertrieb: Buena Vista
Bild: 2,35:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch, Englisch für Hörgeschädigte
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Spieldauer: 98 Minuten

Extras: Verfluchte Pannen vom Dreh

Die Special-Edition enthält außerdem Keith & Captain Jack: Am Set mit Johnny und der Rock Legende Anatomie einer Szene: Der Maelstrom-Strudel; Ein Jack kommt selten allein; Der Hohe Rat der Bruderschaft; Die Welt des Chow Yun Fat; Zusätzlichen Szenen mit Kommentar von Regisseur Gore Verbinski; Der Maestro der Piraten: Die Musik von Hans Zimmer; Die Piratenhymne: Hoist The Colors und Die Meister des Designs. Die Sammel-Box von Fluch der Karibik 1-3 enthält einen Audiokommentar von den Drehbuchautoren Ted Elliott und Terry Rossio und Verfluchte Piraten Pannen aus dem 2. und 3. Teil.

Verleih ab: 22.11.2007
Verkauf ab: 22.11.2007





 




Kommentare

 

Berserker

Dienstag, 08-01-08 18:52

"Nun denn.Hissen wir die Segel und schicken diese mosernden Special-Effekt verwöhnten Filmkritiker mit donnernden Kanonen auf den Grund des Meeres." Ich finde es um Kotzen das manche permanent was an Filmen auszusetzen haben.Wenn ich hier diese niedermachenden Kommentare lese,fällt mir nur eins ein:*Lasst euch begraben,denn Tod scheint ihr ja schon zu sein!* Wer sich nicht auf die Handlung mehr ...

Rocketman

Samstag, 29-12-07 23:17

Also ich muss Alex vehement widersprechen und anderen Vorrednern recht geben! Die Story ist keineswegs gut durchdacht und es sollte doch zu denken geben, wenn die Produzenten im Making Of Special des zweiten Teils äussern, dass sie zunächst Actionenszenen für 2 und 3 gedreht haben und dann lachend bemerken, dass das Drehbuch um diese Szenen herum geschrieben werden musste und die Drehbuchautoren mehr ...

M.Kay

Montag, 26-11-07 23:51

Also ich finde alle drei teile sehr gut und auch gelungen auf jeden fall besser als herr der ringe oda so

Max Payne

Sonntag, 14-10-07 15:11

Ich fand schon alle Teile Sinnlos und langweilg ! Aber der dritte gab mir dann noch den Rest ! In so einer Länge einen solchen Sinnlosen und Langweiligen Film zu machen ! Meine Kumpels sind sogar neben mir fast eingepennt und ich mit ! Das einzig gute war die Endschlacht mehr aber auch nicht ! Jonny Depp spielte wie immer den Idioten ! Ich fand alle Teile waren was für Idioten die nicht mehr mehr ...

Gerry

Sonntag, 17-06-07 10:29

Also ich finde den Film eigentlich recht lustig. Und ich denke, er ist nicht so schwer zu verstehen. Die Gründe, die jeden der Figuren zu seiner Tat bewegen, wird eigentlich gut klar gemacht. Vielleicht muss man ihn sich öfter ansehen, damit man auch wirklich alles begreift. Ich habe ihn dreimal gesehen und es gibt nichts, was ich noch ihn Frage stellen würde, bis auf die Beziehung zwischen Cutler mehr ...

Steffen

Sonntag, 03-06-07 20:06

Daumen runter!!! Es schon eine beachtliche Leistung mit einem so großen Budget, mit weitgehend erstklassigen Schauspielern, tollen Spezialeffekten und einem sehr liebevollen Dekor (und nicht zu vergessen den Vorschusslorbeeren der hervoragenden ersten zwei TEile)derartig episch zu langweilen. Was einen zu einer häufigen Frage bei Hollywood-Blockbustern bringt: Warum haben die bei 200 Mio. Filmbudget mehr ...

Alex

Sonntag, 27-05-07 23:58

Entgegen der Meinung von lennard muss ich sagen, dass der Film Klasse war. Ich sah ihn im Tripple Feature und mir sind enorme Parallelen aufgefallen, die man eigentlich nur umsetzen kann, wenn der Film von Teil eins bis Teil drei vor Durchsetzung schon gut durchdacht ist. Der Film steigert die Handlung von jedem zu Teil und kommt im letzten Teil zu einem guten Finale. Kurz zum Soundtrack. Einerseits mehr ...

JacKs bRaUt

Sonntag, 27-05-07 23:21

obwohl ich ein ziemlich großer fan von johnny depp und jack sparrow und anderen darstellern aus den fdK filmen bin, muss ich >lennard< in allem recht geben. ich würde sagen, die leutz von dem film haben einfach gedacht sie müssten die vorherigen teile einfach noch mehr übertrumpfen. dabei haben sie halt die handlung und das drehbuch vergessen. jack/johnny (der wirklich hammergeil aussieht und der mehr ...

Eb

Sonntag, 27-05-07 09:47

Ich fand den Film super! Er ist nicht zu lang gewesen. Pirates of the Caribbean ist der beste Film aller Zeiten!

Lennard

Freitag, 25-05-07 00:40

Der zweite Teil mag schlecht gewesen sein, der dritte Teil von Fluch der Karibik aber setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Dieser Teil bietet von allem zu viel. Angefangen bei den vielen verschiedenen, aber dennoch halbherzig erzählten Geschichten, die es dem Zuschauer nahezu unmöglich machen, sich in die Geschichte hineinfallen zu lassen. So fragt man sich die meiste Zeit eher, warum jetzt diese mehr ...

 

Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen Sie unseren Regeln zu.



empfehlen Filmkritik empfehlen