300

300 kampfeswillige Spartaner versuchen verzweifelt, dem Ansturm eines gewaltigen Heeres aus Persien zu trotzen. Das Kinopublikum wird durch Regisseur Zack Snyder von einem Bombardement ganz anderer Art bedroht.

300

„Give them nothing! But take from them everything!“ – „This is where we fight! This is where they die!“ – „Spartans, enjoy your breakfast, for tonight we dine in hell!“ – „Only the hard! Only the strong!“

Gäbe es einen Oskar für die meisten martialischen Oneliner, Zack Snyders 300 hätte ihn bereits heute sicher. Besonders Leonidas (Gerald Butler), König Spartas und Held des Films, schwingt alle fünf Minuten Reden, die sich stilistisch irgendwo zwischen Schulhofstreitereien und Josef Goebbels situieren. Diese Tiraden fallen während des Films allerdings kaum auf, da sie sich mühelos in ein Werk einpassen, das überzeichnet zu nennen eine Untertreibung sondergleichen wäre.

Zack Snyder nimmt sich in seinem zweiten Spielfilm nach Dawn of the Dead (2002) einem Comic Frank Millers an, welches auf der historischen Schlacht von Thermopylae basiert, in welcher, so will es zumindest die Legende, eine Gruppe von 300 Kriegern aus Sparta und Hilfstruppen aus anderen griechischen Städten dem über 100.000-Mann starken persischen Heer drei Tage lang trotzte und dadurch den Widerstandswillen aller griechischer Stämme entscheidend bestärkte.

300

Snyders Helden sind braungelockte, muskulöse Recken, die im von goldflutenden Weizenfeldern umgebenen Sparta vor allem mit Männlichsein beschäftigt sind. Die persische Armee besteht dagegen aus äußerst düsteren, dunkelhäutigen oder verhüllten Gestalten sowie missgestalteten Monstern aller Art und wird von prunksüchtigen, deutlich homosexuell konnotierten Anführern in die Schlacht geschickt. Die bösen Absichten sind letzteren schon im Gesicht abzulesen, verhandeln kommt also nicht in Frage und Mitleid schon gar nicht.

300 ist offen faschistoid, gewaltverherrlichend und rassistisch. Zusätzlich außerdem homophob und – trotz einer vermeintlich starken Frauenfigur – implizit sexistisch. Und nicht zuletzt frei von jeglicher Ironie. Für die politische Kritik stellt Snyders Film ein gefundenes Fressen dar. Allzu ergiebig ist 300 in dieser Hinsicht dennoch nicht. Schließlich enthält noch fast jede Comicverfilmung der letzten Jahre faschistoide Momente und einem Actionfilm Gewaltverherrlichung vorzuwerfen, ist ein allzu einfaches und meist wenig produktives Unterfangen. Außerdem führt 300 seine eigene politische Ausrichtung – unfreiwillig – mittels gnadenlos pathetischer Übersteigerung ad absurdum. In der Tat finden sich die unterhaltsamsten Passagen in 300 immer dann, wenn Snyder / Miller ihrer paranoiden, politisch unkorrekten Fantasie freien Lauf lassen und in opulenten Bildern die dekadente, aber alles andere als langweilige Welt der persischen Herrscher darstellen oder das edle Sparta als puritanischen Camp-Exzess evozieren. In diesen Momenten ist plötzlich nicht mehr ganz so eindeutig, welche Welt die erstrebenswertere darstellt.

300

Das Problem des Films liegt auf einer anderen Ebene. Snyder wählt eine ähnliche Herangehensweise an die Vorlage wie Robert Rodriguez in dem ebenfalls auf einem Werk Millers basierenden Sin City (2005). 300 ist ein weiterer Versuch, ein Comic nicht durch eine Auseinandersetzung mit der Struktur des Mediums, sondern durch eine direkte Übertragung der visuellen Bildinhalte auf die Leinwand zu transportieren. Und Snyders Projekt ist nur minimal erfolgreicher als das seines texanischen Kollegen. Im Gegensatz zu Sin City versucht sich 300 zwar teilweise durchaus daran, die spezifischen Texturen des gezeichneten Bildes zu reproduzieren, beziehungsweise in bewegte Lichtbilder zu übersetzen, was sich unter anderem in einigen gelungenen Großaufnahmen digital exzessiv nachbearbeiteter Gesichter und Körperteile niederschlägt. Meist jedoch wählt auch Snyder den einfachen Weg des stromlinienförmigen Bildklischees.

