Mein Kind vom Mars

Ein kleiner Junge behauptet, ein Marsmensch zu sein. Ausgehend von dieser Prämisse lässt das prominent besetzte Science Fiction-Märchen Mein Kind vom Mars nichts unversucht, um dem Zuschauer Empathie und Anteilnahme zu entlocken.

Mein Kind vom Mars

In K-Pax (2001) spielte Kevin Spacey einen ganz besonderen Insassen einer psychiatrischen Klinik. Prot – so sein Name – war fest davon überzeugt, von einem weit entfernten Planeten zu stammen. Auch die halb-autobiographische Kurzgeschichte The Martian Child des Science Fiction-Autors David Gerrold greift die Idee des verkannten und belächelten Außerirdischen im Menschenkostüm auf. Dieses Mal steht jedoch ein kleiner Junge im Mittelpunkt der Handlung. Dennis (Bobby Coleman) vermeidet es, mit seiner Umwelt und anderen Kindern in Kontakt zu treten. Statt auf den Spielplatz zu gehen, verbringt er die meiste Zeit lieber in einem Pappkarton. Gerade dieses reichlich seltsame Verhalten weckt das Interesse von David (John Cusack), der sich nach dem Tod seiner Frau wieder nach einer glücklichen Familie sehnt. Selbst als Dennis behauptet, ein Außerirdischer zu sein, schreckt ihn das nicht ab.

Der autobiographische Einfluss der Geschichte liegt auf der Hand. Wie Gerrold ist auch David ein erfolgreicher SF-Autor, und wie dieser versucht auch er, einen Waisenjungen zu adoptieren. In einem entscheidenden Punkt weicht der Film dann jedoch von der Vorlage ab. Entschied sich Gerrold vorrangig aufgrund seiner Homosexualität zur Adoption eines Kindes, handelt es sich bei Cusacks Rolle um einen Witwer, dessen Sehnsucht nach einem intakten Familienleben als Motivation für jene weitreichende Entscheidung herangezogen wird. Davids abgeänderte Biographie ist notwendig, damit der Film den Werten eines traditionellen Familienbildes entspricht. Da hierzu auch immer eine Mutter gehört – oder zumindest eine Frau, die diese Rolle ausfüllt – wird David in Person der von Amanda Peet gespielten Harlee ein attraktiver Mutter-Ersatz zur Seite gestellt.

Mein Kind vom Mars

Regisseur Menno Meyjes vertraut vor allem auf den Niedlichkeitsfaktor seines kindlichen Hauptdarstellers. Egal, ob Dennis einen Tanz nach Alien-Art vorführt, oder er die für ihn fremde Welt der Erwachsenen nach seinen Vorstellungen erforscht, in nahezu jeder Einstellung appelliert der Film über das zur Schau gestellte Kindchenschema an das Mitgefühl und den Fürsorgeinstinkt des Zuschauers. Schon aufgrund seiner Redundanz kann das allerdings leicht als enervierend wahrgenommen werden. Erschwerend kommt hinzu, dass auch auf der Tonspur in Form der immer gleichen Streicher-Stücke eine beängstigende Berechenbarkeit regiert, was nur die Einfallslosigkeit des Ganzen nochmals unterstreicht.

Anders als Iain Softleys K-Pax lässt die Geschichte in ihrer Konklusion keinerlei Spekulationen zu. Das phantastische Potenzial bleibt wie so vieles vollkommen unangetastet. Letztlich eignet sich Mein Kind vom Mars (The Martian Child) lediglich als Negativbeispiel dafür, wie man eine an sich bewegende, intime Erzählung möglichst effektiv ihrer emotionalen Ecken und Kanten beraubt.

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Kommentare


the Geek

Bei "Mein Kind vom Mars" handelt es sich um einen handwerklich gut gemachten Film, der mir eine gute Unterhaltung geboten hat. Der Film ist mit John Cusack und Amanda Peet, sowie dem Darsteller des Mars-Kindes Bobby Coleman, sehr gut besetzt. Es ist schön, dass der Autor nicht krampfhaft versucht, den Hauptcharakteren Steine in den Weg zulegen, um die Handlung unnötig in die Länge zu ziehen und stattdessen die Geschichte weiterentwickelt. Der Film ist definitiv besser als der zum Vergleich herangezogene "K-Pax".


Elke Ebeling

Herr Wessel kann wohl mit Happy-Ends nichts anfangen? Ebenso nichts mit "glücklichen Familien"? Schade! Ich habe nichts als enervierend empfunden und konnte auch keine Redundanz bemerken! Ich persönlich finde es schlimm, dass der Zuschauer oft nur die Wahl hat zwischen unsäglich flachen, nichtsagenden Filmchen oder schlafraubenden Dramen. Da kam mir dieser Film gerade recht!






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