Das Konklave
Sex, Intrigen und Männer in schicken Kostümen – Christoph Schrewe verfilmt eine Papstwahl der Renaissance als kirchliches Kammerspiel mit allen Zutaten.
Wir schreiben das Jahr 1458. Die Leiche von Papst Calixtus III. ist noch warm, da ist der machtpolitische Kampf um seine Nachfolge bereits in vollem Gange. Die wahlberechtigten Kardinäle der römisch-katholischen Kirche ziehen nach Rom, um einen neuen Heiligen Vater zu bestimmen. Bis die Entscheidung gefallen ist, werden die rotgewandeten Geistlichen in den Quirinalspalast gesperrt. An diesem sogenannten Konklave nimmt zum ersten Mal auch der 27jährige Rodrigo Borgia (Manuel Fullola) teil. Aus seiner Perspektive wird die historische Geschichte um Ämterschacherei, den wilden Vatikan und den wahren Glauben erzählt.
Regisseur Christoph Schrewe war bislang eher für einschlägige TV-Komödien bekannt (Popp Dich schlank, 2004; War ich gut?, 2006). Mit der deutsch-kanadischen Koproduktion Das Konklave nutzte er die Chance, einen Historienfilm fast komplett im Studio zu inszenieren. Gedreht wurde relativ kostengünstig auf HD, viele Szenen wurden erst am Computer vervollständigt. Die technische Beschränkung kommt der Dichte der Inszenierung zugute. Der Machtkampf zwischen dem Pontifex Maximus-Kandidaten Aeneas Sylvius Piccolomini (Brian Blessed) und seinem Antagonisten Guillaume d’Estouteville (James Faulkner) ist auch ein großes Schauspielerduell. Die Kamera (Mathias Neumann) konzentriert sich in vielen Großaufnahmen auf die zerfurchten Gesichter der Männer, die Dialoge sind pointiert, und das Wahldrama im abgeschlossenen Palast entfaltet eine stimmungsvolle Spannung.
Nur ist der junge Rodrigo Borgia dabei die konturloseste der Figuren – halb naiv, halb opportunistisch dient er sich den verschiedenen Parteien an. Hier zeichnet sich schon die politische Wendigkeit ab, die den historischen Borgia einige Zeit später selbst auf den Heiligen Stuhl befördern sollte. Besonders sympathisch macht es den Spanier innerhalb des Films jedoch nicht. So scheint Manuel Fullolas wichtigste Funktion vor allem darin zu bestehen, auch im Kardinalskostüm eine jungenhaft-glattrasierte Sexyness ins häufig recht düstere Gemäuer des Vatikans zu tragen. Dass die christlichen Amtsinhaber der Renaissance noch nicht unter dem Zölibat zu leiden hatten, zeigt Das Konklave gleich zu Beginn: Hier absolviert Nora Tschirner einen Kurzauftritt als Rodrigos Geliebte.
Vielleicht versucht auch die katholische Kirche, ein wenig von diesem zeitgemäßen Sexappeal zu profitieren, indem sie Vorführungen des Films unterstützt. Das Bemerkenswerte an Das Konklave sind aber nicht die Oberflächenreize, sondern die Darsteller der alten Kirchenfürsten und ihr hartnäckiges Tauziehen um den obersten Posten im Namen des Herrn.
Filmkritik von Sonja M. Schultz
Veröffentlicht am 04.12.2007
Kommentare zu Das Konklave
Murawa 05.12.2011 18:16
Gibt es ein eine DVD davon zu kaufen ?
Sonja 05.12.2011 18:27
Ich habe nichts dazu gefunden. Vielleicht war der Film auch nicht erfolgreich genug für eine DVD.
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Film-Angaben
Titel: Das Konklave
Deutschland, Kanada 2006
Laufzeit: 100 Minuten
Regie: Christoph Schrewe
Drehbuch: Paul Donovan
Produktion: Sytze van der Laan
Darsteller: Manu Fullola, Brian Blessed, James Faulkner, Peter Guinness, Holger Kunkel, Nicholas Irons, Rolf Kanies, Brian Downey, Nora Tschirner
Kinostart: 01.11.2007
Copyright Das Konklave
Fotos: © Novapool Pictures
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