Underworld Awakening

Mehr vom Gleichen – der vierte Film der Vampir-Serie steckt Kate Beckinsale wieder in hautenges Latex, und auch diesmal fließt reichlich Blut.

Underworld Awakening 09

Es gibt gute Gründe, die Filme der Underworld-Reihe abzulehnen, überflüssig und uninteressant zu finden. Zu sehr wirken diese Streifen, deren bereits vierter jetzt mit Underworld: Awakening in die Kinos kommt, als reines Mischwerk aus beliebig aneinandergereihten Actionszenen, die nur mühsam mit einer Geschichte vom jahrhundertealten Kampf zwischen Vampiren und Werwölfen zu etwas zusammengehalten werden, was man als oberflächlich konsistente Erzählung wahrnehmen kann.

Aber man greift damit natürlich eine Filmreihe an, in der alle Beteiligten – Darsteller, Stab und Publikum – wissen, was sie zu erwarten haben; Filmkritik nach Arthouse-Kriterien ginge daran völlig vorbei, selbst das Minimalverlangen nach innerer Logik oder Spannung trifft den Kern nicht. Stattdessen scheint es in Underworld darum zu gehen, einer schönen Frau in enger Latex-Kleidung dabei zuzusehen, wie sie in einer blauschwarzen, vage (oder gar nicht so vage) dystopischen Welt halbwegs elegant völlig unwahrscheinliche Dinge tut.

Underworld Awakening 1

Die Vampirkriegerin Selene (Kate Beckinsale) macht also wieder Jagd auf Lykaner, vulgo Werwölfe, und sie tut dies immerhin in einem abgewandelten Szenario, das man – mit umgekehrten Vorzeichen – eher aus dem Subgenre des Zombiefilms kennt: Die Menschen haben von der Existenz der Vampire und Lykaner erfahren und sich sogleich daran gemacht, die solcherart „Infizierten“ mit allen militärischen Mitteln zu bekämpfen. Zwölf Jahre später erwacht Selene aus einem künstlich induzierten Kälteschlaf; von ihrem Partner Michael Corvin findet sie keine Spur.

Da blitzt in den ersten Minuten des Films die Möglichkeit auf, eine Geschichte aus der Perspektive der von den Menschen fast ausgerotteten Vampire zu erzählen, mit all dem Menschenhass, der sich damit begründen ließe – und tatsächlich zieht Selene direkt nach ihrem Erwachen mordend und knochenbrechend durch das Forschungsinstitut, in dem man sie aufbewahrt hatte. Ihre Erbarmungslosigkeit macht sie in diesen Szenen reichlich unsympathisch; gleichwohl eröffnet der Film sich in diesen ersten Momenten die Möglichkeit zu unerwarteten Tiefen und Abgründen, berührt er doch Themen wie Xenophobie und Menschlichkeit.

Underworld Awakening 01

Aber so düster Underworld: Awakening in seiner gewohnten blauschwarzen Ästhetik auch daherkommt, die Handlung biegt dann doch auf die aus den vorherigen Filmen gewohnten Pfade ein – „mehr vom Gleichen“, das ungeschriebene und doch so oft wiederholte Franchise-Grundgesetz – und positioniert die Vampire gegen die Werwölfe, ein paar Menschen geraten da nur nebenher mit in den Konflikt hinein. (Und natürlich sind am Ende die Vampire mindestens so human, zu Liebe und Erbarmen fähig, wie die Menschen.)

Auch ästhetisch macht der Film nichts, was seine Vorgänger nicht schon auch gekonnt hätten; die Gewaltszenen sind freilich expliziter, die Spezialeffekte elaborierter – jedenfalls solange man nicht auf jene achtet, die nicht im Zentrum des Geschehens zu sehen sind. Allein die 3D-Technik ist für die Underworld-Serie neu, und die Regisseure Måns Mårlind und Björn Stein setzen sie effektiv und weitgehend gekonnt ohne große Spielereien ein. Dem Zuschauer fliegen gelegentlich Personen und Gesteinsbrocken entgegen, vor allem aber öffnet sich die Tiefe des Raums, wo sie sich in Handlung und Dialogen nicht blicken lässt. So ist es eben, das Spektakelkino unserer Gegenwart.

Trailer zu „Underworld Awakening“


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