Phoenix in der Asche

Mission Klassenerhalt. Jens Pfeifer hat die Basketballer von Phönix Hagen nach ihrem Aufstieg eine Saison lang begleitet und gewährt dabei spannende Einblicke in die Herausforderungen der neuen Erstligisten.

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Basketballfilme kennt man vor allem aus den USA. Gilbert Moses in Vergessenheit geratenes Juwel The Fish That Saved Pittsburgh, mit dem er 1979 die Ausnahmefähigkeiten des grandiosen Julius Erving (Dr. J) auf die Leinwand bannte, war der Auftakt dieses Subgenres des Sportfilms. Richtig in Schwung kam es erst durch die Darbietung des amerikanischen Dream Teams bei den Olympischen Spielen 1992, die weltweit Begeisterung auslöste. Seitdem nahm das Interesse für diesen Sport auch in Deutschland stetig zu. Der Weltruhm von Dirk Nowitzki, dem German Wunderkind, der nicht nur seit Jahren zu den erfolgreichsten Spielern der amerikanischen NBA gehört, sondern sich dort diesen Sommer als erster Deutscher einen Meisterschaftsring verdiente, hat die Begeisterung für Basketball hierzulande in der letzten Zeit auf einen Höhepunkt gebracht. Im deutschen Film hat sich diese erst seit kurzem niedergeschlagen. 2009 entstand mit Hangtime – Kein leichtes Spiel erstmals ein deutscher Basketball-Spielfilm, in dem Phönix Hagen bereits am Rande eine Rolle spielt. Der gebürtige Hagener Jens Pfeifer legt nun eine Dokumentation über diesen Verein nach.

Sein Film beginnt dort, wo viele andere Geschichten enden: mit dem Erfolg. Phönix Hagen hat den Aufstieg von der zweiten deutschen Basketball-Bundesliga (Pro A) in die erste (BBL) geschafft. Die ganze Folgesaison 2009/2010 über begleiteten Pfeifer und sein Team die Feuervögel bei ihren neuen Herausforderungen. Ähnlich manch einem Basketballtraining, bei dem man sich Konditions- und Strategieübungen statt dem vergnüglichen Teil widmen muss, geht Pfeifer bei der Gestaltung seines Films vor. Spielszenen gibt es recht wenige. Der Regisseur interessiert sich kaum für die spektakulären Schauwerte dieses Sports und überlässt die Aufnahmen von Slamdunks, Zauberpässen und Buzzerbeatern weiterhin den AND1-Videos. Phönix in der Asche verfolgt vor allem die Aspekte jenseits des Showfaktors und zeigt die harte Arbeit, die dahinter steckt. Ein Profiverein in der ersten Liga ist vor ganz neue Aufgaben gestellt, nicht nur in sportlicher Hinsicht. So muss etwa eine neue Übergangshalle errichtet werden, da die ursprüngliche Ischelandhalle nicht die BBL-Anforderungen erfüllt.

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Wichtiger als die Einblicke in organisatorische Rahmenbedingungen ist natürlich die Mannschaft (die aktuell allerdings in der gezeigten Zusammensetzung längst nicht mehr besteht). Den roten Faden durch den Film bietet Headcoach Ingo Freyer, der als Bindeglied der meisten Sequenzen fungiert. Einige Momente des Auftaktspiels sind ausschließlich über seinen Gesichtsausdruck zu verfolgen. Von den Spielern stehen die Leistungsträger Chase Griffin und Michael Hakim Jordan im Vordergrund. Letzterer, der kleine Guard mit dem großen Namen, wurde als neuer Teamleader verpflichtet. Denn die Mannschaft gewinnt kaum ein Spiel in der neuen Liga und schnell ist das Ziel des Clubs klar, das die titelgebende Abwandlung der bekannten Phönixmetapher treffend zum Ausdruck bringt. Es geht einfach nur darum, nicht wieder abzusteigen. Dafür muss man einiges tun – zum Beispiel, wie eine eindrucksvolle Szene zeigt, mit Daunenjacken in der eiskalten Halle trainieren

Dass es nicht nur um körperliche Fitness geht, sondern sich beim Basketball viel im Kopf abspielt, vermittelt die Dokumentation ebenso anschaulich. Immer wieder sind die Spieler bei Teambesprechungen und Videoanalysen zu sehen. Auch persönliche Konflikte stehen im Raum. Bei einer Krisensitzung, in der sich Jordan bei Griffin darüber beschwert, dass dieser ihm konsequent den Pass verweigere, wird ersichtlich, dass auch bei den Profis manches nicht anders läuft als in der B-Jugend. Diese und viele andere nahezu intime Einblicke verleihen den Porträtierten Nahbarkeit und Authentizität. Dass der Film weitgehend auf Eingriffe in das Dokumentierte verzichtet, steigert diesen Effekt noch. Musikalische Unterlegung vernimmt man nur sehr selten, und direkte Statements oder Interviews in die Kamera gibt es ebenso wenig wie Kommentare oder Erklärungen von Seiten des Filmemachers. Die Kamera bleibt stets unsichtbarer Beobachter, und die damit abgebaute Distanz ermöglicht dem Zuschauer, sich beinahe als Mitglied des Kaders zu fühlen.

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Bei der Zusammenstellung seines Materials beweist Pfeifer dramaturgisches Gespür. Der Blick hinter die Kulissen einer Profimannschaft ist durchgehend unterhaltsam und entbehrt auch nicht eines Spannungsbogens. Für die Mannschaft mag der Verlauf der Saison eine harte Probe gewesen sein, der Film profitiert davon. Tatsächlich erst mit den letzten Spielen entscheidet sich das Schicksal über Abstieg oder Klassenerhalt. Analog zum Anstieg der Spannung um den Ausgang fährt Pfeifer den ästhetischen Faktor nach oben und stellt gegen Ende einige der schönsten Angriffe der Hagener zusammen. Wenn dann noch zum Abschluss antreibende Musik über die Bilder gelegt und die Namen der Spieler eingeblendet werden, findet die lange Zeit so nüchtern gehaltene Dokumentation einen krönenden Abschluss. Sollte man von den Feuervögeln zuvor noch nie gehört haben oder auch die deutsche Basketball-Bundesliga nicht kennen, tut das dem Genuss dieses äußerst charmanten Porträts des Hagener Clubs keinen Abbruch. 

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