Killing Them Softly

Es sieht schlecht aus in der Mafiawelt: Andrew Dominik scheitert an den eigenen Ansprüchen.

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In Zeiten der Krise geht es auch den Gangstern dreckig. Ist kein Geld im Umlauf, müssen Auftragskiller wie normale Arbeitnehmer den Gürtel enger schnallen. Anfahrtskosten mit Selbstbeteiligung, 3- statt 5-Sterne-Hotels, knappe Zeitpläne. „The US is not a country. It’s a marketplace. And now give me my fucking money“: Killing them softly schließt mit einer unmissverständlichen Aussage. Der Hitman Cogan (Brad Pitt) hat Überstunden gemacht und will seinen gerechten Lohn. Im Hintergrund läuft der Fernseher, Barack Obama verspricht den Wandel. Amerika vor der letzten Präsidentschaftswahl, ganz am Anfang der großen Krise: ein Bild des Jammers. Man kann nicht mal mehr richtig kriminell sein.

Natürlich ist organisierte Kriminalität zuallererst ein Business. In welchem Genre wird denn mehr Geld gezählt, gestapelt, verteilt und verzockt als im Gangsterthriller? Allein die Bilder sprechen für sich. Der Mafiosi war stets der dunkle Zwillingsbruder des Geschäftsmannes, und wie diesen gibt es ihn in verschiedenen Preisklassen: Kleinunternehmer, mittelständig, großes Kapital. Aber leichthin könnte man ja annehmen, dass die Kriminalität konjunkturunabhängig sei, sie steht ja per definitionem außerhalb der bestehenden Ordnung. Andrew Dominik jedoch behauptet in seinem dritten Spielfilm: Steckt die Gesellschaft in der Krise, dann leidet auch die Gangsterwelt.

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Also erklingen allenthalben Reden aus den Fernsehern und Radios, mischen sich im Soundtrack Filmmusik und Sprachfetzen. Es ist Wahlkampf; Bush, Obama und McCain zerreden kakophonisch die wirtschaftliche wie soziale Substanz. Aber ihre Worte – oder das darin versteckte Drama – kommen nicht an in den dunklen Bilderwelten von Killing them softly, wo Brad Pitt als Profikiller unter verfeindeten Mafiosi aufräumt. Das Versprechen des Films ist groß, die Ausführung ernüchternd: Assoziativ mag man die dunklen Phrasen aus Washington zu den desolaten Stadtlandschaften irgendwo in Louisana in Beziehung setzen können, aber eine tiefere Einsicht, eine erhellende Reflexion ergibt sich daraus nicht.

Cogan mordet auf Distanz. „I like to kill them softly. Not close enough for feelings“. Zu nah sollte man den Opfern nicht kommen, da würde es schnell tränenselig und unnötig schmutzig. Natürlich soll das auf die Entstehungsgeschichte der Finanzkrise hinweisen: Der arme Mann Amerikas wurde aus der sicheren Entfernung abstrakter Kapitalmärkte und verglaster Bankzentralen heraus hingerichtet, so wie Cogan im Vorüberfahren zu sanfter Soulmusik ein ganzes Magazin in Markies (Ray Liotta) Körper entleert. Aber wie er am Ende lernen muss: Der sanfte Mörder schwebt selbst in der Gefahr, hinterrücks von den Agenten der economy erdolcht zu werden. Doch ist diese Metapher wirklich aussagekräftig?

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Andrew Dominiks größte Schwäche ist seine Unfähigkeit, eine lebendige (Parallel-)Gesellschaft zu konstruieren, auf die man die politische Achse der eingespielten Reden beziehen könnte, an der sich ein konkreter Zustand abzeichnen würde. Der Mafiamob wird zwar als zauderhafter Haufen kleingeistiger Unternehmer beschrieben, aber zu sehen sind nur einzelne, isolierte Gestalten. Statt einer funktionalen Beobachtung, wie sich die schwierige Lage auf die Gangster und ihr Treiben auswirkt, macht sich eher eine allgemeine Malaise breit. James Gandolfini als trink- und frauensüchtiger Hitman wirkt wie ein Tony Soprano, der es nicht zur Therapeutin geschafft hat. Er schnauft und quasselt wie stets, aber einen Ausweg aus der Depression sieht er nicht mehr.

Die professionell betriebene Kriminalität recht grau ausschauen zu lassen, ist im Yakuzagenre eine Tradition (vgl. Outrage (2009) von Takeshi Kitano), und auch in Amerika haben The Wire (David Simon, 2002-2008) und The Sopranos (David Chase, 1999-2007) das Gangsterleben unter der ökomischen Lupe beobachtet, das Klein-Klein des ordinären Gauneralltags beleuchtet. Hier zeigt sich einmal mehr, dass die Fernsehserie soziopolitische Gemengelagen ungleich komplexer darstellen kann, als es in einem normalen Kinofilm je der Fall sein kann. Doch Dominik versucht es nicht wirklich mit der Analyse. Stattdessen setzt er ganz auf Stimmungen.

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In einzelnen Szenen schimmert dabei noch die inszenatorische Genialität des Australiers durch, wie man sie vom unvergesslichen Eisenbahnraub in Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford (2007) her kennt. Mit experimenteller Lichtsetzung, fließenden Farbschlieren und expressivem Soundtrack sprengt Dominik immer wieder die visuellen Codes des Genrekinos. Eine Prügeleinlage im strömenden Regen, bei der jeder Faustschlag lauter kracht als die dickste Schrotflinte, ist frappierend in ihrer schmerzhaften Effektivität. Aber der Großteil des Films beschränkt sich auf gemächlich geschnittene, leicht überspielte Dialogszenen mit Mafiosi-Blabla aus der Büchse. Das schmeckt manchmal doch sehr nach Tarantino in Moll.

Killing them softly ist letztlich ein Film ohne übergreifende Idee. Dominik will dem Gangstergenre unbedingt einen eigenen Stempel aufdrücken, wie es ihm zuvor beim Western gelungen war, doch hier fehlt der Masterplan. Er weiß nicht, wie er seinen doppelten Anspruch der Politisierung und Stilisierung erfüllen soll. So reden die Politiker auf der experimentell abgemischten Soundspur von Fehlern der Vergangenheit, von Hoffnung für die Zukunft und wie immer komplett an der Welt vorbei. Doch hier ist das einmal nicht ihr Fehler. 

Trailer zu „Killing Them Softly“


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Kommentare


Christian

Der größte Schrott den es gibt! Das 1. Mal , dass ich aus der Sneak-Preview gehen wollte. Langweilig und 100 x das Wort Fot** ... was sollen da bitte tolle Dialoge sein ? Lachhaft. So hochgelobt wie der wurde...einfach erbärmlich. Etwas für die "spezielle" Gemeinde die solche "speziellen" Filme mögen.






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