Utopia Ltd.

Wenn alle drüber schreiben und keiner kommt.

Utopia Ltd 01

Der Film beginnt mit einigen Vorschusslorbeeren, neben der Einladung, die Perspektive zu eröffnen, auch mit dem „Prädikat wertvoll“. Was am dann folgenden Vorspann auffällt: keine Unterstützung einer Filmhochschule. Und vor allem: keine Fernsehgelder. Nur eine kleine Filmförderung. Ein Rahmen, der wichtig ist, kontextualisiert man ihn mit dem Gegenstand des Films: Die Band 1000 Robota will Punk und Wave sein, möchte sich in die Tradition von Joy Division stellen. Rebellion, Provokation, nicht nur Aufbegehren, vielleicht sogar ein bisschen Anarchie? Doch wie lässt sich die Punk-Attitüde leben, wenn sie mit den Gesetzen des Marktes kollabiert? Anton, Basti und Jonas wollen berühmt sein, wollen vor vielen Leuten spielen und wollen, dass ihre Alben gekauft werden, sie möchten, dass ihre Musik gehört und gemocht wird. Als Vorband von Fettes Brot spielt man vor vielen Leuten – doch die wollen nicht 1000 Robota hören. Beim Bürgerfest in Niederlangen spielt man vor wenigen Leuten – und denen ist mittlerweile egal, wer vor ihnen musiziert.

Anton inszeniert sich als klassischer Leadsänger, er ist Hirn und Sprachrohr der Band. Anton spricht gerne, widerspricht sich auch, ist alles andere als rhetorisch gewandt, aber doch vielleicht im weitesten Sinne charismatisch. Zumindest eine klare Vorstellung hat er. Bassist Basti schweigt lieber. Jonas eigentlich auch. Einig ist sich das Trio meistens schon. Nur mit den Vertretern des Plattenlabels, bei dem Anton auch noch eine Ausbildung absolvieren soll, gibt es keine gemeinsame Ebene. Die Jungmanager wollen die Jungmusiker zu Stefan Raabs Bundesvision-Song-Contest schicken. Es ist nicht der erste Auftritt, den die Band absagt, aber der entscheidende.

Utopia Ltd 02

Sandra Trostels Konzept trägt über die volle Distanz, nicht zuletzt, weil die Probanden ihrer Studie im Endeffekt die richtigen und einzig logischen Entscheidungen treffen. Als hätten sie damals schon gewusst, welche Geschütze Raab, Pro 7 und die ARD auffahren können. Selbst der für vermeintlich alternatives Musikercasting bekannte Raab konnte nicht widerstehen und hat sein eigenes Showformat schnellerdings über Bord geworfen. Lena reloaded. Ohne wenn und aber.

Dann lieber ohne Fernsehgelder.

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