Nomi Song

“He came from outer space to save the human race”. Der Aufstieg des außergewöhnlichen Countertenors Klaus Nomi von den Anfängen im New Yorker Untergrund der späten siebziger Jahre bis zu seinem internationalen Durchbruch steht in Andrew Horns durchaus unterhaltsamer Dokumentation Nomi Song im Mittelpunkt.

Nomi Song

In seiner Dokumentation Nomi Song zeichnet Regisseur Andrew Horn den Aufstieg eines außergewöhnlichen Popstars der achtziger Jahre nach. Stets darauf bedacht, Klaus Nomi als das nicht einzuordnende außerirdische Wesen darzustellen, als das er sich während seiner Karriere auf der Bühne stilisierte, lässt der Film zahlreiche private Details aus, um auf humorvolle Weise zu zeigen, wie ein Außenseiter durch ein ungewöhnliches Bühnenkonzept zu einem international gefragten Markenartikel wurde. Selbst bei der Videoaufzeichnung einer Privatparty wird deutlich, wie sehr Nomi seine Bühnenrolle als schützende Maske benutzte.

Nachdem Nomi Ende der siebziger Jahre von Deutschland nach New York übersiedelte, stieß er zunächst auf Unverständnis, weil die Stimme eines Countertenors zu dieser Zeit noch unüblich war. Anerkennung fand er nur in der New-Wave-Szene, in der er auch gleichgesinnte Musiker wie den Electro-Pionier Man Parrish kennen lernte. Im Gegensatz zu den dilettantischen Dekonstruktionen zahlreicher Undergroundbands, die sonst das Programm der New Yorker Off-Bühnen dominierten, verblüffte Nomis stimmliche Perfektion, mit der er zunächst Opernarien vortrug. Seine Art, wie er sich als weißgeschminkten Außerirdischen mit schwarzem Lippenstift und Roboterbewegungen inszenierte, war so ungewöhnlich, dass seine Auftritte euphorisch vom offenen New Yorker Szenepublikum aufgenommen wurden. Dokumentiert wird diese Zeit durch Interviews mit Freunden, Verwandten und musikalischen Wegbegleitern sowie Aufzeichnungen von diversen Bühnen- und Fernsehauftritten Nomis. Durch die längere zeitliche Distanz zu Nomis Tod im Jahre 1983, sind die Kommentare der Beteiligten durchaus differenziert und zeichnen ein nicht durchgehend positives Bild des Künstlers.

Nomi Song

Erfreulicherweise wird der Schwerpunkt bei Nomi Song auf die frühe Phase gelegt, als Nomi noch Teil einer Subkultur war und vor seinem internationalen Durchbruch als Popstar stand. Damit steht nicht der Höhepunkt seiner Karriere im Zentrum sondern die ersten Auftritte, bei denen noch keine künstlerischen Kompromisse eingegangen wurden, um ein Massenpublikum zu erreichen. Die von Amateuren aufgenommenen Konzertmitschnitte zeichnen sich nicht nur durch ihre Intimität und Authentizität aus, was ihre schlechte Aufnahmequalität ausgleicht, sondern bieten zudem mit ihren unverbrauchteren Sichtweisen mehr als sterile Aufzeichnungen aus einem Fernsehstudio.

Auch wenn Nomis Musik und Bühnenshow mit ihrem stilisierten Pathos etwas gewöhnungsbedürftig sind, so ist Andrew Horn doch ein unterhaltsames Portrait und Zeitbild der New Yorker Künstlerszene von den späten siebziger bis zu den frühen achtziger Jahren gelungen. Eine Ära, die seit einigen Jahren in der zeitgenössischen Mode und Musik erneuten Aufschwung erlangt. Nomi Song ist allerdings kein Musikfilm im engeren Sinn. Obwohl es sich um das Portrait eines Musikers handelt, nimmt Nomis Musik nur einen relativ geringen Teil des Films ein. Das Hauptaugenmerk legt Horn auf Nomis Entwicklung und die Entstehung des Popstars.

Nomi Song

Andrew Horns Interviewpartner sind ausschließlich Freunde und Bekannte, wodurch der Film eine persönliche Note erhält, aber leider auch gegen Ende sehr sentimental wird. Wenn Nomis Freunde im letzten Teil des Films von der Unfähigkeit erzählen, mit der noch unbekannten Krankheit Aids umzugehen und ihn aus Angst vor Ansteckung gemieden zu haben, wird der Film ein bisschen zu rührselig, zumal er 90 Minuten lang private Details ausgespart hat, um auf die Künstlichkeit seines Stars zu setzen. Doch Horn lässt seinen Film nicht mit einem Lobgesang auf den verstorbenen Star enden, sondern zelebriert seinen Abschied auf humorvolle und ironische Weise. Nomi Song endet so, wie er angefangen hat: mit einem Ausschnitt aus einem fünfziger Jahre Science-Fiction Film. Das Raumschiff der Außerirdischen fliegt dort in den Weltraum zurück und der Protagonist spricht die Schlussworte: „Vielleicht waren wir einfach noch nicht bereit für diese Begegnung“.

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