Columbus Circle

George Gallos Thriller Columbus Circle vermag klangvolle Assoziationen hervorzurufen, bietet selbst aber nur solides Routinewerk.

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Der Reiz von Columbus Circle speist sich aus dem Zusammenspiel verschiedener Spannungsstrategien, die George Gallo in seinem Werk vereint. Zunächst lässt sich der Film einer Gruppe von Thrillern (z.B. Polanskis Der Mieter (Le Locataire, 1976), The 4th Floor – Haus der Angst (1999) oder Alex de la Iglesias Allein unter Nachbarn (La Communidad, 2000)) zuordnen, als deren Kern man die „Böse-Nachbarschafts-Thematik“ festhalten könnte. Der Haupthandlungsort ist, wie für diese Art von Filmen üblich, ein Gebäudekomplex, in diesem Fall eines der Wohnhäuser um den titelgebenden New Yorker Columbus Circle. Der Grundkonflikt erwächst aus dem antagonistischen Verhältnis zwischen verschiedenen Wohnparteien. Nach dem als Unfall getarnten Mord an einer älteren Dame wird deren Wohnung von dem jungen Paar Charles (Jason Lee) und Lilian (Amy Smart) bezogen, was der Nachbarin Abigail (Selma Blair) gar nicht gefällt. Diese ist in Wirklichkeit eine untergetauchte Millionenerbin und leidet unter allerhand Neurosen, insbesondere Agoraphobie. Seit Jahren hat sie ihre Wohnung nicht mehr verlassen, ebenso wie diese niemand betreten durfte. Ihre einzige Verbindung zur Außenwelt sind der suspekt überfreundliche Concierge Klanderman (Kevin Pollak) und ihr Vertrauter Dr. Raymond Fontaine (Beau Bridges). Als Abigail jedoch Zeuge wird, wie der betrunkene Charles Lilian auf dem Flur brutal zusammenschlägt, gewährt sie entgegen ihren inneren Zwängen zum ersten Mal jemandem Einlass in ihre Wohnung und damit letztlich in ihr Leben.

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Die Mysterystrategie im ersten Teil des Films, in dem vor allem visuell durch wiederholte Motive wie den paranoiden Blick durch den Türspion oder eine verschrobene Perspektive entlang des Korridors eine bedrohliche Atmosphäre aufgebaut wird und viele Zusammenhänge im Unklaren bleiben, wird im zweiten Teil weitgehend von Suspense abgelöst. Einige Figuren geben dem Zuschauer ihr wahres Gesicht und Vorhaben zu erkennen, die Hauptfigur bleibt darüber jedoch im Ungewissen. Allmählich entwickelt sich der Film zu einem sehr klassischen Thriller à la Hitchcock, wenn nach und nach einzelne zu Beginn aufgeworfene Fragen geklärt und vermeintlich zusammengefügt werden, worauf man bereits im Vorspann eingestimmt wurde, der aus sich zusammensetzenden Puzzleteilen bestand.

Schließlich zeichnet sich Columbus Circle vor allem im letzten Drittel durch einige Überraschungsmomente und durch einen deutlichen Touch Neo Noir aus, wie man es aus vielen der schwarzhumorigen Werke der Coen-Brüder kennt. Unerwartete Zwischenfälle stellen die bisher angedeuteten Handlungslinien auf den Kopf, indem beispielsweise zentrale Figuren plötzlich ausscheiden oder vermeintliche Opfer sich als doch nicht so harmlos herausstellen.

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Leider aber vermag Columbus Circle insgesamt die genannten Referenzen nur in Erinnerung zu rufen, ohne sich damit messen zu können. Der Plot an sich ist zwar bis zur letzten Szene durchdacht, wirkt dabei aber oft zu sehr konstruiert. Außerdem verlieren einzelne Umstände und Figuren, die in Einzelszenen vielleicht noch nachvollziehbar erscheinen, in der Gesamterzählung schließlich ihre Plausibilität. Die größte Schwachstelle liegt hier im Ende der Geschichte. Der vermeintliche Twist lässt zwar alle Fäden in einer grundlegenden Pointe zusammenlaufen, jedoch funktioniert dies nur dadurch, dass die vorherige Figurenzeichnung weitgehend über den Haufen geworfen wird.

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Am besten kann man den Film als Routine-Thriller mit Starfaktor genießen. Keiner der ganz großen Stars, dafür um so mehr bekannte Nebenrollengesichter auf einmal. Am bemerkenswertesten ist hierbei Jason Lee, der ganz entgegen seiner üblichen Besetzung als harmloser und charmanter Slacker nun den gewalttätigen Widerling mimen darf. Wenn zudem keine allzu großen Erwartungen an Kontingenz im Storytelling gestellt werden, taugt Columbus Circle immerhin für 82 Minuten solide Unterhaltung.

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