Hellboy 2
Guillermo del Toro kehrt nach [filmid: 784]Pans Labyrinth (2006) wieder in den Mainstream zurück und gibt dem neuen Hellboy-Film seine ganz eigene Note.
Manchmal gibt es seltsame Rückkopplungen zwischen Filmen und ihrer Musik. Dann kommt man aus dem Kino und hat einen bestimmten Song im Kopf, der aus dem Film heraus ins Ohr eingewandert ist und es sich dort eine ganze Weile lang als Wurm gemütlich macht.
Guillermo del Toro brockt seinen Zuschauern einen solchen Ohrwurm ein, mit „Can’t Smile Without You“ von Barry Manilow, einer veritablen Schnulze, und das Irritierendste daran ist vielleicht, dass man sie noch Tage nach dem Kinobesuch im Ohr hat, den Film dazu im Kopf, dieser aber zunächst nicht so recht zur Musik passen will. Denn wo Manilows Klassiker ein schwermütiges, schmachtendes Liebeslied ist, wirkt Hellboy 2 – Die Goldene Armee auf den ersten Blick eher wie ein grobschlächtiges Ungetüm von Film, ein Effekt- und Actiongewitter.
Es muss aber auch kräftig knallen, denn Ron Perlmans Hellboy, der Dämon mit den abgeschliffenen Hörnern, hat wieder kräftig zu tun. Prinz Nuada (Luke Goss), Abkömmling eines alten Geschlechts von Elfenherrschern, will sich mit dem Status Quo nicht zufrieden geben. Er will die „Goldene Armee“ wieder gegen die Menschen einsetzen, eine Armee von Kampfmaschinen, die tief unter der Erde stillgelegt wurden.
Nuada bedient sich der Hilfe aller möglichen Kreaturen, um sein Ziel zu erreichen, und so wird auch das Team vom „Bureau for Paranormal Research and Defence“ (BPRD), der Behörde, der Hellboy unterstellt ist, auf ihn aufmerksam. Wie man das von Hellboy und seinem Team, seiner Liebsten Liz (Selma Blair) und dem Fischmenschen Abe (Doug Jones) gewohnt ist, geht im Anschluss einiges Glas und Gemäuer zu Bruch.
Soweit ist Hellboy 2 comichaft-schematisch genug, um alle Vorurteile zu bestätigen, die man gegen eine Comicverfilmung hegen könnte. Es ist aber die Art und Weise, in der del Toro seinen Helden, für den er bei allen seinen Mängeln offenbar die größte Sympathie hegt, hier durch den Porzellanladen seines Lebens trampeln lässt, die Hellboy deutlich von anderen Comic-Figuren abhebt.
Denn Hellboy verdirbt es sich zunächst nicht nur mit seinem neuen Vorgesetzten, Johann Krauss; der ist ein Ektoplasma und deshalb ohne konkrete körperliche Form, weshalb er auch von gleich zwei Schauspielern verkörpert werden kann (John Alexander und James Dodd). Er bekommt außerdem richtig Krach mit Liz, die mittlerweile bei ihm eingezogen ist und sein Leben etwas auf den Kopf stellt („she wants me to do the dishes!“), genauer: Die ihm helfen muss, erwachsen zu werden.
Hellboy 2 gelingt etwas für eine Franchise-Fortsetzung leider sehr Seltenes: Der Film erliegt nicht der Versuchung, einfach nur das Gleiche in neuer Verpackung anzubieten, sondern gibt seinen Figuren einiges an Tiefe, Charakterentwicklung und Komplexität hinzu. Zwar bleibt Hellboy natürlich eine vergleichsweise simpel gestrickte Comicfigur; seine Überzeugungen etwa geraten in diesem Film nie ernsthaft in Gefahr, obgleich er sich wahrlich auch mit Nuadas Zielen identifizieren und gegen die Menschheit kämpfen könnte.
