Der Auftragslover

Das französische Talent Romain Duris kehrt zurück auf die Kinoleinwand: als Mann, der Frauen gegen Bezahlung aus ihren Beziehungen heraushilft.

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Geheimagent James Bond hat die Lizenz zum Töten. Ethan Hunt stellt sich jeder Mission Impossible. Alex Lippi (Romain Duris) hat den Auftrag, unglücklichen Beziehungen ein Ende zu setzen. Unverkennbar ist das Spiel mit dem Action- und Agentenfilm, das Pascal Chaumeil im Titel und Konzept der romantischen Komödie, Der Auftragslover (L’arnacoeur, 2010), treibt. Wie Bond, Bourne und Co. ist er Profi auf seinem Gebiet und arbeitet in geheimer „Mission“. Angeheuert wird er von besorgten Familienmitgliedern und Freunden liierter Frauen. Diesen soll er mit seinem Charme und einem Kuss die Augen über ihre unbefriedigende Partnerschaft öffnen. Es geht nicht um Leben und Tod, sondern um Liebesglück oder -unglück.

Neben den Parallelen zum Agentenfilm liefert Chaumeil in seinem Kinodebüt einen „chick flick“ mit vielen klassischen Zutaten: Man nehme einen attraktiven Frauenhelden, der wider Erwarten plötzlich die Richtige findet. Nur ahnt er es am Anfang nicht, ebenso wenig wie sie, die nichts von ihm wissen will. Die schöne und selbstbewusste Juliette (Vanessa Paradis) beabsichtigt, in zehn Tagen den betuchten Briten Jonathan (Andrew Lincoln) zu heiraten. Ihr Vater (Jacques Frantz) engagiert Alex, um dies zu verhindern.

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Der Auftrag verstößt gegen die moralischen Prinzipien des Berufslovers. Die Lizenz zur Verführung gesteht er sich nur zu, wenn die Frau leidet. Die Verlobten Juliette und Jonathan scheinen aber eine erfüllte Beziehung zu führen. Da zwielichtige Schuldeneintreiber Alex im Nacken sitzen, ist er jedoch gezwungen, die Operation anzunehmen. Wie es das romantische Genre will, kommen sich die gegensätzlichen Protagonisten im Laufe der Zeit näher. Wenn sich da nicht das Gewissen des Meisterverführers zu Wort melden und die Wahrheit ans Licht kommen würde.

Zu Beginn wird dem Publikum anhand eines beispielhaften Falls und in einer rasanten Montage weiterer Aufträge das Muster vorgestellt, nach dem der Auftragslover arbeitet und bisher stets sein Ziel erreicht hat. Der Film präsentiert die betroffenen Frauen als unfähig, ihr Unglück zu erkennen oder es selbstständig abzuwenden. Naiv, manipulier- und dankbar fallen sie auf Alex und seine Masche herein und können erst nach dem zündenden Erlebnis ihre unbefriedigende Situation ändern. Als wirkungsvolle Waffen genügen Alex im entscheidenden Moment die immer gleichen Worte und ein tränenreiches, schmerzerfülltes Gesicht. Bei der unnahbaren und vermeintlich zufriedenen Juliette scheint er jedoch zunächst auf eine „Mission Impossible“ gestoßen zu sein. Als es dem Profi nach zahlreichen Strapazen und unvorhergesehen Wendungen dennoch gelingt, sie zu verzaubern, steht er selbst mit gebrochenem Herzen da.

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Ohne dem Genre viel Innovatives hinzuzufügen, ist Der Auftragslover schwungvoll und mit zündenden Gags inszeniert. Vor allem die beiden Mitarbeiter Alex’ – seine Schwester Mélanie (Julie Ferrier) und ihr Ehemann Marc (François Damiens), die dem Verführungsprofi in verschiedenen Verkleidungen zuarbeiten – sorgen für Wortwitz und Situationskomik. An  die Originalität kultverdächtiger Nebenfiguren, wie der des so skurrilen wie liebenswürdigen Mitbewohners Spike (Rhys Ifans) aus Notting Hill (1999), können sie allerdings nicht heranreichen. Und durch die Figur von Juliettes nymphomanischer und trinkfreudiger Freundin Sophie (Héléna Noguerra), wird der Humor mitunter reichlich brachial.

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Mit Selbstironie kann Der Auftragslover aber immer wieder für sich einnehmen. Gerade mit den Entlehnungen aus Actionfilmen scheint er sich hier und da selbst auf die Schippe zu nehmen. So bewegt sich Alex zu energiegeladener Musik lässig wie ein Agent oder Millionendieb durch das Bild. Auch die technische Ausrüstung und die Methoden, die er und sein Team zu Hilfe nehmen, erinnern an die Vorgehensweise Ethan Hunts. Diese Mittel setzt Chaumeil, dessen Lehrmeister kein anderer als Luc Besson war, gekonnt an den richtigen Stellen ein, um für Tempo und Komik zu sorgen. Weniger geglückt sind die Verweise auf Dirty Dancing (1987), die bei allem ironischen Augenzwinkern spätestens in der finalen Tanzszene der Hauptdarsteller in Kitsch abdriften.

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Vanessa Paradis spielt ihre Figur routiniert und etwas blass. Der Film, der stilistisch Hollywood nähersteht als anderen französischen Liebeskomödien, wird getragen vom Charisma Romain Duris’. Den meisten ist er aus L’Auberge espagnole – Barcelona für ein Jahr (L'auberge espagnole, 2002) bekannt. Er wurde unter anderem für seine Darbietung in Der wilde Schlag meines Herzens (De battre mon cœur s’est arrêté, 2005) ausgezeichnet. Er meistert die humorvolle Hauptrolle souverän und brilliert insbesondere mit mimischer Komik. Chaumeil würzt die klassischen Elemente des Genres mit den spielerischen Verbindungen zum Agentenfilm und Duris’ Charme. Denn wie weit würde selbst 007 ohne seinen unwiderstehlichen (Sex-)Appeal kommen?

Trailer zu „Der Auftragslover“


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