Workingman’s Death – Bilder zur Arbeit im 21. Jahrhundert

Michael Glawoggers eindrücklicher Dokumentarfilm Workingman’s Death schildert in fünf Episoden körperliche Schwerstarbeit. Entstanden ist ein nachdenklich stimmender Film über die Wahrnehmung der Arbeit vor dem Hintergrund der Globalisierung.

Workingman’s Death

Workingman’s Death ist ein Film, der zwar in der Gegenwart angesiedelt ist, gleichzeitig handelt er jedoch auch immer von der Vergangenheit. Die Dokumentation beginnt mit sowjetischen Aufnahmen des Arbeiter-Helden Aleksej Stachanov. Der Legende zufolge soll er 1935 in nur einer Schicht 102 Tonnen Kohle gefördert haben. Ein bis heute unerreichter Rekord. Von dieser glorreichen Vergangenheit springt der Film in die Gegenwart und wird in fünf örtlich definierte Episoden unterteilt: Ukraine, Indonesien, Nigeria, Pakistan und China.

In der Ukraine, dort wo einst Stachanov arbeitete, hat sich heute die Situation grundlegend verändert. Seine Taten sind zwar nicht vergessen, doch ihnen nachzueifern käme niemandem in den Sinn. Es geht den Arbeitern nicht mehr um Ruhm und Ehre, sondern nur noch ums Überleben. In illegalen Minen, die kaum 40cm hoch sind, bauen sie für den Eigenbedarf Kohle ab, eine lebensgefährliche Arbeit.

Workingman’s Death

Diese erste Episode legt den Grundton und die Themen des weiteren Films fest. Immer stehen Menschen im Mittelpunkt, die unter äußerst harten und gefährlichen Bedingungen arbeiten, seien dies nun die Schwefelträger in Indonesien, die Männer in einem Schlachthof in Nigeria oder die pakistanischen Schweißer, welche verrostete Schiffe aus der ganzen Welt zerlegen. Ihre Arbeitsmethoden haben sie dabei in den vergangenen Jahrzehnten kaum verändert, und man hat den Eindruck, dass die Zeit für diese Männer stehen geblieben ist.

Eine Ausnahme stellt die letzte Episode dar, und nicht ohne Grund betitelt sie der Regisseur als Zukunft. Der Volksrepublik China wird eine wichtige politische und wirtschaftliche Rolle für die nächsten Jahrzehnte vorausgesagt, und so überrascht es nicht weiter, dass die chinesischen Stahlarbeiter sich über ihre aktuelle Arbeitssituation zufrieden äußern. Inwieweit dies die tatsächliche Meinung der Männer ist, lässt der Film aber offen.

Workingman’s Death

In den letzten Jahren entstand eine ganze Reihe von Dokumentarfilmen, die sich mit den Folgen der Globalisierung auseinandersetzten. Filme wie West of the Tracks (Tie Xi Qu, 2003) oder Darwins Alptraum (Darwin’s Nightmare, 2004) machten sich die kleinen digitalen Videokameras zu Nutzen und drangen tief in die Leben der Leute vor der Kamera ein. Andere wie The Corporation (2003) orientierten sich mehr an einer Fernsehästhetik mit schnellen Schnitten und vielen Graphiken. Glawogger und sein Kameramann Wolfgang Thaler wählten für Workingman’s Death einen anderen Weg, indem sie großen Wert auf sorgfältig komponierte und ausgeleuchtete Bilder legten. Für jede Episode wurde ein stilistisches Konzept gewählt, welches die Handlungen vor der Kamera ideal unterstützen soll. Die Hektik des Schlachthofes wurde so mit einer flexiblen Handkamera eingefangen, während eine Steadycam die Schwefelträger bei ihrem beschwerlichen Aufstieg aus dem Vulkan begleitete.

Die Kehrseite von solch aufwendig produzierten und schönen Bildern ist natürlich die Gefahr, dass sie zu reinen Schauwerten verkommen können. Doch der Drahtseilakt gelingt Glawogger erstaunlich gut, und nur wenige Szenen sind so bildgewaltig, dass man zeitweise aus dem Film gerissen wird und nur noch über die ästhetisch brillanten Einstellungen staunt. Die Zerlegung des zweitgrößten Tankers der Welt in der Pakistan-Episode wird beispielsweise so monumental in Szene gesetzt, dass man von der zentralen Frage zum Bild der Arbeit im 21. Jahrhundert völlig abgelenkt wird.

Workingman’s Death

Wird die körperliche Schwerstarbeit also verschwinden? Stirbt der „Workingman“? Eindeutige Antworten liefert Workingman’s Death nicht, auch wenn der Titel eine anzudeuten scheint. Gezeigt wird, dass es bezüglich der Wahrnehmung der Arbeit ein deutliches Nord-Süd-Gefälle gibt. Unser Verständnis von Arbeit hat sich im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte immer weiter weg von dem im Film gezeigten entfernt.

Allzu deutlich unterstreicht dies Glawogger im Epilog. Stillgelegte Bergwerke und ehemalige Industriegebäude in Duisburg werden als Freizeit- und Kunststätten genutzt und nicht mehr von Arbeitern, sondern von Jugendlichen bevölkert. Ehemalige Industriegebiete werden zu nostalgischen Orten und in große Kunstwerke umgewandelt, während Schwerstarbeit sich zu Entwicklungs- und Schwellenländern verschiebt. In diesem ganzen Prozess spielt das Geld eine entscheidende Rolle. Glawogger fragte während der Dreharbeiten einen Schwefelträger, warum er anstatt mit Hilfe von Maschinen jeden Tag alleine 70-100 Kg Schwefel sieben Kilometer weit schleppt. Die Antwort war einfach: „Weil’s billiger ist!“

 

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