Bridget Jones' Baby

Die wahre Liebe nur als Farce: In der neuesten Auflage treibt Sharon Maguire den anti-romantischen Gestus der Bridget-Jones-Filme auf die Spitze.

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Warum verliebt man sich eigentlich in Bridget Jones? Oder zunächst mal eine andere Frage: Warum verzieht Bridget Jones eigentlich immer so selbstmitleidig das Gesicht, wenn sie sich ihr Single-Leben vor Augen führt, obwohl sie doch langsam wissen könnte und müsste, dass ihr kaum Besseres passieren kann als die Einsamkeit? Single zu sein bedeutet für Bridget Jones ja nie die Abwesenheit eines Liebespartners, sondern einen Überschuss potenzieller Lover. Das Drama ist und war es nie, niemanden zu haben, sondern entscheiden zu müssen, wer wieder gehen soll. Das hält die Sache am Laufen. Und ja, wichtig ist, zu entscheiden, wer gehen soll, und nicht wer bleiben soll, denn bleiben soll eigentlich niemand. Worum es Bridget geht, und darin liegt ihre nicht unsympathische Egomanie: dass sich die Männer um sie herum beständig aufs Neue in sie verlieben. Es geht also nicht darum, dass besagte Männer sie tatsächlich lieben müssten, dauersinngebend, wie es die romantische Liebe voraussetzen würde.

In einem gewissen Sinne bildet das Bridget-Jones-Franchise also ein völlig anti-romantisches Universum aus. Sinnstiftung gibt es in diesen Filmen – und das Ende des neuesten treibt das gewissermaßen auf die Spitze – nur als Farce. Wenn also der brandneue Kandidat Jack Qwant (Patrick Dempsey) einmal in ihre beschauliche Wohnung einfällt und dabei ein kleines, zuckersüßes Spektakel aufführt, indem er Essen aus einem tollen Restaurant mitbringt, einen Blumenstrauß, ein IKEA-Regal, um so im Schnelldurchlauf die einzelnen Stationen einer auf Dauer gelingenden Beziehung spielerisch abzuarbeiten (was ihm unglaubliche gedankliche Mühen abgerungen haben muss und wofür man ihn, gemäß der Logik anderer Filme und anderer Intimitätskonfigurationen, bis ans Ende aller Tage lieben müsste), dann hat der gute Mann eines nicht verstanden, nämlich dass man diese Bridget Jones mit kaum etwas weniger gewinnen kann als mit einer derart altbackenen romantischen Performance.  Bridget kann nicht anders: Sie muss das Gesicht verziehen.

Das Überschussdrama

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Es ist nun eine Weile her, dass Bridget zum letzten Mal in Entscheidungsnöte manövriert wurde – nämlich 2004 mit Bridget Jones – Am Rande des Wahnsinns. Verändert hat sich seither einiges, allem voran gewiss das Äußere von Renée Zellweger, das, weil es ja stets keine marginale Rolle in dieser Filmreihe spielte, sicherlich zum Aufhänger für Diskussionen werden wird. Das Gesicht, das Bridget mit der ihr typischen Gesetzmäßigkeit verzieht, wenn sich das Überschussdrama anbahnt, ist jedenfalls ein anderes, was dem Film aber noch lange nicht zum Problem werden muss.

Die Prämisse des Films ist schnell geklärt: Bridget schläft in kurzem Abstand mit zwei Männern. Einmal wankt sie betrunken in das falsche Luxuszelt auf einem Musikfestival, rauscht mitten hinein in den Beischlaf mit jenem Jack, der sie kurz zuvor mit einem zauberhaften Lächeln noch buchstäblich aus dem Dreck gezogen hatte. Später kommt es mit dem antiquierten, stocksteifen Gentleman Mark Darcy (Colin Firth) zur wiederholten felix coniunctio. Bridget wird schwanger und weiß nun freilich nicht von wem. Beide Männer – und damit hat sie nicht gerechnet – sind alsbald zu Tränen gerüht und überglücklich, Vater werden zu dürfen.

Liebesphysik

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Freilich wird diese viel zu beseelte Dreierkonstellation, innerhalb derer man sich, wenn überhaupt, liebevoll bekriegt, fröhlich im Klamauk paniert. Einmal sitzen alle drei beim Schwangerschaftssport auf einem der dafür vorgesehenen Hüpfbälle. Jack und Mark – der Höhepunkt ihrer geteilten Vaterschaft – werden zum Schwulenpaar erklärt, und nachdem die Situation keine klärende Rede zulässt, müssen sie sich auch wie eins verhalten, was von Bridget einmal mehr mit einer Schnute belohnt wird. Aber die Frage bleibt: Warum verliebt man sich eigentlich in Bridget Jones? Möglicherweise geht es in diesen Filmen – und in diesem besonders – nicht nur um die fade Anziehungskraft zwischen Gegensätzen, die die Männer, die in irgendeiner Form immer von Welt sind, nicht von der schusseligen Herzensdame lassen lässt.

Eine mögliche Antwort auf die Frage gibt der Film ganz explizit. Denn Jack hat das große Geld, das man machen muss, wenn man in Bridgets Umlaufbahn zirkulieren will, mit einer Datingseite gemacht, die mittels eines Liebesalgorithmus die perfekten Pärchen kalkuliert. Darüber mag man sich lustig machen, das mag auch ganz besonders Mark auf die Palme bringen, wenn er in einem heimlichen Moment seine Liebeswerte ausrechnen lässt, aber am Ende ist doch die Gesetzmäßigkeit, nach der man sich als Mann in Bridget Jones verliebt von denen der Physik nicht weit entfernt. Man liebt sie nicht, weil sie anders ist, unangepasst, weil sie früher etwas rundlicher war. Man liebt sie, weil man erst durch diese Liebe teil hat an der Welt, weil sie einen integriert in den sozialen und politischen Raum. Alle Männer haben Geld und ansehnliche Berufe und sind dennoch gänzlich unsozialisierte Körperhüllen. Beide haben im Grunde kein eigenes Umfeld, treten in die Jones’sche Atmosphäre ein wie Meteoriten, die zuvor planlos im Nichts schwirrten.

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Erst mit Bridget ist man in die Welt integriert, ob in der Nachrichtensendung, für die sie die Regie führt, oder auf einer Demonstration für – beim Namen werden sie nicht genannt – Pussy Riot. Selbstverständlich will ausgerechnet in dieser Szene das Kind auf die Welt kommen, wenn man im Stau vor abgeriegelten Straßen steht, wenn sich Menschenmassen durch sämtliche Kanäle der Stadt schieben, wenn sich die Welt zu jenem soziopolitischen Raum verdichtet, geradezu eingedickt hat, zu dem man nur Zugang erhält, wenn man mit Bridget Jones die Liebe teilt.

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