Benda Bilili! – Kritik

Zwei französische Regisseure widersetzen sich der Versuchung, ihr Porträt der kongolesischen Band Staff Benda Bilili zu einem „Kinshasa Social Club“ werden zu lassen.

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Ursprünglich handelte es sich bei Staff Benda Bilili um ein eher loses Kollektiv von Straßenmusikern, die sich im verwilderten Zoo der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa regelmäßig zum Jammen trafen. Erst die französischen Filmemacher Renaud Barret und Florent de La Tullaye ermöglichten den Musikern, ihr erstes Album „Très Très Fort“ mit dem Produzenten Vincent Kenis aufzunehmen, und vermittelten ihnen erste Auftritte in Europa. Die Dokumentation Benda Bilili! beobachtet somit nicht nur den Karriereverlauf der Band über einen Zeitraum von fünf Jahren, sondern ist auch selbst maßgeblich an ihrem internationalen Durchbruch beteiligt.

Beinahe alle Mitglieder von Staff Benda Bilili leiden an den Folgen von Kinderlähmung und bewegen sich mithilfe von Rollstühlen fort, die aus alten Fahrrädern gebaut wurden. Ein Film über eine aus körperbehinderten Menschen bestehende Musikgruppe in einem zentralafrikanischen Armenviertel, noch dazu inszeniert von zwei Franzosen, birgt natürlich einige Gefahren. Benda Bilili! weicht diesen – dem kolonialistischen Blick, der Romantisierung von Armut und der Mitleid erheischenden Inszenierung behinderter Menschen – aber weitgehend aus. Die Behinderung der Musiker wird erst gar nicht thematisiert, sondern einfach als gegeben hingenommen.

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Das Presseheft bezeichnet den Film publikumswirksam als „Kinshasa Social Club“ – ein Zitat aus der „Times“ –, und tatsächlich kommt die Parallele zu Wim Wenders’ Dokumentation Buena Vista Social Club (1999) nicht von ungefähr. Der aus afrikanischen wie lateinamerikanischen Elementen bestehende Sound von Staff Benda Bilili, basierend auf der kongolesischen Rumba Soukous, erinnert teilweise stark an den lässig groovenden Son ihrer kubanischen Kollegen. Es ist eine Musik, die auch gut in bildungsbürgerliche Wohnzimmer passt. Die politischen Appelle der Texte – mal werden Eltern dazu aufgerufen, ihre Kinder gegen Polio zu impfen, mal werden die Bewohner des Kongo zum Wählen animiert – gehen durch die überwiegend in Lingàla gesungenen Stücke freilich verloren.

Als Projektionsfläche bürgerlichen Fernwehs eignen sich die imposanten Kolonialbauten Havannas allerdings deutlich besser als ein Armenviertel in Kinshasa, in dem die Menschen auf Pappkartons schlafen. Es ist aber nicht allein der Schauplatz, sondern auch der Zugriff der Regisseure, durch den Benda Bilili! etwas Reibungsfläche besitzt. Bemerkenswert ist, wie das gegenseitige Abhängigkeitsverhältnis zwischen den Musikern und den Filmemachern transparent gehalten wird. Für Barret und de La Tullaye sind Staff Benda Bilili vor allem ein interessantes Sujet, an das sie sich mit zwei ebenfalls in Kinshasa angesiedelten Kurzfilmen herangetastet haben. Doch auch Frontmann Ricky ruft seine Bandkollegen mehrmals zur Disziplin auf, um die Regisseure nicht zu verprellen, und schützt die „Weißen mit der Kamera“ vor verbalen Angriffen missgünstiger Bewohner.

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Leider zwängt Benda Bilili! sein Porträt einer ungewöhnlichen Band in ein enges dramaturgisches Korsett. Erzählt wird letztlich eine klassische Erfolgsgeschichte mit Exposition, Rückschlägen – ein Wohnungsbrand verzögert etwa die Aufnahmen und die Dreharbeiten – und schließlich einem mit internationalen Auftritten gekrönten Höhepunkt. Auch die Begegnung mit Roger, dem Jungen, der aus einer leeren Dose eine einsaitige Laute gebastelt hat und zum musikalischen Adoptivsohn wird, rückt immer wieder in die Nähe des Sentimentalen. Der Trost, der aber selbst in den schwächeren Momenten des Films bleibt, ist die wirklich hervorragende Musik.

Trailer zu „Benda Bilili!“


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