Das Morphus-Geheimnis
Der zehnjährige Nicki muss sich gegen waschechte Gangster behaupten und das Geheimnis eines legendären Musikstücks ergründen. Ein Film für die ganze Familie, aber eindeutig mehr für die Kinder als für die Eltern.
Es ist sozusagen das ultimative Wiegenlied: Wer es hört, schläft ein. Komponist des legendären Stücks ist kein Geringerer als Beethoven, und als der zehnjährige Nicki, der im Schulorchester die Trompete spielt, durch einen Zufall in den Besitz der Notenblätter gelangt, beginnt eine wilde Verfolgungsjagd. Denn an dem verzauberten Lied haben auch zwei Ganoven Interesse, die kriminelles Potenzial darin sehen, jeden beliebigen Menschen in Schlaf versetzen zu können.
Das Morphus-Geheimnis ist durch und durch ein Kinderfilm. Soll heißen, dass hier den erwachsenen Zuschauern nicht mit popkulturellen Anspielungen oder sonstigem Netz und doppelten Boden die Zeit vertrieben wird. Oder auch nur mit einer wirklich spannenden Geschichte. In dieser hier geht es allein um die Kinder, ganz direkt, vor allem um Nicki. Der schüchterne Junge, gespielt von Debütant Jonas Hämmerle, wird von seinen Mitschülern gern gehänselt. Er ist begabt, aber zurückhaltend. Am Ende, damit verrät man nicht zu viel, wird er über sich hinausgewachsen sein.
Auch die restlichen Figuren sind ein regelrechtes Standardensemble. Da ist das kluge Mädchen, mit dem Nicki sich angefreundet hat (Magali Greif), das aber nicht so recht etwas zu tun hat, außer klug zu sein. Da sind seine zwar liebevollen, aber auch etwas ignoranten Eltern (Michael Roll und Charlotte Crome), und da sind vor allem die beiden Gauner Max und Kwapisch (Oliver Korittke und Arndt Schwering-Sohnrey). Der eine wirklich skrupellos, der andere etwas dumm, aber im Herzen gut. Die beiden sorgen dann auch für Slapstick, während der Film insgesamt eine Mischung aus Krimi, Abenteuer und Fantasy darstellt. Die Kinderdarsteller, vor allem der viel Sensibilität ausstrahlende Jonas Hämmerle, sind ganz offensichtlich mit viel Spaß bei der Sache. Die Erwachsenen spielen im etwas übertriebenen Stil von, nun ja, Kinderfilmen. Insgesamt kommt die ganze Sache etwas hölzern daher, und man fragt sich, ob nicht auch Kinder heute mehr erwarten, wenn sie ins Kino gehen.
Ein unterhaltsamer Film mit familientauglicher Moral ist Das Morphus-Geheimnis aber allemal. Munter wechseln die Schauplätze von der Schulaula zum Kinderzimmer zur Winterlandschaft zum Luxushotel. Spannung kommt auf, als der ahnungslose Nicki dann tatsächlich das mysteriöse Beethoven-Stück spielt und das ganze Hotel in den Tiefschlaf trompetet. Nur noch einer der tolpatschigen Gangster und Nicki sind wach, dem dann allerlei pfiffige Tricks einfallen, um sich zu behaupten – bis er noch ein zweites Mal zur Trompete greift, und dieses Mal seinen Beethoven sogar rückwärts spielt. Aber dass Nicki begabt ist, wurde ja bereits erwähnt.
Filmkritik von Thorsten Funke
Veröffentlicht am 17.01.2009
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Film-Angaben
Titel: Das Morphus-Geheimnis
Deutschland 2008
Laufzeit: 96 Minuten
Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Regie: Karola Hattop
Drehbuch: Andrzej Maleszka
Produktion: Jürgen Haase
Bildgestaltung: Sebastian Richter
Montage: Karola Mittelstädt
Musik: Eike Hosenfeld, Moritz Denis
Darsteller: Jonas Hämmerle, Michael Roll, Oliver Korittke, Arndt Schwering-Sohnrey, Magali Greif, Charlotte Crome
Kinostart: 22.01.2009
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