Aber der Moment, in dem Barry Manilows „Can’t Smile Without You“ zu hören ist, ist eine Szene, in der er dann doch nicht so einfach gestrickt ist: Als nämlich Hellboy und Abe, beide angetrunken und mit Liebeskummer, in der Bibliothek des BPRD sitzen und diesen Song laut mitsingen, ist das natürlich schmalzig und peinlich und ein bisschen simpel. Aber del Toro inszeniert die Szene nicht nur zum Amüsement der Zuschauer, sondern trifft damit den Kern der (noch etwas unreifen) Emotionalität, die vor allem die Figur von Hellboy auszeichnet.
Noch mehr Aufmerksamkeit als seinen Figuren hat del Toro der Außenwelt geschenkt, in der sie leben. In manchen Szenen ist die Pracht der Ausstattung, die Zahl der phantastischen Kreaturen schlicht erschlagend. Da gibt es den „Troll Market“ unter einer New Yorker Brücke, in dem bei einem Kameraschwenk mehr Phantastik zu sehen ist als manchen Regisseuren überhaupt einfallen würde. Dieser Filmemacher hat aber nicht nur Einfälle, er hat auch Ideen, sie zu nutzen; bei del Toro ist das eben nie nur Ausstattung, sondern gibt seiner Welt Tiefe und Komplexität.
Die Welt von Hellboy 2 sieht – das betrifft vor allem ihre Bewohner – an manchen Stellen des Films dem Universum von [filmid: 784]Pans Labyrinth (2006) fast ähnlicher als dem des ersten Hellboy-Films (2004); vielleicht verbindet sich die private Vorstellungswelt eines Filmemachers hier über mehrere Filme zu einem Ganzen. Auch wenn Hellboy 2 mit del Toros vorherigem Film vor allem stilistisch kaum vergleichbar ist, gibt es doch gewisse Themen, die wieder aufgegriffen werden; die Grundfesten der Welt sind nie so sicher, wie wir es uns vorstellen: Ein „Engel des Todes“ prophezeit wenig Hoffnungsvolles für Hellboys Zukunft. Ganz nebenbei ist so die Fortsetzung auch schon angekündigt.
Sie wird, wie so viele von del Toros Filmen, wieder mit vermeintlichen Gegensätzen spielen – hier sind es, ganz offensichtlich, in den Figuren von Abe und Hellboy, zunächst Wasser und Feuer; aber auch das Spiel mit Mechanik und Mythen, das den Regisseur schon in [filmid: 784]Pans Labyrinth beschäftigt hat, wird wiederkehren. Es ist ein altes Thema – nicht umsonst zitiert der Thronsaal von Nuadas Vater die Architektur von Fritz Langs Metropolis (1927) –, aber es ist noch lange nicht alles gesagt.
Filmkritik von Rochus Wolff
Veröffentlicht am 01.10.2008
Kommentare zu Hellboy 2
kritiker 28.10.2008 21:38
Ich fand diesen film wunderbar.... das mit den liebeslied ist perfekt in szene gesetz worden..
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Film-Angaben
Titel: Hellboy 2
USA 2008
Laufzeit: 115 Minuten
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Regie: Guillermo del Toro
Drehbuch: Guillermo del Toro
Produktion: Lawrence Gordon, Mike Richardson, Lloyd Levin
Bildgestaltung: Guillermo Navarro
Montage: Bernat Vilaplana
Musik: Danny Elfman
Darsteller: Ron Perlman, Selma Blair, Doug Jones, Luke Goss, John Hurt, James Dodd, John Alexander
Kinostart: 16.10.2008
DVD-Angaben
Titel: Hellboy 2: Die goldene Armee
Vertrieb: Universal Pictures
Bild: 1,85:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1), Türkisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Niederländisch, Türkisch, Griechisch
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Spieldauer: 115 Minuten
Extras: Audiokommentar mit Regisseur Guillermo del Toro, Besuche am Set, Notizbuch des Regisseurs
Verleih ab: 26.02.2009
Verkauf ab: 26.02.2009
Copyright Hellboy 2
Foto: © Universal
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