X-Men: Erste Entscheidung

James Bond, Mit Schirm, Charme und Melone, Mad Men und ein Schuss Austin Powers: Das X-Men-Prequel atmet den Flair der Swinging Sixties.

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Der neueste Teil der X-Men-Serie führt in die erfolgreiche und für eine Comic-Verfilmung recht ernsthafte Marke etwas Neues ein: Hipness. Und die steht den Mutanten ausgesprochen gut. X-Men: Erste Entscheidung (X-Men: First Class) unternimmt nach dem missglückten X-Men Origins – Wolverine (2009) einen neuen Anlauf, als Prequel die Vorgeschichte der ursprünglichen Trilogie (2000–2006) zu erzählen. Zugleich will der Film aber mehr sein: unter anderem eine Hommage an ein Jahrzehnt, die 1960er Jahre.

Der Beginn liegt noch in der Nazi-Zeit, in einem Konzentrationslager. Der junge Erik wird von seinen Eltern getrennt, in seiner Verzweiflung und seiner Wut kommt ein ungeahntes Talent zum Vorschein: Er bewegt das Eisentor, das ihn von seiner Mutter trennt, mit der Kraft seiner Gedanken. Ein von Kevin Bacon lustvoll gespielter SS-Oberst will sich diese Fähigkeit als Kriegswaffe zunutze machen. Der Junge soll als Test eine Münze auf dem Schreibtisch bewegen; als ihm das nicht gelingt, kommen erst die Drohungen mit den üblichen SS-Methoden: Ein Schnitt in die Gegenperspektive offenbart eindrucksvoll ein hinter Glasscheiben gelegenes Folter-Atelier als zweite Hälfte des ansonsten geschmackvoll eingerichteten Büros. (Es ist dieselbe Nähe von Schrecken und Gediegenheit wie in Rossellinis Rom, offene Stadt (Roma, città aparta, 1945), wo Folterzimmer und mondäne Bar nur durch eine Tür getrennt waren.) Als der Oberst aber Eriks Mutter vor seinen Augen erschießt, bricht die Hölle los, und man sieht, was dieser Junge mit Metall anstellen kann.

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Der Rest der Handlung spielt in den 60er Jahren, genauer gesagt im Jahr 1962, dem Jahr der Kuba-Krise. Das Zeitkolorit kostet der Film genüsslich aus, wenn auch nicht ganz historisch korrekt – der hier allgegenwärtige Minirock etwa wurde erst in den Folgejahren populär. Das Dekor von X-Men: First Class ist aber ohnehin eher eine Quintessenz der Dekade, keine Momentaufnahme. Es gibt weitläufige Bösewichter-Hauptquartiere wie bei James Bond, Geheimtüren, elegante, große Räume, in denen meist jemand mit einem Drink in der Hand steht. Außerdem surft der ganze Film gekonnt auf der Sexwelle, die damals gerade aufkam.

Der erwachsene Erik wird gespielt von Michael Fassbender, mit allem diesem Schauspieler zur Verfügung stehenden Charisma. (Man ahnt es natürlich, aus der Figur wird dann der in Teil eins bis drei von Ian McKellan dargestellte Magneto.) Der adoleszente Professor X, der hier noch Charles Xavier heißt, trägt die Züge von James McAvoy, ebenfalls ein Akteur mit ungewöhnlich starker Präsenz. (In Teil eins bis drei wird Professor X von Patrick Stewart gespielt.) Fassbender und McAvoy nehmen ihre Rollen ernst, trotz aller dem Genre eigenen Lächerlichkeit, und legen den Grundstein für die komplizierte Freundschaft/Feindschaft beider Figuren.

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Fassbender als von Rache für seine Mutter und Mordlust getriebener Mann hält seinen Charakter stets ambivalent, nie eindeutig. McAvoy als genialer Wissenschaftler aus ultrareichem Elternhaus ist der smarte, an das Gute in Mensch und Mutant glaubende Gegenpol. Bekanntlich kann er Gedanken lesen, was seinen Optimismus umso heroischer macht.

Zu den Höhepunkten zählt eine Szene, in der der künftige Magneto einem Schweizer Bankdirektor per Handbewegung langsam das Gold aus den Zähnen zerrt, in einer hübsch verspielten Kameraeinstellung aus dem Rachen heraus. Und dazu zählen auch alle Auftritte von January Jones. Die als Don Drapers Frau in der Fernsehserie Mad Men  (seit 2007, ebenfalls eine 60er-Hommage) bekannte Schauspielerin gibt die kühle telepathische Gefährtin des Bösewichts, ausstaffiert irgendwo zwischen Retro-Sexiness und dem praktischen Kampfgeist Emma Peels. Sie trägt zudem die atemberaubendsten Kostüme.

