The Black Power Mixtape 1967-1975

The Black Power Mixtape dokumentiert die Revolution afroamerikanischer Bürgerrechtler in den USA in den Jahren 1967-75 vor dem Hintergrund des Vietnamkriegs. 

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The Black Power Mixtape ist ein Film von Weißen über Schwarze. 1967 begann ein Team von schwedischen Nachrichtenreportern und Journalisten, den „Aufstand“ der farbigen Bevölkerung in den USA zu dokumentieren. Das Bildmaterial, das ein Kompositum aus diversen Formaten darstellt, wurde nun nach über 40 Jahren zu einem Film zusammengeschnitten. Die 90-minütige Reise in die Vergangenheit wird erfreulich nüchtern und neutral erzählt, ist weder polarisierend noch populistisch.

1967 machte der Bürgerrechtler Stokely Carmichael durch seine publizistische Tätigkeit auf die beginnende Revolte gegen rassistische Unterdrückung aufmerksam. Carmichael, wortgewandter Verfechter und Ikone innerhalb der schwarzen Bevölkerung, wehrte sich gegen jede Form von Unterdrückung und Passivität. Mit ihm als zentraler Ausgangsfigur richtet der Film seinen Blick auf die unvermeidliche Gesetzmäßigkeit von sozialer Aktion und Reaktion, die nicht selten in Gewalt mündet. Carmichael selbst kritisierte seinen berühmten Kollegen Martin Luther King für dessen anfänglich defensive Politik, die zunächst keine sichtbare Veränderung bewirken konnte. The Black Power Mixtape reiht divergente Meinungen und Bilder gleichrangig aneinander und sensibilisiert so für historische Zusammenhänge, wenn er eine schon immer existente Zerrissenheit innerhalb des Movement sichtbar macht.

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Kommentiert von wichtigen zeitgenössischen und gegenwärtigen Persönlichkeiten – u.a. Musiker Talib Kweli, Filmemacher Melvin Van Peebles und die zu Unrecht inhaftierte Juristin und Aktivistin Kathleen Cleaver –, stellt die Dokumentation selbstreflexiv eine thematische und formale Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart her. Amerika wird als „tollpatschiger, kleiner Welpe“ bezeichnet, der „wahllos zubeißt“. Damit sind – bei aller Vaterlandsliebe, die gerade auch die Schwarzen in ihrem Movement zeigten – beide Ethnien gleichermaßen gemeint, von denen keiner zurückweichen will, bis der Bürgerkrieg seinen Lauf nimmt.

Movement heißt Bewegung. In den Zwischenschnitten der Dokumentation werden die einzelnen Jahreszahlen der erzählten Zeit übereinander geblendet, synchron dazu sieht man Fahrbewegungen von Autos, Bussen und Flugzeugen. Diese konsequenten formalen Überleitungen stellen eine gelungene Verbindung zum Thema des Films her: Amerika als pulsierender Kreislauf, der aus einzelnen Strömen und Strömungen besteht.

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Zu Beginn des Films wird der weiße Besitzer eines Diners gefragt, ob Amerika allen Menschen Gleichheit bietet, was dieser selbstgefällig mit „ja, natürlich“ beantwortet. Dass es mit dieser Gleichheit in den USA nicht allzu weit her ist, ist nichts Neues. Dagegen erscheinen die Motivationen schwarzer Bürgerrechtsgruppen bisweilen entlarvend kapitalistisch und auf eigene Institutionen gerichtet. So wird beispielhaft vorgeführt, dass die Black-Power-Bewegung nicht zwangsläufig auf einen gesamtgesellschaftlichen Wandel ausgerichtet war. Als verbale und körperliche Machtmaschine war sie eben auch für das Aufkommen eines lang andauernden Kulturnationalismus verantwortlich, in dem häufig soziale und politische Machtverhältnisse verklärt und romantisiert wurden und der in Spike Lees Verfilmung Malcolm X (1992) seinen Höhepunkt fand. 

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Unterlegt mit Auszügen von Miles Davis’ klagendem Ghetto Walk, funktionieren Bildausschnitte aus dem Vietnam-Krieg wie infizierte Drohgebärden, die nicht zuletzt auch die Macht und auch Abhängigkeit der Presse verdeutlichen. Das Team schwedischer Filmemacher und Journalisten findet sich vor allem beim Vorsitzenden der US-amerikanischen Programmzeitung „TV Guide“, zu dieser Zeit einer der einflussreichsten Institutionen des Landes, im verbalen Kreuzfeuer wieder. Dieser beschreibt die neutrale Berichterstattung der Europäer als „amerikafeindlich“ und viel zu pessimistisch. Das Problem des Vietnamkrieges gibt er zwar zu, aber das gehe nur die Amerikaner etwas an.

Wo der Film die meiste Zeit als nachdenklich stimmende Sozialkritik funktioniert, bringt der plötzliche Anblick eines heroinabhängigen Neugeborenen den Zuschauer jäh an die visuelle Schmerzgrenze. Zu den beschwerlichen Worten einer Radiosprecherin füllt das Leiden des Kindes die gesamte Bildfläche aus. Vor dem Hintergrund des Drogenkriegs 1973/74, der die ersten irreversiblen Lähmungen des Movement verursacht, ist dies eine alleinstehende Erfahrung innerhalb des Films, der sonst eher zurückhaltend und analytisch inszeniert.

Trailer zu „The Black Power Mixtape 1967-1975“


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