Bereits auf der Reise der spartanischen Truppe zum Ort des Gefechts lauert hinter jeder Wegbiegung eine neue geschmacklose, überzuckerte Landschaftsaufnahme, die sich an ihrer eigenen artifiziellen Digitalästhetik ergötzt. Im Comicformat mag dieser Monumentalkitsch bisweilen funktionieren, die nächste Seite ist schließlich stets nur eine Handbewegung entfernt. Die Filmversion von 300 aber zwingt den hilflosen Zuschauer zum minutenlangen Betrachten von äußerst unoriginellen Hochglanz-Pixelschablonen. Ganz schlimm wird es jedoch erst mit Beginn der Kampfhandlungen. In minutenlangen, auf fast bizarre Art gleichförmigen, an Matrix (1999) gemahnenden Slow-Motion Exzessen werden die Perser zu Hunderten dahingemetzelt, eine Blutfontäne nach der anderen malträtiert die Leinwand, unterbrochen nur durch das ebenfalls äußerst abwechslungsarme Kampfgeschrei Leonidas’. In diesen Sequenzen, die immerhin das Herzstück des Films darstellen, offenbart sich die gesamte Ödnis der snyderschen Kinovision, die eine unschöne Mischung aus infantiler Machofantasie und ziellosem Stilwillen darstellt.

Schon in Snyders Dawn of the Dead-Remake wirkten die ausgedehnten Actionsequenzen auf Dauer äußerst ermüdend. 300 ist noch einmal um einiges plumper, marktschreierischer und anstrengender. Wer die Schlacht von Thermopylae bis zum Ende durchsteht, fühlt sich zu guter Letzt tatsächlich so, als sei er von einigen Hundertschaften Perser mitsamt ihrer Elefanten überrollt worden.

Kritik von Lukas Foerster

Fotos: © Warner Bros.

Veröffentlicht am 14.03.2007



Film-Angaben:

Titel: 300 (300)
USA 2007
Laufzeit: 117 Minuten

Regie: Zack Snyder
Drehbuch: Zack Snyder, Kurt Johnstad, Michael B. Gordon
Produktion: Gianni Nunnari, Marc Canton, Bernie Goldmann, Jeffrey Silver
Darsteller: Gerard Butler, Lena Headey, Dominic West, Rodrigo Santoro, David Wenham

Kinostart: 05.04.2007



DVD-Angaben:

Titel: 300
Vertrieb: Warner Home Video
Bild: 2,40:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch für Hörgeschädigte
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Spieldauer: 106 Minuten

Extras: Audiokommentar von Regisseur Zack Snyder, Drehbuchautor Kurt Johnstad und Kameramann Larry Fong

Am 24.8.2007 erscheinen außerdem eine limitierte 2-Disc-Special-Edition (300 - Special Edition) in Sonderverpackung mit 32seitigem Buch „300: The Art of the Film“ und eine streng limitierte Collector´s Edition (300 - Collectors Edition) in Sonderverpackung mit Helm, 32seitigem Buch „300: The Art of the Film“ und 4 Sammelkarten. Beide Editionen beinhalten folgendes Zusatzmaterial: Audiokommentar von Regisseur Zack Snyder, Drehbuchautor Kurt Johnstad und Kameramann Larry Fong; Dokumentationen: Webisoden: Production Design, Wardrobe, Stunt Work, Lena Headey, Adaptimng the Graphic Novel, Gerard Butler, Rodrigo Santoro, Training the Actors, Culture of the Sparta City/State, A Glimpse from the Set: Making 300, Scene Studies from 300, Fantastic Characters of 30; Featurettes: Die 300 - Fakt oder Fiktion?, Wer waren die Spartiaten? Die Krieger aus 300, Die Frank Miller Bänder; Die Entstehung von 300 – Fotogalerie; Making of 300; Nicht verwendete Szenen mit Einleitung von Regisseur Zack Snyder.

Verleih ab: 24.08.2007
Verkauf ab: 24.08.2007





 




Kommentare

 

Kravi aus wien

Dienstag, 20-01-09 23:38

Bei allem respekt , will der film mehr sein als ein wunderschönes schlachtgemälde ? weiss der autor dieses textes eigentlich dass viele pro/amteur-fotografen total gerne solch "überzeichneten" landschatsbilder per photo-shop machen? warum nciht diese ästhetik auf zelluloid bannen? wems gefällt dem gefällts , Ihre kritik wirkt mir zu persönlich , zu sehr hassgebunden , ohne einsicht auf jende mehr ...

