Let’s make Money

Nach We Feed The World widmet sich Erwin Wagenhofer erneut den Schattenseiten der Globalisierung. Let’s make Money erzählt unter anderem wie afrikanische Bauern westliches Geld vermehren und dabei selbst arm bleiben.

Let’s make Money

Erwin Wagenhofer hätte sich für den Kinostart seines neuen Films keinen besseren Zeitpunkt wünschen können. Mit Let’s make Money erzählt er wie Banken, Konzerne und Unternehmen mit Unmengen an Geld spielen und behandelt damit genau jenes Thema, das in Gestalt der großen Finanzkrise seit Wochen die Nachrichten dominiert. Vor drei Jahren ging Wagenhofer in We Feed The World (2005) den sozialen und wirtschaftlichen Folgen von Billignahrungsmitteln auf den Grund. Diesem globalisierungskritischen Kurs bleibt er auch weiterhin treu.

Let’s make Money geht der Frage nach, was mit unserem Geld auf der Bank passiert und inwiefern es für uns „arbeitet“. Dabei zeigt der Film wie mit allen Mitteln möglichst hohe Profite erzielt werden und welchen Schaden diese Bestrebungen in den so genannten Entwicklungsländern anrichten. Wagenhofer formuliert sein agitatorisches Anliegen bei weitem subtiler, als man das von amerikanischen Kollegen wie Michael Moore und Morgan Spurlock kennt. Auf das vielleicht effektivste Manipulationsmittel des Dokumentarfilms, den Off-Kommentar, verzichtet der Film und vermittelt dem Zuschauer sein Anliegen über streng komponierte Bilder, Text-Inserts und vor allem über Interviews. Unter den zahlreichen Gesprächspartnern finden sich der Investor Mark Mobius, der deutsche Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer, der Economic-Hit-Man John Perkins, aber auch Obdachlose aus Washington und Baumwollpflücker aus Burkina Faso.

Let’s make Money

Wagenhofer setzt vor allem die extremen Kontraste zwischen Arm und Reich wirkungsvoll in Szene. Immer wieder stellt er die glänzenden Fassaden internationaler Finanzzentren wie Singapur und London den ärmlichen Lebensbedingungen von afrikanischen und asiatischen Slumbewohnern gegenüber. Dabei greift der Film mitunter auch jene plakativen Manipulationsmittel auf, die er zunächst vermeidet. Auf eine Einstellung, in der die goldenen Manschettenknöpfe und die protzige Armbanduhr von Mark Mobius gezeigt werden, folgen Aufnahmen indischer Obdachlose und suggerieren nicht das einzige Mal, dass die führenden Kräfte in den Chefetagen für die Armut einfacher Menschen verantwortlich sind.

Let's make Money vereint die scheinbaren Widersprüche einer distanzierten Herangehensweise und polemischen Tendenzen. Es scheint, als würde Wagenhofer in seinen Interviews mit Bankern und Investoren lediglich darauf warten, eine fragwürdige Äußerung einzufangen. Wenn Mark Mobius erzählt, dass der beste Zeitpunkt, um Aktien zu kaufen, dann ist, wenn Blut auf den Straßen klebt oder Gerhard Schwarz, Wirtschaftsredakteur der NZZ, fordert, man solle Einwanderern wie in einem Club ein Eintrittsgeld abverlangen, wirkt das im Film zu ausgestellt. Solche Äußerungen scheinen nur dafür bestimmt zu sein, dass sich aufgeklärte Zuschauer darüber echauffieren können.

Let’s make Money

Bereits We Feed The World war in Kapitel untergliedert und wurde von Interviews dominiert. Während Wagenhofer diese Vorgehensweise erneut aufgreift, scheint der Rahmen des Films, - Let’s make Money ist nicht nur zwanzig Minuten länger als sein Vorgänger, sondern verfügt auch über deutlich mehr Gesprächspartner und Schauplätze -, zu groß geraten. Die ständigen Orts- und Personenwechsel wirken durch das Fehlen einer deutlichen Struktur zu unübersichtlich. Wer sich zuvor wenig mit wirtschaftlichen Belangen befasst hat, dürfte sich von der Flut an Informationen schnell überfordert fühlen. We Feed The World war inhaltlich gerade deshalb so greifbar, weil eine Verbindungslinie zwischen globalen Entwicklungen und dem Supermarkteinkauf eines Otto Normalverbrauchers gezogen wurde. In Let’s make Money fehlt dieser Identifikationsansatz und die Beziehung zwischen dem Durchschnittsbürger und gierigen Investoren bleibt zu abstrakt.

Auch wenn Wagenhofer es mitunter mit seinem Informationsfluss übertreibt, schafft der Film ein Bewusstsein für globale Zusammenhänge. We Feed The World zeigte, dass man das dargestellte Übel etwa durch den Kauf von Bio-Lebensmitteln verhindern kann. Let’s make Money schließt in dieser Hinsicht pessimistischer, weil er seinen Zuschauern keine Handlungsanweisung mit auf den Weg geben kann. Wenn Hermann Scheer am Schluss des Films von einer durch Bürger organisierte, konkurrenzfähige Alternative zu den großen Banken träumt, ist das leider keine Lösung, sondern nur eine Utopie.

Kommentare


Susanne Lippert

Dieser Film ist wirklich sehenswert und zutiefst erschütternd. Warum wird er nur in so wenigen Kinos gezeigt und wenn, dann nur kurze Zeit und zu Zeiten, wo die, die Arbeit haben, arbeiten müssen (wochentags, 15.00 Uhr)??? Er sollte zum Pflichtprogramm in Schulen werden, z. B. Gymnasien, Fach Politische Bildung. Ich war nach dem Film völlig aufgewühlt und denke, dass es vielen anderen Menschen auch so gehen würde, wenn sie sich den Film zu Gemüte führen würden. Aber anscheinend sollen ihn nicht so viele Leute sehen, oder? Da könnte ja glatt eine Revolution draus entstehen.


Christian Ruckensteiner

War total gefesselt von der realen Darstellung, wie unsere Gesellschaft wirklich funktioniert. Leider wurde der Film bei uns in Österreich auch erst Spätabends-Start 23.00 Uhr-gesendet. Wohl nicht ganz unabsichtlich, denn die meisten Normalbürger schlafen ja zu dieser Zeit. Eigentlich hat der Film eh nur gezeigt, was ich schon lange wusste. Die unbeschreibliche Gier der Menschen nach mehr Geld und Macht, die skrupellos und unermesslich ist, und den Kollaps provoziert.Die Politik schaut zu, und hilft auch noch mit, siehe Bankenhilfspaket.
Wann hat das ein Ende?
Ich weiss es nicht, aber die Hoffnung stirbt zuletzt.


Sarah

Der Film hat mir sehr viele Sachen gezeigt, die mir im weiteren Leben helfen können. Ich bin erst 16 und ich finde diesen Film sehr wichtig und ich finde auch, das er Pflichtprogramm in Schule werden muss. Auch finde ich gut, das die Kommentare in dem Film nicht gespielt sind, sondern genau das sagen wie es in der Welt zugeht. Hier bei uns ist man reich, weil auf der anderen seite der Erde alle arm sind.






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