Latter Days

Ein bewegendes Drama über die Liebe zwischen einem eitlen Aufreißer und einem schüchternen Mormonenprediger. Vielleicht der Beginn eines schwulen Mainstreams.

Latter Days

Mit Latter Days präsentiert Regisseur C. Jay Cox, der schon das Drehbuch zu Sweet Home Alabama (2002) verfasste, sein Spielfilmdebüt in Form einer tragikomischen Liebesgeschichte. Christian (Wes Ramsey) ist ein narzistischer und oberflächlicher Aufreißer, der bei seinem Job als Kellner die meiste Zeit damit verbringt, mit seinen Kollegen über ihren hedonistischen Lifestyle zu tratschen. Als in seiner Nachbarschaft einige angehende Mormonenprediger einziehen, steht auch schon bald eine Wette um fünfzig Dollar, dass Christian es schafft, einen der gläubigen Jungs zu verführen. Diese haben reaktionäre Ansichten, was Schwarze, Frauen und natürlich auch Schwule angeht. Allein der stille und hilfsbereite Aaron (Steve Sandvoss) scheint ein dankbares Opfer für Christians Egotrip zu sein und sträubt sich seinen Anmachversuchen nur bedingt.

Latter Days

Die Handlung zeigt soweit schon sehr gut, dass es Cox nicht darum geht Stereotypen und Klischees zu vermeiden, sondern vielmehr als konsequentes Stilmittel zu benutzen. Christian stellt den Prototyp des eitlen Partyschwulen dar, der in seiner Freizeit in knackengen Hot Pants ins Fitnessstudio geht und seine Liebhaber wechselt wie andere Leute Unterhosen. Der schüchterne und anständige Aaron bildet hierfür den perfekten Gegenpol und als es zwischen den Beiden funkt, müssen sie zunächst lernen, mit der Welt des anderen klar zu kommen. So aufdringlich moralisierend dieses Unterfangen klingt, ist es dann im Film aber nicht dargestellt. Latter Days wird dadurch gerettet, dass er kein realistisch gehaltenes Drama ist, sondern sich in seinem eigenen märchenhaften Kosmos bewegt, der sich zwar durchaus der Realität bedient, aber letztendlich eine Fantasiewelt zeigt. Dabei funktioniert der Film auf einer rein emotionalen Ebene, den Intellekt außen vor lassend, um den Zuschauer in immer neuen dramatischen Wendungen vom pathetischen Spiel der Darsteller mitreißen zu lassen.

Zwar hat Cox nicht die geringste Scheu vor Trivialität, aber was seinen Film von anderen medialen Erscheinungen, die sich ganz dem Feiern von „großen“ Gefühlen hingeben, wie etwa einer Soap, unterscheidet, sind die humorvollen Situation, in denen die komplizierten Annäherungsversuche zweier unterschiedlicher Welten gezeigt werden. Der Zuschauer wird mit Kitsch konfrontiert, aber eben nicht von ihm erschlagen, weil der angehenden Romanze dafür zu viele Steine in den Weg gelegt werden und die Frage spannend bleibt, ob es ein gemeinsames Glück für Aaron und Christian gibt. Als es endlich zum ersten Kuss zwischen den Beiden kommt, werden sie von den anderen Predigern auf frischer Tat ertappt und Aaron muss sofort zurück in sein Kaff nach Idaho, wo ihn seine fanatischen Eltern sorgfältig von der Außenwelt abschirmen. Jetzt hängt ihre gemeinsame Zukunft allein von Christian ab, der keine emotionalen Bindungen gewohnt ist und zum ersten Mal in seinem Leben für die Liebe kämpfen muss.

Latter Days

Nachdem Filme mit schwulen Inhalten zum Großteil eher aus der Kunstecke kommen und kommerzielle Erfolge wie The Birdcage (1996) oder (T)raumschiff Surprise (2004) hauptsächlich aus slapstickhaftem Rumgeblödel bestehen, vermisst man so etwas wie ein qualitativ hochwertiges Mainstreamkino für Schwule. Latter Days bietet eine perfekte Mischung aus Humor, Drama, Pathos und Sex und erfüllt damit alle Anforderungen um diese Lücke zu schließen, weil er sowohl leicht zugänglich als auch allgemeingültig ist und deshalb zu so etwas wie dem Pretty Woman für Schwule werden könnte. Bei den beiden Hauptdarstellern handelt es sich um Newcomer, was sich positiv auf den Film auswirkt, weil man den unverbrauchten Gesichtern ihre Rollen sofort abnimmt. Der heimliche Star des Films ist allerdings Jacqueline Bisset als mondäne Lokalbesitzerin Lila, der die Rolle der Schwulenmama zukommt. Gezeichnet von persönlichen Schicksalsschlägen, umgibt sie die faszinierende Aura einer selbstbewussten Frau im besten Alter, die selbst während eines Heulkrampfs noch elegant wirkt und dabei auch noch außerordentlich gut aussieht.

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