Weltverbesserungsmaßnahmen

Wer noch nie von der „aktiven Krankenversicherung“ gehört hat, bei der die Patienten so unabhängig sein wollen, dass sie selbst operieren, sollte sich die Weltverbesserungsmaßnahmen von Jörn Hintzer und Jakob Hüfner ansehen.

Weltverbesserungsmaßnahmen

Weltverbesserungsmaßnahmen präsentiert sich in der Form einer Dokumentation über die ambitionierten Aktivitäten verschiedener Initiativen und Vereine, wie „Ampel e.V.“ oder „Aktion 1,90 m“, zur Verbesserung des Alltags. Allerdings handelt es sich in Wirklichkeit um einen satirischen Spielfilm, der einerseits die Wichtigkeit der Kreativität zur Verbesserung der Lebensumstände aufzeigt und anregen soll, sich aber gleichzeitig nicht allzu ernst nimmt. Entstanden aus einer Rubrik des Internetprojekts „Datenstrudel“, das seit 2000 als Experimentierfeld verschiedener Künstler dient, möchten die beiden Regisseure Jörn Hintzer und Jakob Hüfner in ihrem Spielfilmdebüt verschiedene Lösungsvorschläge für die Krankheiten der modernen Gesellschaft wie Geiz oder Egoismus bieten und zeigen, dass Scheitern dabei eine wichtige Rolle spielt.

Die vorgestellten Ansätze reichen vom „sorbischen Euro“, der die Wirtschaft ankurbeln soll, indem er sich innerhalb von einigen Wochen selbst zersetzt und vorher ausgegeben werden muss, bis zum Einsatz von Langzeitarbeitslosen als Leihgeschwister für Einzelkinder zum sozialen und kommunikativen Ausgleich. Die einzelnen Episoden unterscheiden sich dabei stark in Umfang und Form: Sie reichen von der Kurzreportage mit integrierten Interviews bis zum Doku-Drama, das auch mal mehr Zeit in Anspruch nehmen darf. Trotz dieser Unterschiedlichkeiten, die sich auch in der Qualität der Geschichten fortsetzt, bleibt das Prinzip immer dasselbe: Ein Problem wird vorgestellt, dann eine Lösung präsentiert und vertieft und letztendlich noch auf die Nachteile hingewiesen. Bei sieben Episoden auf Spielfilmlänge gestreckt, reizt sich dieses Prinzip je nach Qualität der Episode gelegentlich auch aus.

Weltverbesserungsmaßnahmen

Die behandelten Probleme werden zwar ernst genommen - schließlich braucht es kreative Köpfe für eine bessere Zukunft -, zugleich aber auf selbstironische und humorvolle Weise gezeigt ohne in Schenkelklopferei abzudriften. Wegen seines ambitionierten Ansatzes, der unverbrauchten Spielweise der aus Laien und professionellen Schauspielern bestehenden Besetzung und wegen seines Mutes nicht immer perfekt sein zu müssen, ist Weltverbesserungsmaßnahmen trotz einer etwas unausgereiften Dramaturgie und den damit zusammenhängenden Längen meist unterhaltsam und bietet darüber hinaus zahlreiche Anregungen für verkappte Weltverbesserer.

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