The Real American - Joe McCarthy

Ganz Amerika voller Kommunisten. Ein Dokudrama nähert sich dem Hexenjäger Joseph McCarthy. 

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Der Name Joseph McCarthy hat sich tief ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Dabei dauerte die Karriere des republikanischen Politikers gerade einmal vier Jahre. Die Zeit von 1950 bis 1954 reichte aber, um eine Menge verbrannte Erde zu hinterlassen. Im paranoiden Amerika der Nachkriegszeit war plötzlich jeder verdächtigt, ein Kommunist zu sein. Vom Universitätsprofessor bis zu den vermeintlichen Spionen im Außenministerium. Unermüdlich sprach McCarthy Anschuldigungen aus, ohne je einen Beweis für sie zu liefern. Durch seine öffentlichen Anhörungen gelang es ihm dennoch zahlreiche Karrieren zu ruinieren.

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Die McCarthy-Ära birgt einiges dramatisches Potenzial in sich. Arthur Miller hat jene Zeit etwa in seinem Theaterstück Hexenjagd thematisiert, George Clooney später in seinem Film Good Night, and Good Luck (2005). Für beide war eher das repressive Klima dieser Zeit interessant als die eigentliche Person McCarthys. Dieses Versäumnis wollte der Historiker und Journalist Lutz Hachmeister nachholen. Sein Film The Real American - Joe McCarthy verbindet Interviews, Archivmaterial und Spielszenen zu einem Porträt des berüchtigten Politikers.

Die Methode, Dokumentar- und Spielfilm ineinander zu verschmelzen, ist hinlänglich bekannt. In Deutschland hat sich Heinrich Breloer in Das Todesspiel (1997) mit diesen Mitteln an einer Bewältigung der RAF-Vergangenheit versucht. Mittlerweile ist das Konzept, Geschichte anschaulich und lebendig zu gestalten, allerdings nichts Besonderes mehr. Kaum eine historische Fernsehdokumentation kommt mehr ohne nachgestellte Szenen aus. Im Kino hat ein solches Zwitter-Format aber deshalb noch lange nichts zu suchen.

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Das einzige Argument, das The Real American für die Kinoauswertung zu haben scheint, ist dessen aufwändige Produktion. Hachmeister stand offensichtlich mehr Geld zur Verfügung als den meisten seiner Kollegen. Das zeigt sich vor allem in den professionell ausgeleuchteten Spielszenen, die sich mehr am amerikanischen Genrekino orientieren als am deutschen Fernseh-Realismus. Und auch in der Montage macht sich ein Unterschied bemerkbar. Während das Format des Doku-Dramas in der Regel unter dem ständigen Bruch zwischen authentischen und inszenierten Aufnahmen leidet, bleiben bei Hachmeister die verschiedenen Ebenen stets durchlässig. Archivaufnahmen gehen nahtlos in Szenen mit dem irischen Schauspieler John Sessions über und auch ansonsten fügt The Real American Material aus unterschiedlichen Quellen zu einem homogenen Ganzen zusammen. Das Ergebnis ist eine verschwimmende Perspektive und eine fragwürdige Haltung: Egal ob in den meisten Interviews oder bei den fiktiven Szenen, die Person McCarthys scheint hier weit weniger interessant zu sein als der Mythos.

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Die Handlungsstruktur ist die eines herkömmlichen Biopics. The Real American ist eine archaische Heldenerzählung, wenn es sich auch um keinen ehrenwerten Helden handelt. Hachmeister spannt einen weiten Bogen und erzählt wie aus dem Bauernjungen erst ein bedeutungsloser, dann plötzlich ein ausgesprochen mächtiger Politiker wird. Das macht er mit einem hohen Grad an dramatischer Verdichtung und auch ein wenig Küchenpsychologie. Eine Erklärung für McCarthys Aufstieg bekommt der Zuschauer etwa durch einen Sprung in seine Jugendzeit. Dort erweist sich der junge Joe schon als enorm ehrgeizig und springt immer wieder ins Wasser, obwohl er gar nicht schwimmen kann.

Teilweise spricht der Film interessante Aspekte an, die auch viel über die damalige Zeit aussagen. So wie das Verhältnis zwischen Presse und Politik. Bei einem Glas Scotch diskutiert McCarthy mit Journalisten darüber, was am nächsten Tag in der Zeitung stehen soll. Man kann es durchaus als historische Gerechtigkeit sehen, dass es letztlich die Medien waren, die McCarthy das Genick gebrochen haben. Während einer öffentlichen Anhörung übertreibt es der Hexenjäger mit seinen Anschuldigungen und verliert schlagartig an Sympathien. Henry Kissinger sagt dazu: „Das ist das Schicksal von Populisten. Sie leben vom Populismus und sie sterben durch ihn.“

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Hachmeister mag durchaus ein guter Historiker sein, ein interessanter Filmemacher ist er nicht. The Real American verpackt historische Fakten, Anekdoten und allerlei Spekulationen im Gewand eines Polit-Thrillers. Dadurch bietet er sicherlich eine leicht konsumierbare Alternative zu trockenem Geschichtsunterricht, was dem Film aber fehlt, ist die Konzentration auf spezifische Aspekte. Hachmeister gibt sich damit zufrieden, überwiegend bekannte Informationen zu vereinen. Das Einzige, was ihn wirklich zu interessieren scheint, ist die mythisch überhöhte Figur Joseph McCarthys. 

Trailer zu „The Real American - Joe McCarthy“


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