Polizeirevier 21

„I hate criminals“. Detective Jim McLeod macht keinen Unterschied zwischen Verbrechern, sie alle sind seine Feinde und er sieht sich in einer Vernichtungsschlacht, an deren Ende nur eine der beiden Seiten überleben kann. Doch als sein planes Weltbild ins Wanken gerät, spitzt sich die persönliche Krise dieses modernen Cops dramatisch zu.

Polizeirevier 21

Vergessen wir einmal alle Zurückhaltung und greifen direkt zum Superlativ: Detective Story ist einer der besten Filme der Fünfziger Jahre. Dieses Jahrzehnt wurde, abgesehen von den Monumentalfilmen an dessen Ausklang, vor allem von Bühnenadaptionen geprägt. Allen voran Method Actors wie Montgomery Clift, Marlon Brando und Paul Newman waren es, die ihr facettenreiches Spiel in Stücken, oftmals von Tennessee Williams, auf der Leinwand darboten und sich damit etablierten. Auch Polizeirevier 21 (Detective Story, 1951) ist die Umsetzung eines Theaterstücks und zeigt den in die Enge getriebenen Kirk Douglas in einer Tour de Force, die Hollywoodstarpräsenz und psychologisches Spiel einzigartig vereint. Darüber hinaus ist dieses Kammerspiel ein Meilenstein für das Genre des Polizeifilms.

Detective Story spielt alle Stärken des klassischen Hollywood aus. Die Dialoge, basierend auf Sidney Kingsleys Broadway-Erfolg, sind schlichtweg sensationell, das Ensemble ist bis in die letzte Nebenrolle perfekt besetzt. Eleanor Parker erhielt für ihre Rolle als Polizistenfrau eine Oscarnominierung, Lee Grant wurde in ihrem Filmdebüt für die Rolle als sensible Kleindiebin ebenfalls für die Auszeichnung vorgeschlagen. Joseph Wiseman, der später als Dr. No (1962) in die Filmgeschichte eingehen sollte, brilliert hier in seinem zweiten Filmauftritt als skrupelloser Einbrecher.

Polizeirevier 21

William Wyler beherrscht seinen Stoff, inszeniert schnörkellos und baut spielerisch eine komplexe Geschichte auf, bei der ein Handlungsrad ins nächste greift. Ganz behutsam spannt er den Spannungsbogen, bis zum fulminanten Finale.

Kaum jemand beherrschte eine solche Vielfalt an Formaten und Genres wie der Meisterregisseur. Epen wie den Heimkehrer-Kriegsfilm The best Years of our Lives (1946), den Western Weites Land (The Big Country, 1958) und den Monumentalfilm Ben Hur (1959) setzte er genauso gekonnt in Szene wie Kammerspiele im Stile des Thrillers Der Fänger (The Collector, 1965), des Dramas Infam (The Children’s Hour, 1961), des Film Noir 24 Stunden in seiner Gewalt (The Desperate Hours, 1955) und eben Detective Story (1951). Vor allem diese mit Stars gespickten aber häufig schnell und mit relativ geringem Budget gedrehten „kleineren“ innerhalb des Hollywood-Systems realisierten Filme gingen oftmals in Dialog und Inhalt an die Grenzen des zur jeweiligen Zeit im Film Thematisierbaren.

Polizeirevier 21

Detective Jim McLeod ist so hasszerfressen und dirty, dass Harry 20 Jahre später wie ein Klosterschüler daherkommt. Ein Anwalt lässt Nacktfotos seines Mandanten schießen, damit mögliche Misshandlungen durch McLeod nachweisbar wären. Für den ist jede im Revier auftauchende Person nicht nur bereits schuldig, sondern auch nicht mehr resozialisierbar. Den Kurpfuscher Dr. Karl Schneider, der Abtreibungen betreibt und das Leben junger Mädchen auf dem Gewissen hat, sähe er nicht nur gerne auf dem elektrischen Stuhl, er beteuert seinem Vorgesetzten auch, dass er am Liebsten selbst das Gerät einschalten würde.

Für den Polizisten gibt es zwei menschliche Archetypen: auf der einen Seite sein krimineller Vater, auf der anderen Seite seine Mutter und Ehefrau. Als sein simples Wertesystem von der Wirklichkeit eingeholt wird, gerät der Cop ins Wanken, ehe er seinen zerstörerischen Hass schließlich gegen sich selbst richten muss.

Wylers Meisterwerk kommt, abgesehen von Vor- und Abspann, komplett ohne Musik aus. Dies ist nur ein Beispiel für die stilistische und ästhetische Zurückhaltung des Regisseurs, dessen Film deshalb in umso größerem Kontrast zu vielen aktuellen Hollywoodproduktionen (siehe unser Special [articlid:1346]Zeichen der Zeit: Kinoblockbuster als Auslaufmodell) und Genrefilmen steht. Gerade in Anbetracht dieses Juwels im klassischen Erzählkino wird die Krise des gegenwärtigen Weltkinos augenscheinlich.

Kommentare

Es gibt bisher noch keine Kommentare.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.