Der Mandant

Ein trickreicher Anwalt übernimmt die Verteidigung eines verwöhnten Sprösslings der oberen Zehntausend, der eine Frau vergewaltigt und fast ermordet haben soll. Spannender Gerichtskrimi, der vor allem durch seine Schauspieler besticht.

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Wie so oft, verrückt der deutsche Verleih so manches. Nicht der Mandant, sondern der Anwalt ist die interessanteste Figur in diesem Film, The Lincoln Lawyer ist deshalb nicht nur ein hübscher wortspielerischer Titel, sondern er trifft es auch besser.

Dieser Anwalt, gespielt von einem charismatischen Matthew McConaughey, arbeitet aus seinem Auto heraus, einem Lincoln Continental. Die ersten Minuten des Films zeigen tempo- und dialogreich seinen Alltag, mit Handy am Ohr, schwarzem Fahrer mit dunkler Vergangenheit, die an social engineering grenzende Bearbeitung von Justizangestellten und Kollegen, die kleinen Gefälligkeiten und Schmierereien, die man in diesem Metier in Los Angeles braucht, wenn man sein Geld so verdient wie dieser Mick Haller. Zu seinen Klienten zählen auch Rocker, die ihn für eine spontane Sprechstunde schon mal mit ihren Motorrädern auf dem Highway verfolgen. Aber selbst für diese harten Jungs hat Mick stets den richtigen Tonfall drauf. McConaughey darf in dieser dankbaren Rolle endlich einmal zeigen, dass er wesentlich mehr kann als romantische Komödien.

Der Mandant 02

Der Mandant ist die Verfilmung eines Romans des Krimischriftstellers und früheren Polizeireporters Michael Connelly, und ähnlich realistisch wie in dessen Büchern ist die juristische und polizeiliche Arbeitswelt auch im Film dargestellt. Ebenfalls ähnlich wie in Connellys Büchern ist die eigentliche Krimihandlung genau dies nicht, sondern eher eine Art Kolportage, dafür führt sie aber mitten hinein in eine schöne Film-noir-Welt. Darin gibt es alles, was das Genre braucht: Scharfe und schnelle Wortwechsel, eine irgendwie desillusionierte, aber auch toughe Hauptfigur und undurchsichtige, mächtige Menschen aus der Oberschicht. Zu Letzteren gehört Ryan Phillippe als Spross einer unfassbar reichen Familie, der wegen Vergewaltigung und versuchtem Mord angeklagt wird.

Phillippe hat man noch aus Robert Altmans Gosford Park (2001) in exzellenter Erinnerung, wo er einen als Dienstboten getarnten Schauspieler spielte. Auch als Der Mandant hat er hinter seiner Fassade aus äußerlicher Attraktivität und guten Manieren viel zu verbergen, zusätzlich strahlt er hier eine kaum kontrollierte Gefährlichkeit aus.

Der Mandant 03

Weitere Rollen sind ebenfalls exzellent besetzt. Willam H. Macy als Privatdetektiv spielt mit langen Haaren und leicht schmieriger Attitüde eindrucksvoll gegen sein Image vom ewigen ängstlichen Kleinbürger an. Michael Peña (als verzweifelter unschuldig Verurteilter) und Marisa Tomei (als Staatsanwältin und Micks Ex-Frau) runden die Riege ab.

Der einzige Langspielfilm von Regisseur Brad Furman war bisher ein B-Movie namens The Take (2007), das es nach Deutschland nur als DVD-Premiere geschafft hat. Auch Der Mandant ist kein bis in alle Einzelheiten stimmiges, hochprofessionelles Produkt. Aber er hat genug visuelle Energie, überraschende Wendungen und interessante Figuren, um über seine kurzweiligen 119 Minuten zu fesseln.

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