PsyclopS

Montag, 22-09-08 16:43

Also ich hatte den Film damals, als er in den Kinos anlief, natürlich angeschaut. Die Bilder sind großartig Fotografiert und in Szene gesetzt. Besonders gefallen haben mir die Kontrastspiele und die Farbkompositionen. Kein Zweifel, der Film schaut phantastisch aus. Auch habe ich keinerlei Vorbehalte wegen der exzessiven Gewaltdarstellung und dem beinahe schon wunderschön herumspritzenden Blut, das mehr ...

Günther Rabbatz

Mittwoch, 14-05-08 23:35

Und das ist meine Meinung: Der Film hat mir einen "Mords"-spaß gemacht. Das liegt wohl auch daran, daß in jedem Mann ein Bißchen ein Testosteron-Bolle ist, die manchmal raus will, und man sich als Mann halt hin und wieder gerne einen Splatter-Film reinarbeitet. Das ist genauso wie einen Saufen gehen. Ist zwar nicht gut für das Gehirn und das Karma, wirkt aber in irgendwie auch reinigend, wenn man's mehr ...

Prowsky

Montag, 14-04-08 23:03

Ähh, in wie fern hat Eugenik denn nun zum Untergang von Sparta geführt, kann jetzt beim besten Willen nicht erkennen, was das eine mit dem anderen zu tun hat. Ich würd gern die Begründung hörn.

R3cK

Donnerstag, 08-11-07 19:56

(@Persia ) Eine bildgewaltige Comic Verfilmung. Mehr nicht. Die jetzige US Kriegstreiberei in dem Film mit einzubeziehen ist schier falsch. Denn Paranoia und Verschwörungstheorien kannst du anderen Filmen wittmen. Genau wie deine Wut, dass du dich persönlich angegriffen fühlst. Für mich unverständlich, übertrieben und kleinlig. (du fühlst dich als perser nicht so toll wie die muskel Spartaner, mehr ...

Persia

Sonntag, 07-10-07 17:26

@Hal9000: Für mich völlig rätselhaft, warum du an Pferdezucht denkst. Will auch gar nicht wissen woran du sonst so beim Thema Pferde denkst, aber den Begriff Vollblutpersa gibt es in der Pferdezucht nicht. Was du meinst ist Vollblutaraber, aber für dich als Oberschullehrer und der Weisheit letzter Schluss wahrscheinlich alles das Selbe. Wen kümmerts, Araber, Perser, Türken, Holländer, Deutsche! mehr ...

Hal9000

Samstag, 06-10-07 20:08

Hallo! 300 hat nun einmal Comic-Charakter und nichts anderes sollte man in diesem Film sehen. @Persia: "Vollblutsperser",bisher kannte ich den Begriff nur aus der Pferdezucht, aber gut. Der Welt ist zumindest bewiesen: Perser sind nicht nur Bombenträger, sondern auch Labertaschen. @Leonidas und ISTEgal: Man lernt nie aus: anscheinend gibt es doch Primaten, welche den Umgang mit einer Tastatur beherrschen; @Lenow: mehr ...

Persia

Samstag, 29-09-07 15:17

Nun denn, ich als Vollblutsperser hab schon nach den ersten 3 Minuten des Filmes, wo noch kein einziger Perser die Bühne betreten hatte, keine Lust mehr gehabt meinen Sa. Abend mit diesem Film zu vergeuden. Film hin oder her, diese peinliche Aufmachung des Filmes, diese krasse Übertreibungen der Seiten(eine vor Perfektion triefende spartanische Seite gegenüber den bööööösen Persern) usw. Aber mehr ...

lenow

Freitag, 28-09-07 16:45

Zuerst eine kurze Kritik der Kritik. Die Reden des Leonidas geben m.E. relativ gut den berühmten "lakonischen Stil" der Spartaner(knapp, militant, todesverachtend) wieder, teilweise sind sie modern adaptierte Zitate aus der Hauptquelle zum Ereignis: Herodots Historien (Hdt VII, 204ff.) Diesbzgl. sind also Analogien zu Goebbels Anachronismen. Die Blutrünstigkeit der Phalanxtaktik ist in der modernen mehr ...

Ist egal

Montag, 24-09-07 21:22

Und zum Thema Herr der Ringe 300 ist nach einen Comic und Herr der Ringe nach Büchern und ich empfele niemanden Herr der Ringe zugucken fehlt eh die Hälfte

 

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