Die Croods – Kritik

3D-Animation, Action, Abenteuer, Liebe, brave Moral: The Croods hat alles, was Familienunterhaltung heutzutage braucht. Aber leider auch nicht mehr.

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The Croods kann man sich als das Gegenteil der Flintstones vorstellen. Letztere sind ja so etwas wie prähistorische Kleinbürger, die in ihrer fantastischen Vorgeschichte schon allen spießigen Luxus der 1950er Jahre genießen konnten. Die Croods aber leben wirklich in der Steinzeit, der ältesten, wohlgemerkt, der Prä-Feuer-Steinzeit. Und so verhalten sie sich auch: Sie prügeln sich unablässig, schlafen als Haufen aufeinander und schlürfen ihre Eier roh. Sehr unzivilisiert, die Meute.

Der Film ist im Herzen ein aufklärerisches Ermächtigungsmärchen. Eep, die pubertierende und von unstillbarer Neugierde getriebene Tochter des Crood-Clans, hält es in der Familienhöhle nicht mehr aus. Der so starke wie geistig beschränkte Papa Grug ist Beschützer und Diktator in einem: „Habt niemals keine Angst“, bläut er seinen Verwandten ein, und „verlasst niemals die Höhle“. Damit sichert er zwar einerseits deren Überleben. Aber andererseits erhält er genau die Verhältnisse, über die er gebieten kann. Doch bei einem verbotenen nächtlichen Spaziergang außerhalb der Höhle trifft Eep nicht nur auf den paläontologischen Surferboy Guy, sondern auch auf das, was er mit sich bringt: eine Fackel.

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„Follow the light“ lautet ab dann die Devise, dem Licht nach. Raus aus der Höhle, raus aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit. Ein bisschen Platon und Kant schwirren natürlich durch den gedanklichen Überbau, aber anders als viele zeitgenössische Animationsfilme schert sich The Croods recht wenig um ausgestellte Cleverness, sondern geht von Anfang an auf rasante Familienunterhaltung. Die Ice Age-Reihe stellt für den neuen Dreamworks-Film (der, bei entsprechendem Erfolg, sicherlich seine eigene Serie begründen wird) nicht nur wegen der Urgeschichtsthematik die Blaupause bereit. Es ist vor allem die kinetische Energie, die Entscheidung pro Spektakel und contra Pixar-Gefühlsduseligkeit, die den Eiszeithetzjagden ähnelt. Einmal zwinkert man dem erfolgreichen Ahnen zu, wenn im Bildhintergrund ein Mammut in eine Felsspalte stürzt.

Und wie bei Ice Age 2 – Jetzt taut’s (Ice Age: The Meltdown, 2006) wird die Hauptbewegung der Story von einem globalen Geschehen ausgelöst: Die tektonischen Platten verschieben sich, weshalb die Croods vor allerlei Erdbeben und Lavaströmen fliehen und aus ihrer (geistigen) Höhle raus in die weite Welt müssen. Interessanterweise gibt es bei The Croods keinen personifizierten Bösewicht, kein bestimmtes externes Übel, gegen das man ankämpfen könnte. Natürlich hält die Welt außerhalb der Höhle allerlei Gefahren bereit, wie etwa kurzbeinige, grünschopfige Raubkatzen. Aber die lassen sich zähmen.

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Nein, der Weltuntergang ist nicht zu stoppen, weshalb sich alle Aggressivität hier allein nach innen richtet, in die Gruppe. Im Aufeinandertreffen des „fortschrittlichen“ Guy, der das Feuer beherrscht und insgesamt mit seinen schmalen Schultern Agent „geistiger Stärke“ ist, einerseits und des tumben Kraftprotzes Grug andererseits wird um die beste Strategie des Überlebens gerungen (Schlauheit vs. Kraft). Und um die scharf-unzähmbare Eep, deren Verhältnis zum Vater durchaus sexualisierte Züge trägt. Sie ist Herz und Muskel dieses Films. Mit ihren flammend roten Haaren erinnert sie an Pixars Merida (Merida– Legende der Highlands, Brave, 2012), und wie diese ist Eep eine widerständige, starke und, bis auf ihre schmachtende Begeisterung für den schnieken Guy, sehr angenehm klischeefrei gezeichnete Mädchenfigur.

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Das ewige Weg- und Vorwärtsdrängen der Familienwanderung durch immer neue, vom Film so schnell hindrapierte wie wieder verworfene Räume (Urwald, Wüste, Höhlenlabyrinth, Gebirge ...) wird von einem gefräßigen Entdeckergeist getrieben. Statt irgendwo ein glaubwürdiges fantastisches Ökosystem zu entwerfen, jagt The Croods durch Attraktionskulissen. Manchmal blitzen dabei hübsche Einfälle auf, wie etwa allerhand fast Caroll’sche Portemanteau-Tiere (Mauselefanten etwa oder Papageischildkröten), zumeist aber sind das Standardszenarien mit den Labels „idyllisch“, „erhaben“ oder „bedrohlich“, jedesmal vom nimmermüden Orchestersoundtrack Alan Silvestris entsprechend klangfarblich markiert.

Auf die Gefahr hin, diesen offensichtlich primär um triebabfuhrgeignete Unterhaltung bemühten Film etwas überernst zu nehmen, stellt sich schon die Frage, was für eine Weltsicht darin aufscheint. Denkt man beispielsweise, gar nicht abwegig, kurz an den Klimawandel, dann ist The Croods nicht unproblematisch. Denn angesichts eines globalen, unaufhaltsamen Geschehens schlägt dieser Film zu keinem Zeitpunkt vor, sich harmonisch in irgendeines der Wegwerf-Universen einzugliedern. Die werden ja ohnehin alle bald hinüber sein. Nein, es geht nur darum, schlauer, schneller und härter zu sein als der Weltenwandel, in immer neue Räume vorzustoßen und nur nie anzuhalten. „Ins Morgen, der Sonne nach“, quatschen die Figuren etwas einfältig-poesiealbumhaft und stehen unter einem klaren Sternenhimmel, wie es ihn heute nirgendwo mehr gibt und, wenn die Croods und ihre Mentalität sich fortragen, auch so bald nicht mehr geben wird.

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Aber, wie gesagt, das trägt womöglich leicht zu weit. Für anspruchslose Animationsfans bietet The Croods eine schöne Ausgangsidee, viel flitzeschnelle Action in Comicphysikwelten, ein paar Disney-Moral-Standards und sonst nicht viel mehr. Also ungefähr das, was jeder andere Animationsfilm dieser Tage auch bietet.

Trailer zu „Die Croods“


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