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Sie und der irgendwie heil aus dem Zweiten Weltkrieg herausgekommene Kevin Bacon planen auf einigermaßen verschwurbelte Weise eine Art Weltuntergang (wie gesagt, es ist das Jahr der Kuba-Krise); deshalb rekrutiert die CIA mit Hilfe von Erik und Charles eine ganze Riege von Mutanten. Einige davon kennen wir schon in späterer Gestalt, einige nicht. Es gibt eine Go-Go-Tänzerin mit Libellenflügeln, einen jungen Mann, der Feuer-Diskusse werfen kann, und einen Nerd mit Affenfüßen. Und es gibt die blaue Gestaltwandlerin Mystique (Jennifer Lawrence aus Winter’s Bone, 2011), die von Charles bereits aufgenommen wurde, als beide noch Kinder waren.

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Wie in den anderen Teilen der Serie auch, läuft auf der Meta-Ebene immer das Außenseiter-Topos mit und die Frage, ob man sich selbst als solcher akzeptieren kann. Das führt zu einigen einfühlsamen Szenen zwischen dem blauen Mädchen und dem Jungen mit den behaarten Trampel-Füßen und ist ganz grundsätzlich in all seinem Lady-Gaga-haften Erbauungsstil („Born This Way“) nicht die schlechteste Weltanschauung für die Zielgruppe. Mutant, and proud.

Der Spaß am Anderssein wird geradezu zelebriert in einer Szene, in der die jugendlichen Mutanten in ihrem CIA-Trainingslager sich eigentlich ernsthaften Dingen zuwenden müssten, sich stattdessen aber gegenseitig ihre Fähigkeiten vorführen und dabei das Zimmer komplett auseinandernehmen.

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Im letzten Viertel wird X-Men: First Class dann leider weniger erbaulich, und Regisseur Matthew Vaughn (Kick-Ass, 2010, Layer Cake, 2004) geht den Weg, den Actionblockbuster verlangen. Es gibt einen Showdown, der nichts weniger als den Dritten Weltkrieg verhindert, aber im Vergleich zu den vorangegangenen eineinhalb Stunden wirkt dieser Teil arg unoriginell. Da gibt es dann keine Spur mehr von James Bond und Emma Peel, ja die ganze swingende Gemächlichkeit der Sixties ist verschwunden. Stattdessen ist es einfach nur noch hektisch und laut.

Trailer zu „X-Men: Erste Entscheidung“


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Kommentare


Anonymous

Der beste X-Men von allen !!!!!!!!!!!!!!!!!


Michael Myers

Wirklich guter Anfang der X-Men Reihe. Dachte zuerst oh je das kann nichts werden ohne die Bekannten X-Men Darsteller wie Hugh Jackman aber die neuen haben es wirklich gut gemacht. Magneto kann man jetzt auch eher verstehen wieso er zu den geworden ist der er ist. Sehr Interessant mal zu sehen wie alles begann. Habe den Film im Kino gesehen und war sehr positiv überrascht. Kann sich zu allen anderen X-men Filmen dazu gesellen. Ein Kauf der DVD/ Blu-ray wird sich meiner Meinung nach auch lohnen. Kann den Film weiter empfehlen allen die die X-Men Filme mögen und die Marvelverfilmungen.


der Kritiker

Der Film will noch nicht mal mehr, als er ist. Lieblos reit er die die Geschichte, stück an Stück zusammen. Am Schluss muss sogar Prof. X im Rollstuhl landen.
Die Verlagerung der X-Men in die 60er Jahre ist an sich eine gute Idee, muss jedoch der autoritäts- Gläubigkeit des Regisseurs weichen.

Die Charaktere gleichen langweiligen Büroangestellten der 50er Jahre.
Keine Revolutionäres Flair geht von ihnen aus. Die Dialoge, sowie die Charakterentwicklung sind allein auf optische Effekte ausgelegt. Die Charaktere bleiben platt und unpersönlich . Allein Kevin Bacon weiss zu überzeugen; wird jedoch durch die Regie gebremst.
Fazit: Ein trauriges Prequel, was mehr wollen könnte, aber nichts getan hat. Daumen nach unten.






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