Zack and Miri make a Porno
Kevin Smith (38) kommt aus der Pubertät nicht mehr raus – eigentlich ein Glück für seine Fans. Aber sollte er doch noch groß werden, will er Judd Apatow sein.
Im besten Fall wäre Smiths neue romantische Sex-Komödie eine Kreuzung aus Clerks – Die Ladenhüter (Clerks, 1994) und Chasing Amy (1997) geworden. Im schlechtesten eine aus Jersey Girl (2004) und [filmid: 893]Clerks 2 (2006). Zack and Miri Make a Porno pendelt zwischen beiden Extremen, möchte gleichzeitig Indie und Mainstream sein, die alten Smith-Anhänger nicht enttäuschen und ein breites Publikum erreichen. Das durchwachsene Ergebnis hätte auch Harry and Sally Make a Porno heißen können.
Denn im Kern erzählt Zack and Miri auf sehr konventionelle Art und mit reichlich Zuckerguss unter der zotigen Schale, wie Sex eine langjährige Freundschaft entweder zerstören oder in Liebe verwandeln kann. Anders als Harry und Sally sind Zack (Seth Rogen) und Miri (Elizabeth Banks) aber notorisch pleite. Als ihnen Strom und Wasser in ihrer WG abgestellt wird, muss dringend eine lukrative Geschäftsidee her. Zack hat sie: „Everybody wants to see anybody fuck“. Porno sei heute schließlich so populär wie Coca Cola. Man nehme sich ein Beispiel an Paris Hilton – die verkauft jetzt Parfüm an Teenager. Großeltern, vor denen man sich für die berufliche Neuorientierung schämen müsste, habe man ja auch nicht mehr. Und „opportunities and dignity“ sowieso nicht.
Also wird der Coffeeshop, in dem Zack arbeitet, nach Ladenschluss zum Drehort für „Swallow My Cockuchino“ umfunktioniert. Aus Star Wars (1977) wird Star Whores mit „Hung-Solo“ und Prinzessin „Lay-Her“ in den Hauptrollen. In den USA hat sich eine Reihe von Zeitungen geweigert, wegen des Wortes „Porno“ Werbung für Smiths Komödie abzudrucken. Manche Kinos haben sie nicht ins Programm genommen, und Philadelphia hat gleich einen Reklameboykott für die gesamte Stadt durchgesetzt. Ein besseres Marketing für seine Sex-Sells-Schnulze hätte sich der Autor und Regisseur gar nicht wünschen können. Der großspurige Titel hält allerdings nicht, was er zu versprechen scheint. Zack and Miri ist weder pornografisch, noch eine Satire auf die Branche, die zurzeit in der Dokumentation [filmid: 1710]9 to 5 – Days in Porn (2008) genauer beleuchtet wird.
Vielmehr dient Smith der Feierabendpornodreh lediglich als austauschbarer Aufhänger für seine altbekannte Kombination aus derbem Schuljungenhumor und romantischer Weltanschauung, die Produzent Judd Apatow ([filmid: 1399]Ananas Express, Pineapple Express, 2008) inzwischen als massentaugliche und professioneller durchinszenierte Erfolgsformel am Fließband produziert. Apatow hat in Komödien wie Jungfrau (40), männlich, sucht (The 40 Year Old Virgin, 2005) oder [filmid: 955]Beim ersten Mal (Knocked up, 2006) Smiths Slacker und Nerds der 90er Jahre aus dem Randgruppendasein und der Independent-Nische geholt und sie zu (Anti-)Helden des Mainstream erklärt. Beide Regisseure zeichnen sich durch den Schulterschluss mit ihren Protagonisten aus – meistens dem infantilen Mann mit Frauenproblemen – und propagieren manchmal erstaunlich rückständige Beziehungsbilder und Geschlechterrollen. Apatow besitzt jedoch mehr Gespür für Dramaturgie und narrative Details, während Smith ein eher chaotischer Erzähler ist und vor allem ein origineller Dialogschreiber mit Sinn für Alltagsabsurditäten sein kann.
Diese Stärke demonstriert er besonders in der ersten Hälfte von Zack and Miri mit einigen witzigen Situationen und Schlagabtauschen. Die typischen Smith-Provokationen unter der Gürtellinie – in [filmid: 893]Clerks 2 war es Sex mit einem Esel – wirken hier allerdings zu berechnend eingesetzt und plump inszeniert, um komisch zu sein. In der zweiten gefühlsbetonten Hälfte geht der Handlung dann zunehmend die Luft aus und der Regisseur greift auf simple Standardformeln romantischer Hollywood-Komödien zurück. Allein der stimmigen Chemie zwischen Apatow-Ober-Nerd Seth Rogen ([filmid: 1040]Superbad, 2007) und Hauptdarstellerin Elizabeth Banks ([filmid: 1508]W. – Ein missverstandenes Leben, W., 2008) ist es zu verdanken, dass selbst die uninspirierteste Szene mitunter noch zu berühren und sogar zu rühren vermag.
Überhaupt ist die pubertäre Porno-Schmonzette mehr reizend als versaut. Ein größeres Budget kann auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Kevin Smith als Filmemacher seit seinen Anfängen kein bisschen reifer geworden ist. Aber vielleicht ist ja gerade das Fehler- und Amateurhafte so entwaffnend und einnehmend an diesem sentimentalen Dünnsinn.
Filmkritik von Birte Lüdeking
Veröffentlicht am 04.08.2009
Kommentare zu Zack and Miri make a Porno
filmguckerjoe 09.08.2009 16:42
Kein grosses Kino, aber auch keine grosse Enttäuschung. Wenn die Anspielungen auf Star Wars und Co auch in der deutschen Übersetzung getroffen wurden kann man sich ein Lachen nur schwer verkneifen. Ich hatte meinen Spass und wer "Beim ersten Mal" mochte wird Zack und Miri auch mögen. 3 von 5 Sternen
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Blog: Berlinale im Dialog

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Film-Angaben
Titel: Zack and Miri make a Porno
USA 2008
Laufzeit: 102 Minuten
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Regie: Kevin Smith
Drehbuch: Kevin Smith
Produktion: Scott Mosier
Bildgestaltung: Dave Klein
Montage: Kevin Smith
Musik: Tom Myers
Darsteller: Seth Rogen, Elizabeth Banks, Traci Lords, Jason Mewes, Ricky Mabe, Craig Robinson, Katie Morgan, Jeff Anderson
Kinostart: 13.08.2009
DVD-Angaben
Titel: Zack and Miri Make a Porno
Vertrieb: Universum Film
Bild: 1,78:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Spieldauer: 97 Minuten
Extras: Outtakes; Popcorn Porn: The Making Of Zack & Miri; Entfernte Szenen;Seth vs Justin
Verleih ab: 17.02.2010
Verkauf ab: 12.03.2010
Copyright Zack and Miri make a Porno
Fotos: © Senator Entertainment AG
BERLINALE 2012

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