Samson & Delilah

Liebe in Zeiten der Ausbeutung. Ein junges Aborigene-Pärchen sucht in der Stadt des weißen Mannes sein Glück. 

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Den Lebensraum der beiden Helden in Samson & Delilah hat man schnell erfasst. Ein paar heruntergekommene Blechhütten, ein Auto und ein öffentliches Telefon, alles sehr verschwenderisch in der australischen Wüste angeordnet. Eine Ska-Band spielt dazu den immergleichen Groove. Ansonsten scheint in diesem Niemandsland nicht viel los zu sein.

Die fast abstrakte Stadt, mit der Regisseur Warwick Thornton seinen Debütfilm beginnt, erinnert durch ihren Minimalismus ein wenig an die Kreidestriche von Lars von Triers Dogville (2003). Und obwohl es auch in Samson & Delilah darum geht, wie grausam die Gesellschaft zu Einzelnen sein kann, stehen hier nur die beiden titelgebenden Figuren im Fokus: zwei jugendliche Aborigenes, die mit ihren biblischen Namensvettern bis aus die spätere Liebesgeschichte nichts gemeinsam haben.

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In ruhigen Bildern und fast ohne Dialoge erzählt Thornton eine Geschichte, die an Bonnie und Clyde (Bonnie and Clyde, 1967) erinnert, auch wenn die Helden hier über weniger kriminelle Energie verfügen. Während Samson (Rowan McNamara) den ganzen Tag nur Benzin schnüffelt, malt Delilah (Marissa Gibson) mit ihrer Oma für einen Hungerlohn traditionelle Aborigene-Bilder, die später für Unmengen an Geld in einer Galerie verkauft werden. Als die Oma stirbt, Delilah die Schuld dafür zugewiesen wird und es sich Samson währenddessen auch noch mit seinem Bruder verscherzt, fliehen die beiden im Gemeinschaftsauto nach Alice Springs. Schlimmer kann es schließlich nicht mehr werden.

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Thornton beweist dem Zuschauer mit Nachdruck das Gegenteil. Denn nachdem die beiden in der Stadt des weißen Mannes angekommen sind und mit einem munter vor sich her singenden Obdachlosen unter einer Brücke hausen, beginnt für sie die Hölle auf Erden. Egal wie unglücklich sie in ihrem Heimatdorf waren, hier werden sie nun wirklich wie Dreck behandelt. Dabei lässt der Film das Leid besonders auf das Mädchen derart übertrieben nieder, dass es streckenweise unfreiwillig komisch wirkt.

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Thornton erzählt von der Ausbeutung der australischen Ureinwohner durch die Weißen und wählt dafür eine Liebesgeschichte, die lange gar keine ist. Statt sich auf eine Annäherung zwischen den beiden Protagonisten zu konzentrieren, zeigt der Film zunächst, wie sich die Figuren ineinander widerspiegeln. Zeitgleich werden sie verprügelt, und zeitgleich sind sie auch zu sehen, wie sie mit der Kraft der Musik von der realen in eine bessere, utopische Welt fliehen. Später platziert Thornton dann hier und da kurze Momente gegenseitiger Zuneigung. Die meiste Zeit wirkt die Beziehung zwischen den beiden Jugendlichen aber erstaunlich leidenschaftslos. Samson macht zunächst noch einige Avancen, ist aber dann doch mehr mit der abgesägten Plastikflasche voll Benzin beschäftigt. Und Delilah liegt währenddessen neben ihm und blickt teilnahmslos ins Leere. Man darf dabei nicht vergessen, dass wir es hier mit Laiendarstellern zu tun haben. Da spielt es sich auf der Klaviatur der Gefühle erfahrungsgemäß leiser besser als möglichst laut und ausdrucksstark. Doch die Zurückhaltung der jungen Darsteller geht teilweise so weit, dass sie blutleer wirkt.

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Das liegt mitunter auch an der ästhetisierenden Art, mit der sie in Szene gesetzt werden. Thornton, der auch für die Kamera verantwortlich ist, schafft Bilder, die häufig in ihrer eigenen Schönheit gefangen sind. Man könnte meinen, dass sich ein Film, den ein Aborigene über Aborigenes gemacht hat, zumindest ein bisschen von den Moden im aktuellen Weltkino abgrenzt. Doch wie Samson & Delilah mit wenigen Einstellungen und schick hindrapierten Darstellern letztlich aussieht, wirkt dann doch sehr austauschbar.

Gerade weil Handlung und Erzählweise sehr einfach und schnörkellos sind, dringt der Schönheitswille mehr in den Vordergrund, als dem Film guttut. Immer wieder werden die Silhouetten der Figuren vom Gegenlicht definiert und die jungen, schönen Körper der Darsteller wie in einer Modezeitschrift präsentiert. Selbst in den dunkelsten Momenten findet Thornton noch Anmut. Als Samson etwa nach einer Überdosis Benzin auf den Parkplatz eines Supermarkts kotzt, sieht die Pfütze an Erbrochenem noch aus wie ein dekoratives Action Painting. 

Trailer zu „Samson & Delilah“


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